Die Berlin-Trilogie

Die Berlin-Trilogie - 2. Im Sog der dunklen Mächte

Die Berlin-Trilogie – 2. Im Sog der dunklen Mächte
Zeichnung: François Warzala · Szenario: Pierre Boisserie
€ 29,80 | gebunden | Farbe | 144 Seiten
ISBN: 978-3-96582-211-5
Nach dem Roman von Philip Kerr
Schreiber & Leser


Der zweite Teil der Berlin-Trilogie, basierend auf Philip Kerrs gefeierter Bernie-Gunther-Reihe, führt den Leser erneut in das moralisch verkommene Berlin der 1930er-Jahre. Während der erste Band den Zynismus und die politische Korruption des aufziehenden Naziregimes einfing, taucht Im Sog der dunklen Mächte noch tiefer in den Sumpf aus Macht, Angst und Opportunismus ein.

Pierre Boisserie gelingt es, den fatalistischen Ton Kerrs nahezu perfekt in Comicsprache zu übertragen. Der zynische, aber verletzliche Detektiv Bernie Gunther steht zwischen allen Fronten – ein Mann, der versucht, das Richtige zu tun in einer Welt, in der Moral bereits abgeschafft wurde. Der Plot, der zwischen Kriminalfall und politischem Thriller pendelt, bleibt komplex, aber nie unübersichtlich. Boisserie versteht es, das dichterische Gewicht der Vorlage in prägnante Szenen und eindrucksvolle Dialoge zu übersetzen.

François Warzalas Zeichnungen sind atmosphärisch dicht und tragen den Band fast allein. Sein Stil – realistisch, aber nicht glatt, vielmehr von einem leicht expressionistischen Einschlag – verleiht der Handlung eine bedrückende Authentizität. Das Berlin der 1930er-Jahre wirkt schmutzig, gefährlich und lebendig: verqualmte Nachtclubs, feuchte Pflaster, drohende SA-Trupps im Hintergrund. Jede Seite atmet Geschichte.

Die Farbgebung unterstützt diese Stimmung konsequent. Gedämpfte Braun-, Grau- und Grüntöne dominieren, unterbrochen nur von gelegentlichen Farbakzenten – Blut, Neon, Uniformen –, die wie visuelle Schocks wirken. Dadurch wird der Band zu einer Art grafischem Noir-Kino, das auch ohne Text funktionieren würde.

Inhaltlich ist Im Sog der dunklen Mächte kein einfacher Krimi, sondern ein düsteres Charakterporträt einer Gesellschaft, die sich an den Abgrund verkauft. Wer Kerrs Romane kennt, wird die tiefe Respektierung der Vorlage spüren, doch auch ohne Vorwissen funktioniert das Werk als eigenständiger historischer Thriller von hoher erzählerischer Qualität.

Fazit:
Ein packender, eindringlicher Mittelteil einer außergewöhnlichen Literaturadaption. Historisch glaubwürdig, zeichnerisch eindrucksvoll und erzählerisch präzise. Die Berlin-Trilogie entwickelt sich zu einem der ambitioniertesten Comicprojekte über die dunklen Jahre deutscher Geschichte.

Die Berlin-Trilogie - Feuer in Berlin

Die Berlin-Trilogie – Feuer in Berlin
Zeichnung: François Warzala · Szenario: Pierre Boisserie
144 Seiten | gebunden | Farbe | € 29,80
ISBN: 978-3-96582-194-1
Schreiber & Leser

Mit *Feuer in Berlin*, dem ersten Band der Adaption der Berlin-Trilogie, gelingt eine atmosphärisch dichte und visuell eindrucksvolle Umsetzung des gleichnamigen Romans. Die Geschichte führt den Leser mitten hinein ins Berlin der 1930er-Jahre – eine Stadt zwischen Glanz und Verfall, zwischen ideologischer Gleichschaltung und privater Tragödie. Die Comicadaption nähert sich diesem vielschichtigen Stoff mit Respekt, aber auch erzählerischer Eigenständigkeit.

