Bocola Verlag
Modesty Blaise 10 Die kompletten Comicstrips
Modesty Blaise 10 Die kompletten Comicstrips - 1973 - 1975
Von Peter O´Donnell, Enric Badia Romero, Russel Mael, Nick Landau, Richard Burton
Hardcover, 150 Seiten, s/w, 27,6 x 23,3 x 1,6 cm
ISBN: 9783946842842
29,00 €
Bocola Verlag
28 Der Eiserne Gott - Teil 2 – Tagesstreifen 3252–3309 vom 1974-01-01 – 1974-02-09
29 Bringen Sie mich zu Ihrem Anführer" - Tagesstreifen 3310–3428 vom 11.02.1974 – 01.07.1974
30 Die Highland-Hexe - Tagesstreifen 3429–3548 vom 02.07.1974 – 16.11.1974
31 Falscher Alarm - Tagesstreifen 3549–3638A vom 18.11.1974 – 25.03.1975
Der Eiserne Gott – Teil 2
Der Band beginnt mit den Tagesstreifen 3252–3309 und damit der zweiten Hälfte von „Der Eiserne Gott“ (The Iron God), die ursprünglich bis zum 9. Februar 1974 lief.
Nach der Notlandung im Dschungel Neuguineas befinden sich Modesty und Willie weiterhin in einer höchst gefährlichen Lage. Im Zentrum steht jener gewaltige japanische Tresor aus dem Zweiten Weltkrieg, den die einheimische Bevölkerung als „Eisernen Gott“ verehrt. Im Inneren befindet sich ein Vermögen in Industriediamanten.
Der skrupellose O’Mara, den Modesty und Willie noch aus ihrer Zeit mit dem kriminellen „Network“ kennen, will diesen Schatz an sich bringen. Dabei schreckt er weder vor Mord noch davor zurück, den Glauben der Einheimischen für seine Zwecke zu manipulieren.
O’Donnell macht daraus jedoch keine simple Schatzsuche. Entscheidend wird vielmehr die Fähigkeit von Modesty und Willie, ihren Gegner psychologisch auszuspielen. Besonders Willie beweist wieder einmal, dass hinter seiner scheinbar unbekümmerten Art ein äußerst intelligenter Stratege steckt. Schließlich wird sogar der vermeintliche „Eiserne Gott“ selbst zum Bestandteil eines raffinierten Täuschungsmanövers.
Romero nutzt das Dschungelszenario für einige seiner atmosphärischsten Zeichnungen dieser Phase. Die Kombination aus Abenteuer, verschollenem Kriegsschatz und alten Gegnern besitzt fast den Charakter eines klassischen Abenteuerfilms.
Bringen Sie mich zu Ihrem Anführer
Mit „Bringen Sie mich zu Ihrem Anführer“ (*Take Me to Your Leader*, Tagesstreifen 3310–3428, 11. Februar bis 1. Juli 1974) schlägt O’Donnell anschließend eine völlig andere Richtung ein.
Plötzlich scheint Modesty Blaise in einem Science-Fiction-Abenteuer gelandet zu sein. Auf einer tropischen Insel gibt es Hinweise auf geheimnisvolle Wesen, die möglicherweise nicht von dieser Welt stammen. Modesty und Willie sollen herausfinden, was hinter den Berichten steckt.
Natürlich wissen beide aus ihrer Vergangenheit nur zu gut, wie Täuschungsmanöver funktionieren. Als ehemalige Meister krimineller Tricks besitzen sie geradezu ideale Voraussetzungen, um einen möglichen Schwindel zu erkennen. Doch O’Donnell spielt geschickt mit der Erwartung des Lesers und lässt lange offen, was tatsächlich hinter den mysteriösen Ereignissen steckt.
Gerade deshalb gehört „Bringen Sie mich zu Ihrem Anführer“ zu den ungewöhnlichsten Modesty-Blaise-Abenteuern dieser Zeit. O’Donnell reagierte damit auch auf die enorme Popularität von UFO-Berichten und paranormalen Phänomenen in den 1970er-Jahren, ohne seine Serie deshalb vollständig ins Fantastische abgleiten zu lassen.
Das funktioniert ausgezeichnet, weil Modesty und Willie selbst skeptisch bleiben. Sie beobachten, analysieren und versuchen herauszufinden, wer von der Situation profitiert. Wenn aus der Untersuchung schließlich eine handfeste Gefahr entsteht, befinden wir uns wieder mitten in jenem Actionterrain, das beide so hervorragend beherrschen.
Romero darf sich bei der exotischen Umgebung und den geheimnisvollen Erscheinungen sichtbar austoben. Besonders seine Licht-und-Schatten-Wirkungen verleihen der Geschichte eine Atmosphäre, die zwischen klassischem Agentencomic und Mysterythriller liegt.
Die Highland-Hexe
Noch stärker mit scheinbar Übernatürlichem spielt „Die Highland-Hexe“ (*Highland Witch*, Tagesstreifen 3429–3548, 2. Juli bis 16. November 1974). Die Geschichte umfasst 120 Tagesstreifen.
Diesmal führt O’Donnell seine Helden in die schottischen Highlands. Eine junge Frau gerät in eine tödliche Intrige, und Modesty und Willie müssen verhindern, dass sie zum Opfer eines ausgeklügelten Plans wird.
Der Schauplatz ist dabei weit mehr als bloße Kulisse. O’Donnell nutzt die Abgeschiedenheit der Highlands, alte Legenden und den Glauben an übersinnliche Erscheinungen, um eine ausgesprochen unheimliche Grundstimmung zu erzeugen. Der Leser weiß lange Zeit ebenso wenig wie die Beteiligten, wo die Grenze zwischen Inszenierung, Aberglauben und tatsächlicher Gefahr verläuft.
Dabei bleibt die Geschichte fest in der Welt von Modesty Blaise verankert. Hinter vermeintlich übernatürlichen Ereignissen stehen letztlich sehr menschliche Interessen und Gefahren. Modesty lässt sich von der mystischen Atmosphäre ohnehin kaum beeindrucken. Gerade ihr nüchterner Blick bildet einen reizvollen Gegensatz zur Umgebung.
Romero wiederum beweist, dass sein Können keineswegs auf attraktive Figuren und Action beschränkt ist. Nebel, Landschaften, alte Gebäude und dunkle Innenräume erhalten durch seine Schwarzweißzeichnung eine beinahe gotische Stimmung. Von den vier Geschichten dieses Bandes dürfte „Die Highland-Hexe“ atmosphärisch sogar die stärkste sein.
Falscher Alarm
Den Abschluss bildet „Falscher Alarm“ (*Cry Wolf*, Tagesstreifen 3549–3638A, 18. November 1974 bis 25. März 1975).
