Honeymoon

Honeymoon - 3. High Noon

Honeymoon – 3. High Noon
Zeichnung & Szenario: Bastien Vivès
48 Seiten | gebunden | Farbe | € 16,95
ISBN: 978-3-96582-237-5
Schreiber & Leser

Bastien Vivès beweist mit Honeymoon – 3. High Noon erneut, warum er zu den spannendsten und gleichzeitig umstrittensten Comic-Künstlern Europas gehört. Was zunächst wie ein entspannter Kurzurlaub eines Ehepaares beginnt, entwickelt sich schnell zu einem surrealen Albtraum irgendwo zwischen Western, Satire, Gesellschaftskommentar und vollkommenem Wahnsinn. Genau diese völlige Unberechenbarkeit macht den Band so faszinierend.
Sophie und Quentin wollen eigentlich nur ein paar ruhige Tage ohne Kinder verbringen, doch Vivès verwandelt Brüssel in eine bizarre Parallelwelt, die wie ein kaputter Traum wirkt. Es gibt keine funktionierende Regierung, keine moderne Infrastruktur, alles läuft über Bargeld, überall herrscht Misstrauen und plötzlich wird geballert wie in einem staubigen Italowestern. Dabei bleibt die Welt gleichzeitig seltsam vertraut und völlig fremd. Der Comic besitzt eine permanente Atmosphäre der Orientierungslosigkeit, die den Leser sofort hineinzieht.
Besonders stark ist, wie Vivès alltägliche Situationen plötzlich ins Absurde kippen lässt. Gespräche wirken zunächst normal, ehe sie komplett eskalieren. Die Figuren stolpern durch eine Welt, die keinerlei Regeln mehr zu kennen scheint. Dadurch entsteht ein eigentümlicher schwarzer Humor, der sich durch den gesamten Band zieht. Gleichzeitig steckt hinter der surrealen Oberfläche eine bissige Satire auf Bürokratie, gesellschaftlichen Zerfall und moderne Unsicherheit.
Zeichnerisch bleibt Bastien Vivès ohnehin eine Klasse für sich. Seine scheinbar lockeren Linien besitzen eine enorme Dynamik und Ausdruckskraft. Mit wenigen Strichen erschafft er Emotionen, Bewegungen und Atmosphäre, für die andere Künstler ganze Seiten benötigen würden. Besonders beeindruckend ist die filmische Inszenierung. Viele Szenen wirken wie Standbilder eines europäischen Arthouse-Films. Die Figuren bewegen sich unglaublich natürlich durch die Panels, Dialoge wirken lebendig und selbst stille Momente entfalten enorme Wirkung.
Die Farbgebung unterstützt diese unwirkliche Stimmung perfekt. Mal dominieren warme, fast nostalgische Töne, dann wieder kalte Farben voller Bedrohung. Gerade die Mischung aus alltäglicher Umgebung und surrealem Ausnahmezustand erzeugt eine hypnotische Wirkung. Man weiß als Leser nie, ob man lachen, mitfiebern oder sich unwohl fühlen soll – und genau das macht High Noon so stark.
Wie schon die vorherigen Bände lebt auch dieses Album von seinem eigentümlichen Rhythmus. Der Comic hetzt nie, sondern lässt seine Szenen bewusst atmen. Dadurch entfaltet selbst die absurdeste Situation eine seltsame Glaubwürdigkeit. Honeymoon – 3. High Noon ist kein klassischer Abenteuercomic und auch kein typischer Humorband. Es ist vielmehr eine verstörend faszinierende Mischung aus Gesellschaftssatire, Beziehungsdrama und surrealistischem Westerntrip, der noch lange nachwirkt.

Honeymoon - 2. Coatlicue

Honeymoon – 2. Coatlicue
Zeichnung & Szenario: Bastien Vivès
€ 16,95 | gebunden | Farbe | 48 Seiten
ISBN: 978-3-96582-209-2
Schreiber & Leser

Manchmal gibt es Comics, die man nicht einfach liest, sondern die sich leise unter die Haut schieben. Honeymoon – 2. Coatlicue ist genau so ein Fall. Bastien Vivès macht auch im zweiten Band seiner *Honeymoon*-Reihe klar: Hier geht es nicht um romantische Postkartenmotive, sondern um das rohe Innenleben einer Beziehung – ohne Filter, ohne Sicherheitsnetz.

Schon der Titel ist ein Statement. *Coatlicue*, aztekische Göttin von Leben und Tod, passt perfekt zu dem, was Vivès hier seziert: Liebe als schöpferische Kraft – und als etwas, das ebenso zerstören kann. Zwischen den beiden Hauptfiguren knistert es nicht, es reibt. Nähe wird gesucht, aber nie wirklich gefunden. Jeder Blick, jede Berührung wirkt ein wenig schief, ein wenig zu spät oder zu fordernd.

Typisch Vivès: Dialoge sind rar, fast nebensächlich. Die eigentliche Geschichte spielt sich zwischen den Panels ab. Kleine Gesten, Körperhaltungen, Pausen – das sind die Momente, in denen *Coatlicue* seine Wucht entfaltet. Man fühlt sich beim Lesen fast wie ein stiller Beobachter, der etwas sieht, das eigentlich privat bleiben sollte. Genau daraus entsteht diese unangenehme, aber unglaublich fesselnde Intensität.