Berlin, Frühjahr 1936: Die Olympischen Spiele stehen vor der Tür, und das NS-Regime ist bemüht, die Hauptstadt in eine perfekte Fassade zu verwandeln. Doch hinter den Kulissen brodelt es: Politische Säuberungen, Gewalt gegen Juden, Konkurrenzkämpfe zwischen SS, Gestapo und Wehrmacht. In dieses toxische Klima kehrt Bernhard „Bernie“ Gunther zurück – ein Kriegsveteran, ehemaliger Kriminalbeamter und mittlerweile heruntergekommener Privatdetektiv mit Hang zu Alkohol und Zynismus.

Der schwerreiche Industrielle Hermann Six beauftragt Gunther, die brutale Ermordung seiner Tochter und ihres Mannes aufzuklären. Zugleich soll Gunther diskret ein verschwundenes Dokument aus dem zerstörten Familiensafe sicherstellen. Die Ermittlungen führen Bernie in die schattigen Winkel Berlins – zu Parteibonzen, Halbweltgrößen, alten Kameraden und in Kreise, die gefährlicher nicht sein könnten. Die Geschichte entfaltet sich als düsterer Noir-Krimi, der tief in die politische Verkommenheit jener Zeit eintaucht.

Gunther ist kein Held im klassischen Sinne. Er ist desillusioniert, körperlich wie seelisch ramponiert, doch in seinem trockenen Humor, seiner Sturheit und moralischen Restintegrität liegt eine fast tragische Würde. Seine Perspektive – ganz nah an der Straße und weit weg von Ideologie – macht ihn zum idealen Führer durch ein Berlin, das zwischen Unmenschlichkeit und Eleganz oszilliert.

Die Nebenfiguren sind klug angelegt: Hermann Six etwa ist mehr als nur der klassische Auftraggeber – seine Loyalitäten und Verbindungen zur Naziführung werfen bald Fragen auf. Die Offiziere, Parteifunktionäre und Ganoven, mit denen Bernie zu tun bekommt, sind keine Karikaturen, sondern gefährlich reale Gestalten, die ein glaubhaftes Bild jener düsteren Zeit zeichnen.

François Warzalas Zeichenstil passt hervorragend zum Ton des Werks. Seine Figuren sind kantig, oft wie in hartes Licht getaucht, und ihre Mimik spiegelt die seelischen Risse der Zeit. Besonders gelungen sind die Stadtansichten Berlins – Straßen, Kneipen, Büros und Innenhöfe wirken authentisch, ohne aufgesetzt zu sein. Die Farbpalette ist zurückgenommen, dominiert von Grautönen, Sepia und Dämmerlicht – passend zur Grundstimmung zwischen Verfall und Gewalt.

Der Seitenaufbau ist klassisch, aber nicht starr. Die Bildfolgen sind klar strukturiert, geben dem Text Raum, aber setzen auch auf suggestive Stille. Der Comic lebt nicht nur vom Dialog, sondern auch von Blicken, Gesten und stummen Momenten, die mehr sagen als ganze Monologe.

Pierre Boisserie gelingt es, den dichten Romanstoff kompakt, aber nicht überhastet umzusetzen. Der Plot entwickelt sich kontinuierlich und lässt trotz der Komplexität Raum für Details und atmosphärische Tiefe. Statt bloß den Kriminalfall zu skizzieren, eröffnet das Szenario ein Panorama der Zeit – von olympischem Glanz über geheime Akten bis hin zur eiskalten Gewalt der Gestapo.

Dabei wird das politische Klima nie nur Kulisse – es ist ständiger Begleiter, drohender Hintergrund, manchmal auch Hauptakteur. Die Allgegenwart der Nazi-Propaganda, die Angst in den Gesichtern der Passanten, die latente Gefahr bei jeder Verhaftung – das alles vermittelt sich intensiv und glaubhaft.

Fazit – Düstere Eleganz in Comicform
„Feuer in Berlin“ ist weit mehr als eine Krimiadaption. Es ist ein historischer Noir-Thriller, der die Ambivalenz der Zeit spiegelt, ohne sie zu romantisieren oder zu vereinfachen. Die hervorragende zeichnerische Umsetzung, das glaubwürdige Figurenensemble und die dramaturgische Stringenz machen diesen Band zu einem starken Auftakt einer ambitionierten Trilogie. Für Freunde anspruchsvoller Graphic Novels mit politischer Tiefenschärfe – und für alle, die Berlin einmal aus einer ganz anderen Perspektive erleben möchten.

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