Schon die Ausgangssituation ist typisch für Peter O’Donnells Humor. Sir Gerald Tarrant, Modestys alter Kontakt zum britischen Geheimdienst, inszeniert eine falsche Entführung. Er möchte Modesty und Willie damit gewissermaßen hereinlegen beziehungsweise ihre Fähigkeiten testen.
Doch aus dem Spiel wird plötzlich bitterer Ernst, als eine echte Entführung stattfindet. Was als Täuschungsmanöver beginnt, entwickelt sich damit zu einer gefährlichen Operation, bei der die Beteiligten zunächst herausfinden müssen, welche Teile der Situation überhaupt noch inszeniert sind und wo die tatsächliche Bedrohung beginnt.
O’Donnell zieht aus dieser Konstellation viel Humor, ohne die Spannung zu opfern. Besonders Tarrants Verhältnis zu Modesty gehört ohnehin zu den reizvollsten wiederkehrenden Elementen der Serie. Er weiß genau, dass er Modesty zu nichts zwingen kann. Umgekehrt weiß Modesty, dass Tarrant sie gelegentlich manipuliert, wenn er ihre Hilfe benötigt.
„Falscher Alarm“ demonstriert darüber hinaus hervorragend O’Donnells Fähigkeit zur Konstruktion. Informationen, die zunächst nebensächlich erscheinen, gewinnen später Bedeutung. Kleine Hinweise werden früh platziert, während der Leser glaubt, längst verstanden zu haben, wohin die Geschichte führt.
Und dann verändert O’Donnell die Spielregeln.
Genau diese erzählerische Präzision ist einer der Gründe, weshalb die Modesty-Blaise-Strips auch Jahrzehnte nach ihrer Erstveröffentlichung erstaunlich modern wirken.
O’Donnell und Romero – ein eingespieltes Team
Band 10 macht besonders deutlich, wie hervorragend Peter O’Donnell und Enric Badia Romero mittlerweile zusammenarbeiten.
O’Donnell schreibt ausgesprochen visuell. Lange Erklärungen benötigt er kaum. Ein Blick, eine Bewegung oder ein Gegenstand im Hintergrund kann für die weitere Handlung entscheidend werden. Romero versteht diese Vorgaben und setzt sie in klar lesbare Bilder um.
Dabei ist seine Modesty ausgesprochen elegant und häufig sinnlicher als diejenige Jim Holdaways. Das könnte bei einem weniger guten Zeichner schnell zum Selbstzweck werden. Bei Romero bleibt jedoch stets sichtbar, dass Modesty die Situation kontrolliert. Sie ist niemals bloß dekoratives Element des eigenen Comics.
Ebenso wichtig ist Willie Garvin. O’Donnell vermeidet konsequent die klassische Rollenverteilung zwischen Held und Gehilfe. Willie ist Modesty absolut loyal, aber keineswegs untergeordnet. Beide vertrauen einander vollständig und kennen die Fähigkeiten des anderen so genau, dass während gefährlicher Situationen häufig kaum Absprachen notwendig sind.
Gerade diese Beziehung gibt der Serie ihr emotionales Fundament.
Modesty Blaise 10 ist erneut ein hervorragender Band der Bocola-Gesamtausgabe und vielleicht sogar abwechslungsreicher als sein unmittelbarer Vorgänger.
„Bringen Sie mich zu Ihrem Anführer“ spielt ausgesprochen unterhaltsam mit der UFO-Begeisterung der 1970er-Jahre. „Die Highland-Hexe“ verbindet Thriller und Mystery vor der großartigen Kulisse der schottischen Highlands, während „Falscher Alarm“ mit einer geradezu klassischen O’Donnell-Konstruktion aus Täuschung, Entführung und Geheimdienstarbeit abschließt.
Geschichten, mit deutlich unterschiedlichen Stimmungen – und trotzdem fühlt sich alles unverkennbar nach Modesty Blaise an.
Das liegt vor allem an den Figuren. Modesty und Willie sind auch nach Tausenden von Tagesstreifen nicht einfach nur unbesiegbare Abenteurer. O’Donnell gibt ihnen Humor, Intelligenz, Loyalität und eine Menschlichkeit, die viele andere Abenteuerhelden jener Zeit vermissen ließen.
Enric Badia Romero befindet sich zeichnerisch längst auf sicherem Terrain. Seine elegante Linienführung, seine ausdrucksstarken Gesichter und sein Gespür für Bewegung machen gerade die großformatige Schwarzweißwiedergabe zu einem Vergnügen.
Modesty Blaise 9 - Die kompletten Comicstrips 1972
Modesty Blaise 9 – Die kompletten Comicstrips 1972–1973
Peter O’Donnell / Enric Badia Romero
Hardcover, 150 Seiten, schwarzweiß
27,6 × 23,3 cm
ISBN 978-3-946842-83-5
29,00 Euro
Bocola Verlag
25 Die Blaubart-Affäre - Tagesstreifen 2847–2970 vom 14.08.1972 – 06.01.1973
26 Der Galgenfrau - Tagesstreifen 2971–3077 vom 08.01.1973 – 12.05.1973
27 Die bösen Kobolde - Tagesstreifen 3078–3197 vom 14.05.1973 – 29.09.1973
28 Der Eiserne Gott - Teil 1 - Tagesstreifen 3198–3251 vom 1973-10-01 – 1973-12-31
Mit dem neunten Band seiner chronologischen Gesamtausgabe von Modesty Blaise erreicht der Bocola Verlag eine besonders reizvolle Phase des legendären Zeitungsstrips. Der Band versammelt die zwischen August 1972 und Ende 1973 veröffentlichten Tagesstreifen und dokumentiert damit zugleich, wie selbstverständlich sich Enric Badia Romero inzwischen als Zeichner der Serie etabliert hatte.
Romero hatte nach dem Tod von Jim Holdaway ein schweres Erbe übernommen. Holdaway hatte das Erscheinungsbild von Modesty Blaise entscheidend geprägt, doch Romero versuchte erfreulicherweise nicht, seinen Vorgänger einfach zu kopieren. Sein eigener, eleganterer und teilweise sinnlicherer Stil passt hervorragend zu Peter O’Donnells Heldin. Gerade in den hier versammelten Geschichten ist zu beobachten, wie sicher Romero mittlerweile mit den Figuren und mit den besonderen Anforderungen des täglichen Zeitungsstrips umgeht.
Denn man darf nicht vergessen: Modesty Blaise war ursprünglich kein Albumcomic. Die Geschichte musste Tag für Tag in wenigen Bildern weitererzählt werden. Jeder Streifen musste einerseits funktionieren, andererseits neugierig auf den folgenden Tag machen. Peter O’Donnell beherrschte diese besondere Form des Erzählens nahezu perfekt. Seine Geschichten besitzen Tempo, Spannung und Humor, ohne deshalb wie eine bloße Aneinanderreihung von Cliffhangern zu wirken.
