Sie sind hier:  Entertainment

Die Blechtrommel

von Günter Grass
nach der Bühnenfassung von Peter Schanz
Dauer ca. 2 Stunden, 50 Minuten (eine Pause)
Inszenierung Andreas Nathusius
Ausstattung Annette Breuer
Musik Felix Huber
Video Thomas Lippick
Puppenspiel-Trainer Benno Lehmann
Dramaturgie Anja Sackarendt
Karten für die Lübecker Bühnen gibt es hier


Wer ist Oskar? Die Frage treibt Regisseur Andreas Nathusius (u. a. »Der blaue Engel«, »Joseph und seine Brüder « und »Die Nibelungen«) um: Oskar Matzerath, hellhörig und geistig voll entwickelt schon als Säugling, beschließt an seinem dritten Geburtstag nicht weiter zu wachsen. Ohne Empathie betrachtet er das Treiben der Großen, Kleinbürger und Scheinheiligen. Völlig von eigenen Begierden und Ängsten gesteuert, bleibt der eigenwillige Zwerg trotzig bis er längst das Erwachsenenalter erreicht hat. Stumm verweigert er sich, nur mit seiner Blechtrommel kommuniziert er und kommentiert den Weltenbrand, sein Schrei lässt Glas zerspringen.

Günter Grass' Roman Die Blechtrommel ist seit 2010 bereits vier Mal trommelnd auf der Bühne erschienen, seine Wahlheimat Lübeck kommt jetzt mit der fünften. Und so kommt es, das auf einmal mit Cordjackett, Pfeife und Nachdenklicher Miene, Günter Grass selber seine Meinung zum Stück, der damaligen und heutigen Politischen Lage abgibt, ob gewünscht oder nicht. Andreas Hutzel spielt diesen Grass mit Überzeugung, es ist ja auch nicht das erste Mal das er in diese Rolle schlüpft,  man denke nur an die Fahrt in der Museumsnacht mit den Oldtimerbus, als Hutzel Grass perfekt inszenierte. Hutzel spielt ihn mit viel Ironie, aber immer mit viel Hochachtung, ein Meisterstück vor, 
allem vor dem Lübecker Publikum. Ich selber hatte das Glück, ihn mehrmals persönlich zu treffen und kann nur sagen, Hut ab vor Andreas Hutzel

 

Das größte Problem ist aber Oskar selber, stellt er doch schon mit drei Jahren sein Wachstum ein. Ein Problem für jeden Regisseur. Volker  Schlöndorff hatte in seinen Film den zwergwüchsigen David Bennent, aber im Theater? So sind es dann auch fünf ganz in Weiß gekleidete Oskar-Darsteller, welche den kleinen Oskar Matzerath zum Leben erwecken. Ergänzend dazu  wird mit einer Videokamera die Perspektive des kleinen Oskars auf eine  Leinwand projiziert, um so den Gedanken des Romans am nächsten zu kommen.  Bei seinen zwei Vätern fand man auch gute Darsteller, wobei man bei Peter Grünig als Alfred Matzerath eine Anlehnung an die Filmische Darstellung von Mario Adorf nicht verleugnen kann.

 

Die Blechtrommel auf den Lübecker Bühnen ist kein Film, auch wenn man Volker Schlöndorffs Die Blechtrommel  immer im Hinterkopf hat,  es ist eine gelungene Annäherung an den Roman, wobei durch die Figur Günter Grass die Nähe und Verbundenheit zu seiner Wahlheimat Lübeck deutlich wird.

 

Wenn es eine deutsche Bühne gibt auf der die Die Blechtrommel gehört, dann ist es die Lübecker.