Zeichnerisch bleibt Vivès seinem reduzierten Stil treu. Die Linien sind locker, scheinbar beiläufig, aber auf den Punkt. Die Farbgebung ist zurückhaltend, oft kühl, fast distanziert – und genau das unterstreicht die emotionale Leere, die sich durch viele Szenen zieht. Wenn Wärme aufkommt, dann nur kurz. Und man weiß sofort: Das hält nicht lange.

Erotik ist da, aber sie fühlt sich selten leicht oder spielerisch an. Sie ist Teil eines Machtgefüges, Ausdruck von Unsicherheit, manchmal sogar von emotionaler Hilflosigkeit. Vivès moralisiert nicht, erklärt nichts – und genau das macht den Comic so stark. Er lässt Raum für eigene Gedanken, für Unbehagen, für Diskussionen.

Mit seinen gerade einmal 48 Seiten ist Honeymoon – 2. Coatlicue schnell gelesen – aber definitiv nicht schnell vergessen. Das hier ist kein Comic zum Wegsnacken, sondern einer, über den man später noch nachdenkt. Über Beziehungen, über Nähe, über die Frage, wann Liebe kippt.

*Honeymoon – 2. Coatlicue* ist ein kompromissloser, leiser, intensiver Comic für Fans von Bastien Vivès – und für alle, die Comics mögen, die nicht gefallen wollen, sondern etwas auslösen. Unbequem? Ja. Faszinierend? Absolut. Genau deshalb gehört dieser Band ins Regal jedes Fans

Honeymoon - 1. Der Kuss der Sphinx

Honeymoon – 1. Der Kuss der Sphinx
Zeichnung & Szenario: Bastien Vivès
48 Seiten | gebunden | Farbe | € 16,95
ISBN: 978-3-96582-201-6
Schreiber & Leser

Bastien Vivès entführt die Leser in eine Geschichte, die mit einer harmlosen Urlaubsszenerie beginnt, sich aber schnell in ein packendes Drama mit Thriller-Elementen verwandelt. „Honeymoon – 1. Der Kuss der Sphinx“ ist der Auftakt einer Geschichte, die zwischen Traum und Albtraum schwankt und deren Sog sich unaufhaltsam entfaltet.

Sophie und Quentin haben sich eine Auszeit von ihrem Alltag gegönnt – fernab von Stress, Verpflichtungen und der Routine des Familienlebens genießen sie die scheinbare Ruhe einer griechischen Insel. Doch die Begegnung mit einem Bekannten aus Paris bringt eine unerwartete Wendung. Die Einladung auf seine luxuriöse Yacht erscheint zunächst als angenehme Abwechslung. Doch mit jeder Seite baut sich eine unterschwellige Spannung auf, die schließlich in eine bedrohliche Eskalation mündet. Vivès setzt auf einen erzählerischen Stil, der zwischen ruhiger, fast poetischer Atmosphäre und plötzlicher Intensität wechselt. Die Geschichte entwickelt sich organisch, mit feinen Nuancen und einem allmählichen Spannungsaufbau, der die Leser fesselt.

Sophie und Quentin sind keine typischen Helden einer Thriller-Geschichte – und genau das macht sie so greifbar. Sie agieren realistisch, mit einer Mischung aus Naivität, Angst und dem Versuch, ihre eigene Rationalität zu bewahren. Besonders Sophie durchläuft eine bemerkenswerte Entwicklung. Zunächst erscheint sie zurückhaltend, doch im Laufe der Geschichte zeigt sich ihre innere Stärke. Vivès versteht es, Charaktere ohne übermäßige Erklärungen zu entwickeln, sodass ihre Emotionen und Handlungen durch Gestik, Mimik und Dialoge spürbar werden.

Die visuelle Umsetzung ist typisch für Vivès: reduzierte Linienführung, sanfte Schattierungen und eine gezielt eingesetzte Farbpalette. Die sonnendurchflutete Inselidylle steht im starken Kontrast zu den dunklen Szenen auf der Yacht, wo Bedrohung und Unsicherheit in jeder Linie spürbar werden. Besonders eindrucksvoll ist sein Umgang mit Licht und Schatten. Emotionale Zustände der Figuren werden durch dezente Farbwechsel untermalt – von warmen, entspannten Farbtönen bis hin zu kühlen, beklemmenden Nuancen.

Der Comic spielt mit Gegensätzen: Freiheit versus Gefangenschaft, Zufall versus Schicksal, Vertrauen versus Manipulation. Die luxuriöse Yacht symbolisiert nicht nur Reichtum und Macht, sondern auch eine unsichtbare Gefahr. Sophie und Quentin geraten in ein Netz aus Intrigen, das zeigt, wie schnell eine scheinbare Idylle zum Albtraum werden kann. Vivès nutzt keine plakativen Erklärungen, sondern lässt die Leser selbst die Bedeutung der Ereignisse entschlüsseln.

Fazit
„Honeymoon – 1. Der Kuss der Sphinx“ ist weit mehr als eine Urlaubsgeschichte mit dramatischen Wendungen. Vivès schafft eine Erzählung, die feinfühlig mit Emotionen, Spannung und unterschwelliger Bedrohung spielt. Wer eine intelligente, visuell beeindruckende und atmosphärisch dichte Geschichte sucht, wird hier fündig. Ein Comic, der nicht nur unterhält, sondern auch nachwirkt – und mit einem Ende, das neugierig auf die Fortsetzung macht.

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