Die Blaubart-Affäre
Den Auftakt bildet „Die Blaubart-Affäre“ (The Bluebeard Affair, Tagesstreifen 2847–2970, 14. August 1972 bis 6. Januar 1973). Schon der Titel deutet an, dass O’Donnell hier mit dem Motiv des mörderischen Ehemannes spielt.
Modesty gerät bei ihren Nachforschungen an eine Familie, hinter deren respektabler Fassade sich ausgesprochen düstere Geheimnisse verbergen. Was zunächst wie eine vergleichsweise überschaubare Angelegenheit erscheint, entwickelt sich zunehmend zu einem gefährlichen Kriminalfall. O’Donnell nutzt dabei geschickt die Frage, wem überhaupt zu trauen ist. Der Leser erhält immer wieder kleine Hinweise, ohne dass die Zusammenhänge sofort offengelegt werden.
Besonders schön ist, dass Modesty nicht lediglich durch körperliche Überlegenheit besteht. Sie beobachtet Menschen, erkennt Widersprüche und versteht sehr schnell, wann ihr Gegenüber etwas verbirgt. Genau darin unterscheidet sich die Serie von vielen zeitgenössischen Abenteuerstrips. Gewalt ist zwar vorhanden, aber sie ist selten die erste Lösung.
Romero kann bei dieser Geschichte vor allem mit seinen Figurenzeichnungen punkten. Gesichter und Körpersprache transportieren häufig ebenso viele Informationen wie O’Donnells Dialoge. Hinzu kommt Romeros ausgesprochen elegante Darstellung Modestys, die niemals vergessen lässt, dass diese Frau attraktiv ist, ohne sie auf ihre äußeren Reize zu reduzieren.
Der Galgenfrau
Mit „Der Galgenfrau“ (The Gallows Bird, Tagesstreifen 2971–3077, 8. Januar bis 12. Mai 1973) wechselt O’Donnell Schauplatz und Tonfall. Modesty und Willie werden in einen Fall hineingezogen, der sie nach New Orleans führt und schließlich sogar die Stadt selbst bedroht.
Im Zentrum steht ein Erpressungsplan, bei dem die Gefahr einer Überflutung von New Orleans als Druckmittel eingesetzt wird. Hinter der Angelegenheit stehen ausgesprochen exzentrische und gefährliche Gegenspieler, darunter ein ehemaliger Colonel und dessen nicht minder bedrohliche Frau. Gerade diese ungewöhnliche Kombination verleiht der Geschichte ihre besondere Atmosphäre.
O’Donnell verbindet klassischen Kriminalstoff mit Agententhriller und Abenteuer. Gleichzeitig spielt die morbide Faszination des Galgens eine wichtige Rolle und sorgt für einige ausgesprochen makabre Momente. Willie ist diesmal besonders stark in die Handlung eingebunden und unterstützt Modesty bei den Ermittlungen für das FBI.
Die Geschichte zeigt beispielhaft, weshalb Modesty Blaise als Zeitungsstrip so gut funktionierte. O’Donnell baut die Bedrohung Stück für Stück auf, wechselt zwischen Ermittlungen, Action und humorvollen Momenten und lässt die Situation immer wieder eskalieren. Romero setzt New Orleans und die teilweise grotesken Figuren mit kräftigen Schwarzweißkontrasten wirkungsvoll in Szene.
Interessant ist zudem, dass die Geschichte seinerzeit wegen einzelner Darstellungen von den Zeitungen teilweise zensiert beziehungsweise zeichnerisch verändert wurde – ein schönes Beispiel dafür, welchen Einschränkungen ein international veröffentlichter Zeitungsstrip damals unterlag. Die ersten beiden Strips gibt es hier in zwei verschiedenen Versionen, sowie auch drei Strips in denen Willie verführt werden soll.
Die bösen Kobolde
„Die bösen Kobolde“ (The Wicked Gnomes, Tagesstreifen 3078–3197, 14. Mai bis 29. September 1973) führt stärker in Richtung Spionagethriller.
Eine gefährliche Organisation entführt Maude Tiller, eine alte Bekannte von Modesty und Willie und angehende britische Agentin. Hinter der Entführung steckt keineswegs eine gewöhnliche Lösegeldforderung. Maude soll als Druckmittel benutzt werden, um die Freilassung eines sowjetischen Spitzenagenten aus britischer Haft zu erzwingen.
Damit befinden sich Modesty und Willie plötzlich mitten in einer internationalen Geheimdienstoperation. Natürlich wäre es keine O’Donnell-Geschichte, wenn alles nach Plan verlaufen würde. Die Gegenspieler sind professionell organisiert, und unter ihnen befinden sich zwei ausgesprochen skurrile Killer, die der ansonsten gefährlichen Geschichte eine beinahe groteske Note verleihen.
Gerade diese Mischung aus Humor und echter Bedrohung beherrschte O’Donnell hervorragend. Selbst bizarre Situationen lassen die Gefahr niemals völlig verschwinden. Modesty und Willie müssen improvisieren, und auch eine Flucht durch eine alte Mine mitsamt überflutetem Tunnel gehört zu den Hindernissen, die es zu überwinden gilt.
„Die bösen Kobolde“ gehört deshalb zu den unterhaltsamsten Geschichten des Bandes. Spionage, Entführung, ungewöhnliche Schurken und die Freundschaft zwischen den Hauptfiguren greifen nahezu perfekt ineinander.
Der Eiserne Gott – Teil 1
Mit „Der Eiserne Gott“ (The Iron God, Tagesstreifen 3198–3309) beginnt schließlich ein großes Abenteuer, dessen erste Hälfte Band 9 abschließt und dessen Fortsetzung den zehnten Band eröffnet.
Der Schauplatzwechsel könnte kaum größer sein. Modesty und Willie befinden sich in Neuguinea, als technische Probleme ihr Flugzeug zur Notlandung im Dschungel zwingen. Dort begegnen sie der einheimischen Krankenschwester Nauga und geraten in eine Geschichte um einen abgelegenen Stamm, einen alten Bekannten aus Modestys und Willies Vergangenheit und einen geheimnisvollen „Eisernen Gott“.
Hinter diesem verbirgt sich ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg: ein massiver japanischer Tresor, der nach einem Flugzeugabsturz im Dschungel zurückblieb und inzwischen zum Gegenstand religiöser Verehrung geworden ist. Das Interesse bestimmter Personen gilt allerdings weniger seiner spirituellen Bedeutung als seinem Inhalt – einer großen Menge wertvoller Industriediamanten.
Damit entwickelt O’Donnell einen klassischen Abenteuerstoff mit Dschungel, verschollenem Kriegsschatz, Gangstern und einer isolierten Stammesgesellschaft. Gleichzeitig müssen Modesty und Willie sehr vorsichtig agieren, denn rohe Gewalt würde ihre Situation nur verschlimmern.
