Elang Jawa 1 Der Pirat von Pasar Setan

Elang Jawa 1 Der Pirat von Pasar Setan
Nugros, Kusbiantoro
Hardcover, 64 Seiten, farbig
€ 20,00
ISBN 978-3-949987-80-9
Zack Edition

Schon im Vorwort wird klar gemacht, dass diese Geschichte keine historisch belegte Reise erzählt. Stattdessen basiert sie auf einer fantasievollen Erzählung, die der Vater des Autors einst entwickelt hat. Aus dieser Grundlage entsteht in Elang Jawa – Der Pirat von Pasar Setan ein Abenteuer, das sich bewusst zwischen Realität, Legende und Fantasie bewegt.

Der Titelheld bewegt sich in einer Welt, die stark von der Kultur und Mythologie Indonesiens geprägt ist. Bereits der Name „Elang Jawa“, der sich auf den majestätischen Java-Adler bezieht, deutet an, dass hier nicht nur eine einfache Piratengeschichte erzählt wird. Vielmehr begegnet man einer ganzen Reihe von Figuren und Kreaturen, die aus Sagen, Volksglauben und Fantasie stammen.

Die Handlung beginnt zunächst relativ klassisch: eine Reise, ein Abenteuer, eine Mission, deren genauer Ausgang lange unklar bleibt. Doch schon nach wenigen Seiten merkt man, dass die Autoren keine gewöhnliche Seefahrergeschichte erzählen wollen. Immer wieder tauchen unerwartete Begegnungen auf, die die Welt des Comics größer und geheimnisvoller wirken lassen.

Besonders auffällig ist die Vielfalt der Wesen, denen der Held begegnet. Neben menschlichen Gegnern gibt es zahlreiche fantastische Kreaturen, die mal bedrohlich, mal rätselhaft und manchmal sogar überraschend humorvoll wirken. Dazu gehört etwa der sagenhafte Java-Adler, der in der Geschichte eine besondere Rolle spielt. Ebenso begegnet man einem seltsamen blauen Wesen, das aufrecht geht und sogar gegen Elefanten kämpft – eine Szene, die zugleich absurd und faszinierend wirkt. Später taucht sogar ein Dschinn auf, was der Geschichte noch einmal eine ganz andere, beinahe märchenhafte Dimension verleiht.

Gerade diese Mischung aus Piratenabenteuer und Fantasy macht den Reiz des Albums aus. Als Leser weiß man nie genau, was hinter der nächsten Seite wartet. Mal fühlt sich die Geschichte wie ein klassischer Abenteuercomic an, dann wieder wie ein orientalisches Märchen oder eine alte Seefahrerlegende, die von Generation zu Generation weitererzählt wurde.

Die Zeichnungen von Kusbiantoro tragen viel zur Wirkung des Comics bei. Sie sind lebendig, detailreich und haben eine Dynamik, die besonders in den Actionszenen gut zur Geltung kommt. Kämpfe, Verfolgungen und Begegnungen mit fantastischen Wesen werden mit viel Bewegung und Energie dargestellt. Gleichzeitig nehmen sich die Bilder auch Zeit für ruhigere Momente, in denen man die exotischen Landschaften genießen kann.

Gerade die Darstellung der Umgebung gehört zu den großen Stärken des Albums. Dichte Dschungel, geheimnisvolle Tempel und lebendige Hafenstädte schaffen eine Kulisse, die man in europäischen Comics nicht allzu oft sieht. Man merkt deutlich, dass hier kulturelle Einflüsse verarbeitet wurden, die sich von den klassischen westlichen Abenteuercomics unterscheiden.

Auch farblich ist das Album sehr gelungen. Kräftige Farben dominieren viele Szenen und verleihen der Welt eine fast traumhafte Qualität. Besonders die fantastischen Kreaturen profitieren davon, weil sie durch die Farbgestaltung noch außergewöhnlicher wirken.

Als Comicfan macht es großen Spaß, sich auf diese ungewöhnliche Mischung einzulassen. Die Geschichte ist voller kleiner Überraschungen, und immer wieder hat man das Gefühl, dass hier bewusst mit den Erwartungen der Leser gespielt wird. Man beginnt mit der Vorstellung eines Piratenabenteuers und landet plötzlich mitten in einer Welt aus Mythen und Legenden.

Das Ende des Albums gehört ebenfalls zu den interessanten Aspekten der Geschichte. Ohne zu viel zu verraten, lässt sich sagen, dass der Abschluss einige Wendungen bereithält, die man so vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte. Gerade dieser überraschende Moment sorgt dafür, dass man nach der letzten Seite neugierig auf die Fortsetzung wird.

Natürlich merkt man auch, dass dies erst der erste Band einer Reihe ist. Manche Elemente werden nur angerissen, manche Figuren bleiben zunächst noch rätselhaft. Doch genau das erzeugt eine gewisse Spannung, denn man hat das Gefühl, dass die Welt von Elang Jawa noch viel größer ist, als es dieser erste Band bereits zeigt.

Insgesamt ist Der Pirat von Pasar Setan ein sehr unterhaltsamer Auftakt zu einer Reihe, die Abenteuer, Fantasy und kulturelle Einflüsse auf eine ungewöhnliche Weise verbindet. Für Leser, die klassische Piratengeschichten mögen, aber auch offen für fantastische Elemente sind, bietet dieses Album eine Menge Entdeckungen. Es ist einer dieser Comics, bei denen man nach dem Lesen das Gefühl hat, gerade eine alte Legende gehört zu haben – eine Geschichte voller seltsamer Wesen, unerwarteter Begegnungen und Abenteuer, die noch lange nicht zu Ende sind.

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