Alistair MacLean: Geheime Weg
Alistair MacLean: Geheime Wege
USA 1961
Regie: Phil Karlson
D.: Richard Widmark, Sonja Ziemann, Charles Regnier, Howard Vernon, Senta Berger
nach dem Roman von Alistair MacLean
Laufzeit: ca. 112 Min.
Bildformat: 1.85:1
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Tonformat: DTS-HD Master Audio 2.0
Pidax Film
Alistair MacLeans Romane waren über Jahrzehnte eine zuverlässige Quelle für spannende Abenteuer-, Kriegs- und Agentenfilme. Geheime Wege, im Original The Secret Ways, entstand 1961 nach seinem Roman The Last Frontier und gehört heute sicherlich zu den weniger bekannten Verfilmungen des Autors. Dabei bietet der Film mit Richard Widmark in der Hauptrolle einen klassischen Kalter-Krieg-Thriller, der seine Spannung weniger aus großen Actionszenen als aus einer permanenten Atmosphäre der Bedrohung bezieht.
Die Handlung führt ins kommunistisch kontrollierte Ungarn. Der amerikanische Abenteurer Michael Reynolds wird beauftragt, den regimekritischen Professor Jansci außer Landes zu bringen. Reynolds reist zunächst nach Wien und nimmt Kontakt zu dessen Tochter Julia auf. Gemeinsam gelangen sie nach Budapest, doch in einem Land voller Überwachung, Spitzel und Geheimpolizei wird schnell deutlich, wie gefährlich der Auftrag tatsächlich ist. Verhaftung, Verhöre und Folter lassen nicht lange auf sich warten, und aus dem vermeintlich routinierten Auftrag wird ein Kampf ums Überleben.
Regisseur Phil Karlson war genau der richtige Mann für einen solchen Stoff. Er inszeniert angenehm geradlinig und ohne unnötigen Ballast. Vor allem die Gefängnisszenen besitzen auch heute noch eine erstaunlich unangenehme Intensität. Man spürt die politische Paranoia jener Zeit, ohne dass der Film ständig große Erklärungen liefern muss.
Richard Widmark trägt Geheime Wege souverän. Seine Figur ist zunächst der klassische abgebrühte Abenteurer, der seinen Auftrag erledigt und sich möglichst wenig Gedanken über Politik oder Ideale machen möchte. Doch natürlich lässt ihn das Erlebte nicht unberührt. Widmark war für solche Rollen wie geschaffen: hart, gelegentlich zynisch und trotzdem immer mit genügend Menschlichkeit ausgestattet, damit man mit seiner Figur mitgeht.
Für deutsche Zuschauer ist auch Sonja Ziemann interessant, die als Julia eine wesentlich größere Aufgabe bekommt, als lediglich hübsche Begleitung des amerikanischen Stars zu sein. Dazu kommen Charles Regnier und Howard Vernon, während die noch junge Senta Berger ebenfalls zum Ensemble gehört. Allein diese ungewöhnliche internationale Besetzung macht den Film für Freunde des europäischen Kinos der frühen 1960er zusätzlich interessant.
Die Schwarzweißfotografie passt hervorragend zur Geschichte. Schatten, enge Räume und nächtliche Straßen verstärken die bedrückende Stimmung. Das ist genau die Art von Film, bei der ich froh bin, wenn eine Blu-ray das ursprüngliche Filmbild bewahrt und nicht versucht, ein über sechzig Jahre altes Werk künstlich modern aussehen zu lassen.
Die Blu-ray präsentiert den Film im Format 1,85:1. Das HD-Bild kann sein Alter nicht völlig verbergen, bietet gegenüber älteren TV- oder DVD-Fassungen aber den entscheidenden Vorteil einer deutlich filmischeren und detailreicheren Wiedergabe. Gesichter, Kleidung und Hintergründe profitieren von der höheren Auflösung, während die Schwarzweißfotografie mit ihren Kontrasten und dunklen Bildbereichen gut zur Geltung kommt. Natürlich sollte man hier keine Bildqualität einer modernen Produktion erwarten. Für einen Film von 1961 zählt vielmehr, dass der ursprüngliche Charakter erhalten bleibt.
Der Ton liegt sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch in DTS-HD Master Audio 2.0 vor. Das ist für einen Film dieser Zeit vollkommen angemessen. Die Dialoge stehen klar im Mittelpunkt, während Musik und Geräusche sauber eingebunden werden. Eine künstliche Mehrkanalabmischung hätte Geheime Wege ohnehin keinen Vorteil gebracht. Englische Untertitel sind vorhanden.
Geheime Wege ist für mich eine schöne Wiederentdeckung. Sicherlich gehört der Film nicht zu den berühmtesten Alistair-MacLean-Verfilmungen, doch gerade das macht diese Blu-ray interessant. Phil Karlson liefert einen schnörkellosen Agententhriller mit Kalter-Krieg-Atmosphäre, Richard Widmark ist gewohnt zuverlässig und die europäische Besetzung sorgt für zusätzlichen Reiz. Wer klassische Spionagefilme mag und bei MacLean nicht nur an Die Kanonen von Navarone oder Agenten sterben einsam denkt, sollte diesem lange etwas in Vergessenheit geratenen Film eine Chance geben.