Romero kommt dieses exotische Szenario zeichnerisch ausgesprochen entgegen. Vegetation, Gesichter, Waffen und Bewegungen erhalten durch sein Schwarzweiß einen beinahe filmischen Charakter. Besonders überzeugend sind erneut die Actionsequenzen, bei denen trotz des kleinen Zeitungsformats jederzeit klar erkennbar bleibt, was geschieht.
Bemerkenswert ist allerdings der Umgang mit Nacktheit. Während in „Der Galgenfrau“ noch nahezu jede erotische Andeutung der Zensur zum Opfer fiel, ist hier die einheimische Krankenschwester Nauga gleich mehrfach mit entblößtem Oberkörper zu sehen. Darin zeigt sich eine heute befremdlich wirkende Doppelmoral: Offenbar wurde die Nacktheit einer schwarzen, als „exotisch“ und vermeintlich „wild“ dargestellten Frau von den damaligen amerikanischen Zeitungsmachern und Zensoren anders bewertet als die einer weißen Frau. Was bei Letzterer als anstößige Erotik galt, konnte im kolonialistisch geprägten Bild einer afrikanischen Einheimischen offenbar als unverfängliche „Exotik“ durchgehen. Gerade aus heutiger Sicht ist dieser Widerspruch ebenso auffällig wie aufschlussreich für das damalige Frauen- und Menschenbild.
Die Seitenzahl der bisherigen Bücher betrug bisher 2 x 132 Seiten und 6 x 144 Seiten bei je 3 abgeschlossenen Geschichten.
Der aktuelle Band ist mit 150 Seiten der bislang umfangreichste der Reihe, zugleich aber auch der erste, der eine Geschichte auf zwei Bände verteilt. Gerade diese Entscheidung ist nur schwer nachzuvollziehen, da es sich um eine Geschichte von durchaus üblicher Länge handelt. Sinnvoller wäre es gewesen, entweder drei oder vier vollständig abgeschlossene Abenteuer abzudrucken – beide Varianten wären völlig in Ordnung gewesen. Natürlich wird der Sammler der Reihe ohnehin beide Bände besitzen, dennoch ist die Aufteilung einer einzelnen Geschichte bedauerlich. Schließlich handelt es sich hier um hochwertige Buchausgaben und nicht um Magazine, bei denen ein Fortsetzungsende durchaus üblich wäre.
Deutlich negativer fällt diesmal allerdings die Druckqualität auf den Seiten 97, 100, 105 und 108 auf. Hier entsteht beinahe der Eindruck, als sei während des Druckvorgangs die Farbe ausgegangen: Die betreffenden Seiten wirken ausgesprochen blass und verlieren dadurch erheblich an Kontrast und zeichnerischer Wirkung. Umso auffälliger ist der Mangel, weil sämtliche übrigen Seiten des Bandes tadellos gedruckt sind. Vermutlich handelt es sich um einen Produktionsfehler, der bei einer hochwertigen Ausgabe in dieser Form jedoch nicht durch die Endkontrolle hätte gelangen dürfen.
Modesty Blaise - Band 8
Modesty Blaise - Band 8 Die kompletten Comicstrips - 1971 - 1972
Enric Badia Romero
EUR 29,00
3 abgeschlossene Stories: The Stone Age Caper, The Puppet Master, With Love from Rufus
Hardcover-Querformat (30,5 x 28,0 cm),
144 Seiten, sw mit farbigem Vorwort
Text: Peter O'Donnell
Vorwort: Jan Burke, Rob van der Nol
Übersetzung: Uwe Baumann und Claudia Wich-Reif
Bocola Verlag
Der achte Band der chronologischen Gesamtausgabe der Zeitungsstrips von Modesty Blaise führt die Phase fort, in der Zeichner Enric Badia Romero die Serie visuell prägt. Die Geschichten „The Stone Age Caper“, „The Puppet Master“ und „With Love from Rufus“, entstanden zwischen 1971 und 1972, zeigen eindrucksvoll, wie sicher sich das kreative Team inzwischen eingespielt hat. Autor Peter O'Donnell nutzt den etablierten Stil, um die Serie erzählerisch weiter zu verfeinern.
Bereits „The Stone Age Caper“ demonstriert, wie mühelos die Reihe Abenteuer, Humor und Spannung miteinander verbindet. Ausgangspunkt ist ein scheinbar absurdes Szenario rund um ein prähistorisches Relikt, das in kriminelle Hände geraten ist. O’Donnell nutzt diese Ausgangssituation für eine Geschichte voller überraschender Wendungen und origineller Einfälle. Modesty und Willie agieren dabei mit jener Mischung aus Professionalität und ironischer Distanz, die die Serie so unverwechselbar macht. Besonders reizvoll ist, wie der Autor immer wieder humorvolle Momente einbaut, ohne die Spannung der Handlung zu unterbrechen.
Die zweite Geschichte, „The Puppet Master“, gehört zu den atmosphärisch dichtesten Episoden dieser Phase. Hier begegnen Modesty und Willie einem Gegner, der seine Opfer wie Marionetten manipuliert. Der Titel verweist auf das zentrale Motiv der Kontrolle: Menschen werden zu Werkzeugen eines verborgenen Drahtziehers. O’Donnell entwickelt daraus eine fast schon psychologische Thrillerhandlung, in der Manipulation, Täuschung und Macht eine zentrale Rolle spielen.
Romeros Zeichnungen kommen in dieser Geschichte besonders gut zur Geltung. Seine Figuren wirken lebendig, ihre Gestik transportiert Emotionen und Spannung. Gerade in Szenen, in denen die Handlung weniger von Action als von psychologischer Spannung lebt, zeigt sich seine Fähigkeit, Atmosphäre durch Körpersprache und Blickführung zu erzeugen.
Den Abschluss bildet „With Love from Rufus“, eine Episode, die innerhalb der Serie eine besondere Stellung einnimmt. Sie verbindet Action mit einem beinahe sentimentalen Unterton. Der titelgebende Rufus ist eine Figur, deren Loyalität und Mut eine entscheidende Rolle spielen. Die Geschichte wirkt stellenweise fast wie eine Hommage an klassische Abenteuerliteratur, gleichzeitig bleibt sie fest im modernen Spionagegenre verankert.
O’Donnell zeigt hier erneut sein Talent für dramatische Struktur: Die Handlung entwickelt sich zunächst ruhig, steigert sich dann zu einem spannungsreichen Höhepunkt und endet mit einer emotionalen Note, die lange nachwirkt. Solche Momente sind typisch für die Serie und erklären, warum sie über Jahrzehnte hinweg eine treue Leserschaft behalten hat.
