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Goodbye und Amen

Goodbye und Amen
Italien 1977
Regisseur: Damiano Damiani
Darsteller: Tony Musante, Claudia Cardinale, John Forsythe, John Steiner
Bildformat: 1.85:1 (16:9)
Filmlänge: ca. 110 Minuten
Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch
Tonformat: DTS-HD Master Audio 2.0
Untertitel: Deutsch, Englisch
Explosive Media



Damiano Damiani gehört für mich zu jenen italienischen Regisseuren, deren Filme viel häufiger wiederentdeckt werden sollten. Vor allem seine politischen Thriller und Mafiafilme besitzen eine Mischung aus Spannung, Gesellschaftskritik und typisch italienischem Genrekino, die auch Jahrzehnte später noch hervorragend funktioniert. Goodbye und Amen aus dem Jahr 1977 ist dafür ein gutes Beispiel und bekommt durch die Veröffentlichung von Explosive Media endlich wieder die Aufmerksamkeit, die der Film verdient.

CIA-Mann John Dannahay, gespielt von Tony Musante, arbeitet in Rom an einer geheimen Operation, die politische Verhältnisse in einem afrikanischen Staat beeinflussen soll. Gleichzeitig entdeckt er Hinweise darauf, dass ein Mann aus den eigenen Reihen Informationen weitergibt. Während diese Spionagegeschichte immer komplizierter wird, eröffnet ein bewaffneter Mann von einem Hotel aus das Feuer und nimmt anschließend Geiseln. Schon bald beginnen sich beide Vorgänge auf unangenehme Weise miteinander zu verbinden.

Damiani macht daraus keinen gewöhnlichen Actionfilm. Goodbye und Amen ist vielmehr eine Mischung aus Politthriller, Spionagefilm und Geiseldrama. Dabei interessiert ihn weniger die Frage, wer am Ende die meisten Schüsse abfeuert, als das Verhalten der Männer im Hintergrund. Geheimdienste, Diplomaten und politische Entscheidungsträger betrachten Menschen zunehmend als Figuren auf einem Schachbrett.

Tony Musante passt hervorragend in diese Welt. Sein Dannahay ist kein strahlender Held, sondern ein Geheimdienstmann, der gewohnt ist, Menschen zu benutzen und Situationen zu manipulieren. Musante spielt ihn kontrolliert und angenehm undurchsichtig. Man weiß nie ganz genau, wie weit dieser Mann gehen wird, wenn es seinen Zielen dient.

John Steiner ist als Geiselnehmer besonders wirkungsvoll. Hinter der unmittelbaren Bedrohung steckt eine beschädigte Persönlichkeit, wodurch die Situation unberechenbar bleibt. Claudia Cardinale bringt zusätzlich Starpräsenz mit, ohne dass Damiani den Film deshalb in eine Glamourveranstaltung verwandelt. John Forsythe als amerikanischer Botschafter rundet das internationale Ensemble ab.

Besonders gefällt mir, wie Damiani die beiden Handlungsebenen miteinander verbindet. Das Geiseldrama liefert die unmittelbare Spannung, während im Hintergrund ein wesentlich größeres politisches Spiel läuft. Je länger der Film dauert, desto deutlicher wird, dass Manipulation und Verrat keineswegs nur auf einer Seite stattfinden.

Typisch Damiani bleibt dabei der politische Unterton. Institutionen sind für ihn nicht automatisch vertrauenswürdig, nur weil sie auf der vermeintlich richtigen Seite stehen. Macht besitzt ihre eigene Moral, und Menschen werden geopfert, wenn es der größeren Sache dient. Gerade diese Haltung sorgt dafür, dass Goodbye und Amen heute keineswegs wie ein belangloser Euro-Thriller aus den Siebzigern wirkt.

Auch handwerklich gibt es einiges zu entdecken. Kameramann Luigi Kuveiller, der unter anderem mit Dario Argento und Elio Petri arbeitete, sorgt für eine elegante, zugleich zunehmend klaustrophobische Optik. Die Musik stammt von Guido und Maurizio De Angelis und trägt viel zur typischen Atmosphäre des italienischen Genrekinos dieser Epoche bei.

Die Blu-ray von Explosive Media präsentiert den Film im Format 1,85:1. Für einen italienischen Film aus den späten Siebzigern macht die HD-Präsentation einen erfreulichen Eindruck. Die höhere Auflösung lässt besonders Gesichter, Kleidung und die zahlreichen Details der Innenräume besser hervortreten. Gleichzeitig bleibt ein angenehm filmischer Charakter erhalten. Gerade bei italienischen Katalogtiteln ist mir persönlich ein natürlich wirkendes Bild wesentlich lieber als übermäßige digitale Filterung.

Die Farbgebung passt hervorragend zur Entstehungszeit und unterstützt den leicht kühlen, politischen Thriller-Look. Auch dunklere Szenen behalten genügend Zeichnung. Kleinere Schwankungen sollte man bei einem Film dieses Alters nicht überbewerten. Insgesamt ist es genau die Art von Präsentation, die einen solchen lange vernachlässigten Titel wieder attraktiv macht.

Besonders erfreulich ist die Sprachauswahl. Deutsch, Englisch und Italienisch liegen jeweils in DTS-HD Master Audio 2.0 vor. Für mich ist bei italienischen Filmen die Originalfassung immer eine willkommene Option, auch wenn aufgrund der damaligen Produktions- und Synchronisationsweise die Frage nach dem „Originalton“ etwas komplizierter sein kann. Die deutsche Fassung klingt sauber und verständlich, ohne ihren zeittypischen Charakter zu verlieren. Deutsche und englische Untertitel sind vorhanden.

Goodbye und Amen ist für mich eine sehr erfreuliche Veröffentlichung von Explosive Media. Der Film verbindet einen spannenden Geiselfall mit Geheimdienstintrigen und politischem Zynismus, ohne daraus einen gewöhnlichen Actionthriller zu machen. Tony Musante überzeugt in einer für ihn hervorragend passenden Rolle, Claudia Cardinale und John Forsythe sorgen für zusätzliche Klasse und Damiano Damiani beweist einmal mehr, wie gut er Unterhaltung und politische Themen miteinander verbinden konnte.

Und diese Blu-ray macht bei mir vor allem Hoffnung auf einen weiteren Damiani-Titel: Der Tag der Eule. Die Restaurierung von Il giorno della civetta ist bereits seit einiger Zeit vorhanden. Gerade dieser großartige Mafiafilm mit Franco Nero und Claudia Cardinale hätte eine deutsche Blu-ray-Veröffentlichung mehr als verdient. Wenn Goodbye und Amen ein Zeichen dafür sein sollte, dass Explosive Media Damiano Damianis Werk weiter erschließt, wäre Der Tag der Eule für mich einer der absoluten Wunschtitel.

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