Sigi
Sigi - 2. Terra Inca
Sigi – 2. Terra Inca
Zeichnung: David Morancho · Szenario: Erik Arnoux
€ 17,95 | gebunden | Farbe | 56 Seiten
ISBN: 978-3-96582-203-0
Schreiber & Leser
Mit Terra Inca entwickelt sich die Reihe um Sigrid Hassler endgültig zu einem der atmosphärisch dichtesten europäischen Abenteuercomics der letzten Jahre. Erik Arnoux und David Morancho verbinden historische Abenteuerromantik mit politischen Intrigen, gesellschaftlichen Spannungen und einer beeindruckend starken Hauptfigur.
Schon der erste Band deutete an, dass hinter der eigentlichen Weltumrundung weit mehr steckt als bloße Abenteuerunterhaltung. Terra Inca baut diese Themen nun konsequent aus. Während Sigi und ihre Crew in Peru ums Überleben kämpfen und in die Machenschaften des reichen Raul de la Hoya geraten, verdichten sich in Berlin gleichzeitig die politischen und wirtschaftlichen Intrigen. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen Abenteuerroman, Historiencomic und Gesellschaftsdrama.
Besonders faszinierend ist die Figur der Sigi selbst. Sie ist keine makellose Heldin, sondern eine entschlossene, mutige Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt permanent behaupten muss. Gerade diese Mischung aus Stärke, Verletzlichkeit und Trotz macht sie unglaublich sympathisch. Die Serie zeigt immer wieder, wie sehr Frauen jener Zeit gegen gesellschaftliche Widerstände kämpfen mussten. Gleichzeitig wird Sigi nie als reine Symbolfigur dargestellt, sondern bleibt ein glaubwürdiger Mensch mit Fehlern und Zweifeln.
David Moranchos Artwork ist schlicht sensationell. Seine Zeichnungen besitzen eine enorme Detailfülle und gleichzeitig eine große Dynamik. Besonders die Landschaften Perus wirken atemberaubend. Berge, Dschungelpfade, staubige Straßen und luxuriöse Anwesen werden mit einer fast filmischen Wucht dargestellt. Man spürt förmlich die Hitze, den Staub und die Strapazen der Reise. Auch die Fahrzeuge wurden mit großer Liebe zum Detail gezeichnet, was Fans klassischer Automobile besonders freuen dürfte.
Die Farbgebung trägt massiv zur Atmosphäre bei. Warme Erdtöne dominieren viele Szenen und verleihen dem Comic einen wunderbar klassischen Abenteuercharakter. Gleichzeitig wirken die politischen Intrigen in Berlin deutlich kühler und bedrohlicher. Dieser visuelle Kontrast funktioniert hervorragend und verstärkt die unterschiedlichen Stimmungen der Handlungsorte.
Was Terra Inca zusätzlich auszeichnet, ist die gelungene Balance zwischen historischem Hintergrund und spannender Unterhaltung. Die Inspiration durch Clärenore Stinnes ist jederzeit spürbar, ohne dass der Comic jemals zu einer trockenen Geschichtsstunde wird. Stattdessen entsteht ein packender Abenteuercomic voller Gefahren, Intrigen und menschlicher Konflikte.
Sigi - 1. Operation Brünnhild
Sigi – 1. Operation Brünnhild
Zeichnung: David Morancho · Szenario: Erik Arnoux
64 Seiten | gebunden | Farbe | € 17,95
ISBN: 978-3-96582-143-9
Schreiber & Leser
Operation Brünnhild ist ein fantastischer Auftakt für eine Serie, die klassischen Abenteuergeist mit historischen Hintergründen und einer starken Frauenfigur verbindet. Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass Erik Arnoux und David Morancho hier weit mehr erzählen wollen als nur eine simple Reisegeschichte.
Der Comic entführt den Leser in eine Zeit des technischen Aufbruchs, gesellschaftlicher Umbrüche und wachsender politischer Spannungen. Im Mittelpunkt steht Sigrid Hassler, eine erfolgreiche Rennfahrerin, die sich in einer von Männern dominierten Welt behaupten muss. Dass ihr Erfolg vielen ein Dorn im Auge ist, macht der Band von Beginn an deutlich. Die Intrigen gegen sie wirken dabei erschreckend glaubwürdig und zeigen sehr eindringlich, wie Frauen damals systematisch aus bestimmten Bereichen verdrängt wurden.
Sigi selbst ist eine fantastische Hauptfigur. Sie besitzt Mut, Intelligenz und enorme Entschlossenheit, wirkt aber niemals überzeichnet oder künstlich modernisiert. Gerade ihre Mischung aus Abenteuerlust und emotionaler Verletzlichkeit macht sie so interessant. Ihre Idee einer Weltumrundung per Auto entwickelt sich schnell zu weit mehr als nur einem sportlichen Projekt. Hinter der Expedition verbergen sich politische Interessen, wirtschaftliche Machtspiele und dunkle Manipulationen.
Besonders spannend ist die Figur des Unternehmers Gottfried Geyer. Anfangs erscheint er als großzügiger Sponsor, doch nach und nach zeigen sich immer bedrohlichere Facetten seines Charakters. Dadurch entsteht früh eine unterschwellige Spannung, die den gesamten Band trägt. Man spürt permanent, dass hinter der glamourösen Oberfläche etwas Gefährliches lauert.
David Morancho liefert zeichnerisch absolute Spitzenklasse ab. Seine Figuren wirken lebendig, ausdrucksstark und voller Energie. Besonders beeindruckend sind die Rennszenen und Fahrzeugdarstellungen. Der Adler 6 wird beinahe selbst zur Hauptfigur des Comics. Jede Maschine, jede Straße und jede Kulisse wurde mit unglaublicher Liebe zum Detail gezeichnet.
Auch atmosphärisch gelingt dem Comic enorm viel. Die 1920er-Jahre werden mit all ihrem Glamour, ihrer technischen Euphorie und ihren gesellschaftlichen Spannungen eingefangen. Gleichzeitig schwingt bereits eine gewisse politische Bedrohung mit, die dem Comic zusätzliche Tiefe verleiht.
Operation Brünnhild erinnert angenehm an klassische frankobelgische Abenteuercomics, besitzt aber gleichzeitig eine moderne erzählerische Dichte. Der Band verbindet historische Authentizität, starke Figuren und spannende Abenteuerunterhaltung zu einem äußerst gelungenen Serienauftakt.