Zeichnerisch erreicht Romero in diesem Band eine bemerkenswerte Sicherheit. Während seine ersten Arbeiten noch gelegentlich an die Ästhetik seines Vorgängers erinnerten, hat er nun einen eigenen Stil gefunden. Seine Figuren sind eleganter und expressiver, die Action ist dynamischer, und Modesty erscheint zugleich glamourös und gefährlich. Besonders die Darstellung von Bewegung – etwa in Kampfszenen oder Verfolgungsjagden – gehört zu den Stärken seiner Arbeit.
Auch die Edition selbst bleibt auf hohem Niveau. Der Band enthält ein Vorwort von Jan Burke und Rob van der Nol, das die Bedeutung der Serie innerhalb der Comicgeschichte beleuchtet. Die hochwertige Reproduktion der Strips im großen Querformat erlaubt es, Romeros feine Linienführung und O’Donnells präzise Paneldramaturgie in ihrer ganzen Wirkung zu erleben.
Band 8 zeigt damit eine Serie auf dem Höhepunkt ihrer Reife. Die Geschichten verbinden klassische Abenteuerdramaturgie mit psychologischer Tiefe und einem eleganten visuellen Stil. Für Leser klassischer Abenteuercomics gehört dieser Band zweifellos zu den stärkeren Kapiteln der Reihe.
Modesty Blaise - Band 7
Modesty Blaise - Band 7 Die kompletten Comicstrips - 1970 - 1971
Enric Badia Romero
EUR 29,00
3 abgeschlossene Stories: Willie the Djinn, The Green-Eyed Monster, Death of a Jester
Hardcover-Querformat (30,5 x 28,0 cm),
132 Seiten, sw mit farbigem Vorwort
Text: Peter O'Donnell
Übersetzung: Uwe Baumann und Claudia Wich-Reif
Bocola Verlag
Mit dem siebten Band der chronologischen Gesamtausgabe der Zeitungsstrips von Modesty Blaise setzt der Bocola Verlag die sorgfältige Edition einer der elegantesten und zugleich härtesten Abenteuerreihen der Comicgeschichte fort. Der Band versammelt die drei Geschichten „Willie the Djinn“, „The Green-Eyed Monster“ und „Death of a Jester“, die ursprünglich zwischen 1970 und 1971 erschienen sind. Zugleich markiert dieser Band einen bedeutenden Wendepunkt innerhalb der Serie: Er ist der erste Band, der vollständig vom spanischen Zeichner Enric Badia Romero illustriert wurde.
Die Serie selbst war bereits 1963 von Autor Peter O'Donnell geschaffen worden und entwickelte sich rasch zu einem der stilprägenden Abenteuerstrips der britischen Presse. Die Mischung aus Spionage, Krimi und exotischem Abenteuer wurde dabei stets von der außergewöhnlichen Dynamik zwischen Modesty und ihrem Partner Willie Garvin getragen. Während frühere Zeichner – vor allem Jim Holdaway – die visuelle Identität der Serie prägten, bringt Romero mit Band 7 eine neue, deutlich sinnlichere und flüssigere Bildsprache ein.
Die erste Geschichte des Bandes, „Willie the Djinn“, gehört zu jenen Episoden, die besonders stark auf die emotionale Bindung der Hauptfiguren setzen. Willie gerät in die Gewalt eines Verbrechersyndikats und wird unter dem Einfluss von Drogen und psychologischer Manipulation zu einer Art willenlosem Werkzeug gemacht – dem titelgebenden „Djinn“. Die Handlung entwickelt eine bemerkenswerte psychologische Intensität, denn Modesty muss nicht nur ihren Freund retten, sondern auch gegen die Gefahr kämpfen, dass Willie gegen sie selbst eingesetzt wird. O’Donnell beweist hier einmal mehr sein Talent für Spannung und Charakterzeichnung: Die Beziehung der beiden Figuren bleibt stets glaubwürdig und tief, ohne in melodramatische Übertreibung zu verfallen.
Die zweite Geschichte, „The Green-Eyed Monster“, nimmt eine etwas andere Tonlage an und verbindet klassische Abenteuerelemente mit einem subtilen Spiel aus Eifersucht, Täuschung und Rivalität. Der Titel spielt natürlich auf das sprichwörtliche „grünäugige Monster“ der Eifersucht an – ein Motiv, das O’Donnell geschickt in eine Handlung voller Intrigen einbaut. Modesty gerät hier in ein Geflecht aus persönlichen Spannungen und kriminellen Machenschaften. Besonders reizvoll ist dabei, wie der Autor die emotionalen Beziehungen der Figuren nutzt, um Spannung zu erzeugen. Die Geschichte zeigt auch, dass die Serie längst über reine Action hinausgewachsen war und zunehmend mit psychologischen Nuancen arbeitete.
Den Abschluss bildet „Death of a Jester“, eine Geschichte, die in Ton und Atmosphäre fast schon tragische Züge trägt. Hier geraten Modesty und Willie in eine Situation, in der ein scheinbar harmloser Charakter eine gefährliche Rolle innerhalb eines mörderischen Plans spielt. Die Geschichte entfaltet sich langsam, beinahe wie ein klassischer Kriminalroman, und steigert sich schließlich zu einem dramatischen Finale. Besonders auffällig ist, wie O’Donnell moralische Grauzonen einsetzt – ein Element, das die Serie immer wieder von vielen anderen Abenteuerstrips ihrer Zeit unterschied.
Neben den Geschichten selbst ist es vor allem die visuelle Umsetzung, die diesen Band so interessant macht. Romero übernimmt die Serie nach dem Tod von Jim Holdaway und steht damit vor der schwierigen Aufgabe, eine etablierte Bildsprache weiterzuführen und zugleich eine eigene Handschrift einzubringen. Seine Zeichnungen sind dynamischer, die Figuren wirken eleganter und körperlicher modelliert. Modesty erscheint bei ihm weniger kühl und aristokratisch als zuvor – sie wirkt menschlicher, lebendiger und zugleich sinnlicher.
Auch die Bildkomposition verändert sich: Romero nutzt stärkere Hell-Dunkel-Kontraste, expressive Gesten und eine lebendige Linienführung. Die Action wirkt unmittelbarer, während emotionale Szenen eine größere Intimität erhalten. Gleichzeitig bleibt der erzählerische Rhythmus des Zeitungsstrips erhalten, mit präzisen gesetzten Panels und klaren dramaturgischen Höhepunkten.
Die Ausgabe des Bocola Verlags präsentiert die Strips erneut in restaurierter Form im großzügigen Querformat, das den ursprünglichen Zeitungsseiten sehr nahekommt. Die Schwarzweißreproduktion bringt die feinen Federlinien besonders gut zur Geltung. Ergänzt wird der Band durch ein farbiges Vorwort sowie die bewährte Übersetzung von Uwe Baumann und Claudia Wich-Reif, die den Ton von O’Donnells Dialogen überzeugend ins Deutsche überträgt.
Band 7 ist daher nicht nur eine spannende Sammlung klassischer Abenteuercomics, sondern auch ein historisch interessanter Moment innerhalb der Serie. Er dokumentiert den Übergang zu einem neuen visuellen Stil und zeigt zugleich, wie souverän O’Donnell seine Figuren weiterentwickelte. Für Leser, die sich für klassische Zeitungscomics interessieren, ist dieser Band ein besonders faszinierendes Kapitel der Reihe.
Porträt: Enric Badia Romero – Der elegante Chronist von Modesty Blaise
Als Enric Badia Romero Anfang der 1970er-Jahre die Zeichnungen für die Zeitungsserie um Modesty Blaise übernahm, stand er vor einer schwierigen Aufgabe. Die Serie war bereits ein großer Erfolg, und sein Vorgänger Jim Holdaway hatte mit seinem realistischen Stil das visuelle Erscheinungsbild entscheidend geprägt. Romero musste also einen Balanceakt vollziehen: die vertraute Ästhetik bewahren und zugleich eine eigene künstlerische Identität entwickeln.
Romero wurde 1930 in Barcelona geboren und begann seine Karriere in der spanischen Comicindustrie der Nachkriegszeit. In den 1950er- und 1960er-Jahren arbeitete er für verschiedene europäische Verlage und entwickelte dabei einen dynamischen, stark vom Realismus geprägten Zeichenstil. Sein Talent für elegante Figuren, atmosphärische Szenen und präzise Bildkomposition machte ihn bald zu einem gefragten Künstler für Abenteuer- und Krimicomics.
Der Einstieg bei Modesty Blaise erfolgte 1970. Zunächst orientierte sich Romero noch deutlich an der Bildsprache Holdaways: klare Figurenführung, realistische Proportionen und eine präzise Panelstruktur. Doch schon nach wenigen Geschichten begann sich sein eigener Stil stärker zu entfalten. Seine Version von Modesty wurde sinnlicher und dynamischer, ihre Körpersprache selbstbewusster, während auch Willie Garvin eine lebendigere und emotionalere Darstellung erhielt.
Ein wesentliches Merkmal von Romeros Stil ist die fließende, expressive Linienführung. Während Holdaway eher mit kühler Präzision arbeitete, nutzt Romero eine beweglichere, fast kalligrafische Linie. Dadurch wirken seine Figuren körperlicher und lebendiger, während die Bildkompositionen oft eine beinahe filmische Dynamik entfalten. Besonders in Action-Szenen oder dramatischen Nahaufnahmen zeigt sich sein Talent für Spannung und Rhythmus.
Neben Modesty Blaise schuf Romero noch eine zweite Serie, die seinen Ruf nachhaltig festigte: Axa. Diese Science-Fiction-Abenteuerreihe entstand Ende der 1970er-Jahre in Zusammenarbeit mit dem Autor Donne Avenell. Axa spielt in einer postapokalyptischen Zukunft und erzählt von einer unabhängigen Heldin, die durch eine zerstörte Welt reist und immer wieder auf neue Gefahren und Gesellschaftsformen trifft.
Die Serie erlaubte Romero, seine zeichnerischen Stärken noch stärker auszuspielen: futuristische Landschaften, exotische Schauplätze und eine Heldin, deren selbstbewusste Darstellung stark an Modesty erinnert, jedoch in einem völlig anderen Genre agiert. Gerade die Mischung aus Abenteuer, Science-Fiction und sinnlicher Ästhetik machte Axa zu einer der bekanntesten europäischen Zeitungsserien dieser Zeit.
Romero blieb über viele Jahre hinweg mit Modesty Blaise verbunden und kehrte später mehrfach zu der Figur zurück. Seine Arbeiten aus den frühen 1970er-Jahren gelten jedoch als besonders prägend, weil sie den visuellen Übergang der Serie nach dem Tod Holdaways erfolgreich meisterten und gleichzeitig eine neue Eleganz in die Darstellung brachten.
Innerhalb der Geschichte europäischer Abenteuercomics gehört Romero damit zu jenen Künstlern, die den klassischen Zeitungsstrip modernisierten, ohne seine erzählerische Klarheit zu verlieren. Ob bei Modesty Blaise oder Axa – seine Kunst verbindet Dynamik, Eleganz und erzählerische Präzision und hat das Bild der starken, unabhängigen Comic-Heldin nachhaltig geprägt.
Modesty Blaise - Band 5 Die kompletten Comicstrips - 1968 - 1969
Jim Holdaway
EUR 29,00
3 abgeschlossene Stories
Hardcover-Querformat (30,5 x 28,0 cm)
132 Seiten, sw mit farbigem Vorwort
Text: Peter O'Donnell
Vorwort: Peter O'Donnell, Walter Simonson und Rob van der Nol Übersetzung: Uwe Baumann und Claudia Wich-Reif
Bocola Verlag
Modesty Blaise - Band 6 Die kompletten Comicstrips - 1969 - 1970
Jim Holdaway
EUR 29,00
3 abgeschlossene Stories
Hardcover-Querformat (30,5 x 28,0 cm)
144 Seiten, sw mit farbigem Vorwort
Text: Peter O'Donnell
Vorwort: Peter O'Donnell, Walter Simonson und Rob van der Nol Übersetzung: Uwe Baumann und Claudia Wich-Reif
Bocola Verlag
DIn etwas mehr als einem Jahr hat der Bocola Verlag einen meiner großen Comicwünsche erfüllt: Alle von Jim Holdaway gezeichneten Modesty-Blaise-Strips liegen nun in sechs prachtvollen Hardcover-Bänden vor – sorgfältig ediert und ergänzt durch seltene Veröffentlichungen, die ursprünglich nur im Glasgow Citizen an Feiertagen erschienen waren. Damit ist eine Epoche abgeschlossen, die nicht nur Holdaways zeichnerisches Genie dokumentiert, sondern auch die erzählerische Raffinesse von Peter O’Donnell unterstreicht.
Besonders die Bände fünf und sechs zeigen, wie perfekt Text und Bild hier ineinandergreifen. Im fünften Band, der die Jahre 1968 bis 1969 umfasst, finden sich drei sehr unterschiedliche Geschichten: The Green-Eyed Monster, ein psychologisches Drama um Eifersucht und Manipulation, Death of a Jester, ein makabrer Krimi in aristokratischem Milieu, und The Stone Age Caper, ein exotisches Abenteuer in Südamerika. Jede dieser Storys verdeutlicht, wie O’Donnell zwischen subtiler Spannung und rasanten Actionszenen wechselte, während Holdaway mit präziser Linienführung und kluger Panelgestaltung eine Atmosphäre schuf, die bis heute fesselt.
Der sechste Band, der die Jahre 1969 bis 1970 abdeckt, knüpft inhaltlich und gestalterisch nahtlos an, zeigt aber noch einmal eine Weiterentwicklung. Hier begegnen wir in The Puppet Master einem Gegner, der Menschen wie Marionetten steuert – ein psychologisch düsteres Duell, das zeigt, wie tief die Serie unter die Oberfläche ging. The Red Gryphon verbindet Kunst, Schatzsuche und internationale Intrigen, während The Hell-Makers (in der deutschen Ausgabe „In der Hölle“) eine actionreiche Auseinandersetzung mit paramilitärischen Gruppen entfaltet. Gerade hier wird die besondere Beziehung zwischen Modesty und Willie deutlich: keine Romanze, sondern eine Verbindung aus gegenseitiger Loyalität, Respekt und Freundschaft, die in der Comicgeschichte ihresgleichen sucht.
Das Vorwort des sechsten Bandes stammt von Max Allan Collins, der darauf hinweist, warum die Serie in den USA kaum Fuß fassen konnte: Sie war schlicht zu erwachsen, zu raffiniert, zu kompromisslos – „sexy, brutal und clever“. Ein Urteil, das sich beim Lesen dieser Geschichten bestätigt.
Tragischerweise markieren die Abenteuer in Band sechs auch das Ende einer Ära. Am 18. Februar 1970 starb Jim Holdaway mit nur 43 Jahren an Herzversagen. Von der folgenden Geschichte, The Warlords of Phoenix, konnte er lediglich 24 Strips fertigstellen. Damit die Serie weiterlief, musste innerhalb weniger Tage ein neuer Zeichner gefunden werden – die Wahl fiel auf den Spanier Enric Badia Romero, der kein Englisch sprach und dessen Zusammenarbeit mit O’Donnell nur über Übersetzerin Elena Garcia möglich war. Dennoch setzte Romero die Reihe auf seine Weise erfolgreich fort.
Bände fünf und sechs zeigen noch einmal eindrucksvoll, warum die Kombination von O’Donnells Ideenreichtum und Holdaways künstlerischem Gespür bis heute als Höhepunkt der Serie gilt. Es sind Abenteuer, die gleichermaßen spannend, elegant und stilprägend sind – und die zugleich den endgültigen Abschied von einem der großen Zeichner des britischen Abenteuercomics markieren.
Modesty Blaise - Band 3
Modesty Blaise - Band 3
Die kompletten Comicstrips - 1965 - 1966
Jim Holdaway
3 abgeschlossene Stories
Hardcover-Querformat (30,5 x 28,0 cm),
144 Seiten, sw mit farbigem Vorwort
EUR 29,00
Text: Peter O'Donnell
Vorwort: Nick Jones, Peter O'Donnell und Mike Paterson
Übersetzung: Mik Schulz
ISBN: 978-3-946842-77-4
Bocola Verlag
Modesty Blaise - Band 4
Die kompletten Comicstrips - 1966 - 1968
Jim Holdaway
3 abgeschlossene Stories
Hardcover-Querformat (30,5 x 28,0 cm),
144 Seiten, sw mit farbigem Vorwort
EUR 29,00
Text: Peter O'Donnell
Vorwort: Nick Jones, Peter O'Donnell und Rob van der Nol
Übersetzung: Mik Schulz
ISBN: 978-3-946842-78-1
Bocola Verlag
*Modesty Blaise* ist eine der ikonischsten Figuren im Comicgenre, und die Sammlung *Die kompletten Comicstrips von 1965 bis 1968* gibt einen detaillierten und aufregenden Einblick in die frühen Jahre ihrer Abenteuer. Die Serie wurde von Peter O'Donnell geschrieben und von Jim Holdaway illustriert und vereint Abenteuer, Spannung und moralische Komplexität, um eine Heldin zu präsentieren, die sich aus einem düsteren Hintergrund emporarbeitet und für Gerechtigkeit kämpft.
Modesty Blaise selbst ist eine bemerkenswerte Figur: Geboren in den Wirren des Zweiten Weltkriegs, überlebte sie in einem Flüchtlingslager, bevor sie als junge Frau zur Anführerin eines internationalen kriminellen Netzwerks wurde. Nachdem sie ihr kriminelles Imperium erfolgreich abwickelte und ein Leben in Ruhe suchte, wird sie von britischen Geheimdiensten angeheuert, um in riskante Missionen einzutauchen. Modesty ist keine typische Heldin. Ihre Vergangenheit und ihre moralischen Entscheidungen sind kompliziert, was sie zu einer besonders vielschichtigen Figur macht. Sie lebt nach einem eigenen Ehrenkodex, der sie von anderen Agenten oder Kriminellen unterscheidet, was ihrer Figur Tiefe und Authentizität verleiht.
O'Donnells Schreibstil ist prägnant und effektiv – jeder Comicstrip bietet Spannung, Action und eine gut durchdachte Handlung, ohne sich in unnötige Details zu verlieren. Die Geschichten sind oft in sich abgeschlossen, bieten aber gleichzeitig eine fortlaufende Charakterentwicklung. Modesty wird nicht nur als Kämpferin dargestellt, sondern auch als eine Frau, die ihre Intelligenz und strategisches Denken einsetzt, um Herausforderungen zu meistern. Ihre Beziehung zu ihrem treuen Partner Willie Garvin ist ein weiteres Highlight der Serie; die beiden bilden ein unschlagbares Team, das sowohl emotional als auch actionreich ausbalanciert ist.
Jim Holdaways Illustrationen sind ein wahres Meisterwerk. Mit klaren, präzisen Linien und einem dynamischen, fast filmischen Ansatz gelingt es ihm, die Handlung visuell zu verstärken. Besonders in den Action-Szenen fühlt man die Geschwindigkeit und Energie der Figuren. Holdaway schafft es, Modesty als eine selbstbewusste, starke Frau darzustellen, die sowohl ihre körperliche Stärke als auch ihre mentale Schärfe einsetzt, um die Herausforderungen zu meistern. Seine Darstellung der exotischen Schauplätze und der Charaktere bringt die Welt von *Modesty Blaise* auf lebendige Weise zum Leben. Das Design der Panels ist dynamisch, und die Gesichtsausdrücke und Körpersprache der Figuren sind detailreich, was den emotionalen Gehalt der Geschichte noch verstärkt.
Die Sammlung umfasst nicht nur die ersten Strips der Serie, sondern auch zusätzliche Materialien, wie Hintergrundgeschichten zur Entstehung der Figur und Einblicke in die Entwicklung von O'Donnell und Holdaway. Fans der klassischen britischen Comics werden die Zusammenstellung zu schätzen wissen, da sie nicht nur die frühen Jahre der Serie dokumentiert, sondern auch die Grundlage für die weitreichende Popularität von *Modesty Blaise* bildet. Die Sammlung ermöglicht einen tiefen Blick auf die Entstehung der Serie und wie sie sich von den frühen 1960er Jahren bis zu ihrer späteren Blüte entwickelte.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass *Modesty Blaise: Die kompletten Comicstrips von 1965 bis 1968* nicht nur für Fans der Serie ein Muss ist, sondern auch für Liebhaber von gut geschriebenen und gezeichneten Action-Comics. O'Donnell und Holdaway schaffen es, eine außergewöhnliche Heldin zu erschaffen, deren Abenteuer auch heute noch fesseln. Diese Sammlung ist eine perfekte Einführung in das Universum von Modesty Blaise und eine würdige Hommage an eine der größten Comicfiguren des 20. Jahrhunderts.
Modesty Blaise - Band 1 und 2
Modesty Blaise - Band 1
Die kompletten Comicstrips - 1963 - 1964
von Jim Holdaway
(Strips: 1 bis 354 & 1 bis 12 "Wie alles begann")
Hardcover-Querformat (30,5 x 28,0 cm),
EUR 29,00, 144 Seiten, sw mit farbigem Vorwort
ISBN: 978-3-946842-75-0
Text: Peter O'Donnell
Vorwort: Peter O'Donnell und Mike Paterson
Übersetzung: Mik Schulz
Bocola Verlag
Modesty Blaise - Band 2
Die kompletten Comicstrips - 1964 - 1965
von Jim Holdaway
(Strips: 355 bis 743)
EUR 29,00, Hardcover-Querformat (30,5 x 28,0 cm),
144 Seiten, sw mit farbigem Vorwort
ISBN: 978-3-946842-76-7
Text: Peter O'Donnell
Vorwort: Nick Jones, Peter O'Donnell und Mike Paterson
Übersetzung: Mik Schulz
Bocola Verlag
Modesty Blaise, eine der kultigsten Comicfiguren des 20. Jahrhunderts, wurde 1963 von dem britischen Schriftsteller und Comiczeichner Peter O'Donnell erschaffen. Diese Rezension beleuchtet die ersten beiden Jahre (1963-1965) der Serie, die für ihre innovativen Erzählweisen und starken Charaktere bekannt wurde.
Peter O'Donnell, ein erfahrener Autor und Strip-Schreiber, entwickelte die Figur der Modesty Blaise als Antwort auf das Bedürfnis nach einer weiblichen Actionheldin, die sowohl intelligent als auch physisch fähig war. Die Serie begann als Zeitungscomicstrip und erlangte schnell Popularität. Modesty Blaise, eine ehemalige Kriminelle und Geheimagentin, wurde zur zentralen Figur einer Vielzahl von Abenteuern, die von exotischen Schauplätzen bis zu gefährlichen Gegnern reichten.
Die Geschichten dieser Periode zeichnen sich durch dynamische Plots und eine tiefe Charakterentwicklung aus. Modesty, zusammen mit ihrem loyalen Partner Willie Garvin, navigiert durch eine Welt voller Intrigen und Gefahr. Die Strips aus diesen Jahren etablierten die wichtigsten Elemente der Serie: komplexe Handlungsstränge, starke weibliche Führung und die enge, fast schon symbiotische Beziehung zwischen Modesty und Willie.
O'Donnell's Schreiben während dieser Zeit ist geprägt von einer Mischung aus Spannung und Humor. Er zeigt Modesty nicht nur als unbezwingbare Kämpferin, sondern auch als tiefgründigen Charakter mit menschlichen Schwächen und moralischen Überzeugungen. Dies half, eine breitere Leserschaft anzusprechen und die Serie von anderen Abenteuergeschichten abzuheben.
Anfangs wurde Modesty Blaise von Jim Holdaway gezeichnet, dessen detaillierte und ausdrucksstarke Kunst den Ton der Serie perfekt einfing. Holdaway's Zeichnungen waren stilistisch raffiniert und trugen maßgeblich zur Atmosphäre der Geschichten bei. Nach Holdaway's frühem Tod im Jahr 1970 übernahmen verschiedene Künstler die zeichnerische Arbeit, darunter Enrique Badía Romero, der einen markanten und dauerhaften Einfluss auf die visuelle Darstellung der Serie hatte.
Neben den Comicstrips schrieb O'Donnell mehrere Romane, die die Abenteuer von Modesty und Willie weiter erforschten. Der erste Roman, einfach "Modesty Blaise" betitelt, erschien 1965 und wurde zu einem sofortigen Erfolg. Die Romane vertieften die Hintergründe der Charaktere und boten komplexere Erzählstrukturen als die täglichen Strips.
1966 wurde Modesty Blaise in einen Film adaptiert, der jedoch bei Kritikern und Fans auf gemischte Reaktionen stieß. Weitere Verfilmungen folgten, konnten aber nie die Tiefe und den Charme der Originalgeschichten vollständig einfangen.
Ein bemerkenswerter Beitrag zur modernen Adaption von Modesty Blaise war die 1994 veröffentlichte Graphic Novel von DC Comics. Diese Adaption versuchte, die Essenz der frühen Strips zu bewahren und gleichzeitig eine zeitgenössische Leserbasis anzusprechen. Die Graphic Novel wurde sowohl für ihre Treue zum Originalmaterial als auch für ihre künstlerische Qualität gelobt.
Die ersten zwei Jahre von Modesty Blaise (1963-1965) sind ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte des Comics. Unter der Federführung von Peter O'Donnell und den talentierten Zeichnungen von Jim Holdaway wurde eine Serie geschaffen, die zeitlos bleibt. Modesty Blaise setzte Maßstäbe für starke weibliche Charaktere in Action-Genres und bleibt ein faszinierendes Beispiel für exzellentes Storytelling und künstlerische Innovation. Die späteren Erweiterungen in Form von Romanen, Filmen und der Graphic Novel von 1994 bezeugen die anhaltende Relevanz und den Einfluss dieser einzigartigen Heldin.
Die beiden Bücher umfassen die ersten sechs abgeschlossenen Geschichten, je drei pro Buch, und entsprechen inhaltlich der Carlsen Ausgabe. Die doppelte Seitenzahl beim Carlsen Verlag, erklärt sich dadurch, dass Carlsen sechs Tagessteifen auf einer Seite abdruckte, während es bei Bocola nur drei Tagessteifen pro Seite sind, in einen sehr viel größeren Format.
Die Druckqualität, übersteigt sogar noch alle Erwartungen, Von ihren schon hervorragenden Anfängen bei Prinz Eisenherz, über Tarzan, Jack Kirby bis hin zu Modesty Blaise zeigt sich die Entwicklung bei der Comic Restaurierung bei Bocola.