Pinocchio Unstrung (Steelcase, 4K-UHD+Blu-ray)
Pinocchio Unstrung (Steelcase, 4K-UHD)
Regisseur: Rhys Frake-Waterfield
Darsteller: Robert Englund, Kelly Rian Sanson, Peter DeSouza-Feighoney, Richard Brake
Bildformat: 2.39:1 (16:9)
Filmlänge: ca. 82 Minuten
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
PLAION PICTURES
Mit „Pinocchio Unstrung“ setzt Regisseur Rhys Frake-Waterfield seine Reihe düsterer Neuinterpretationen klassischer Kinderfiguren fort. Nach „Winnie-the-Pooh: Blood and Honey“ und dessen Fortsetzung wird diesmal Carlo Collodis berühmte Holzpuppe in ein blutiges Horrorszenario versetzt. Das Prinzip ist inzwischen bekannt, doch „Pinocchio Unstrung“ wirkt deutlich aufwendiger und handwerklich ambitionierter als die frühen Vertreter dieser Horror-Reihe. Vor allem die praktischen Effekte und die Animatronics sorgen dafür, dass Pinocchio tatsächlich wie eine körperlich vorhandene Kreatur wirkt und nicht wie ein beliebiger digitaler Effekt.
Im Mittelpunkt steht Geppetto, gespielt von Richard Brake, der Pinocchio erschaffen hat. Die Holzpuppe besitzt nur einen großen Wunsch: Sie möchte ein richtiger Junge werden. Was zunächst noch an die bekannte Geschichte erinnert, nimmt jedoch schnell eine ausgesprochen makabre Wendung. Pinocchio entwickelt die Vorstellung, seinem Ziel näherzukommen, indem er sich menschliches Fleisch und Blut aneignet. Dabei wird er zusätzlich von der sprechenden Grille beeinflusst, die keineswegs als moralisches Gewissen fungiert, sondern ihre ganz eigenen finsteren Absichten verfolgt.
Damit greift der Film einige zentrale Motive der ursprünglichen Pinocchio-Geschichte durchaus auf. Der Wunsch nach Menschlichkeit, die Suche nach Zugehörigkeit und die Frage, was einen Menschen eigentlich ausmacht, bleiben erhalten – sie werden lediglich ins Groteske und Brutale verdreht. Pinocchio ist dabei nicht einfach nur ein Killer in Gestalt einer bekannten Kinderbuchfigur. Gerade seine verzerrte Vorstellung davon, wie er zu einem Menschen werden könnte, gibt der Geschichte einen makabren Reiz.
Rhys Frake-Waterfield weiß genau, was das Publikum von einem solchen Film erwartet. Mit seinen rund 82 Minuten hält sich „Pinocchio Unstrung“ nicht lange mit Nebensächlichkeiten auf. Sobald die Ausgangssituation etabliert ist, entwickelt sich der Film zunehmend zum handfesten Slasher. Die Gewaltdarstellungen fallen teilweise ausgesprochen drastisch aus, wobei erfreulicherweise viel Wert auf handgemachte Effekte gelegt wurde. Gerade dadurch besitzen die härteren Szenen eine unangenehme Körperlichkeit, die bei vollständig digitalen Effekten häufig verloren geht.
Das eigentliche Highlight ist jedoch Pinocchio selbst. Die aufwendigen Animatronics verleihen der Figur eine erstaunliche Präsenz. Bewegungen und Gesicht wirken bewusst etwas unnatürlich, was hier hervorragend funktioniert: Man soll schließlich niemals vergessen, dass man es mit einer zum Leben erwachten Holzpuppe zu tun hat. Dadurch entsteht stellenweise eine fast klassische Puppenhorror-Atmosphäre, ohne Pinocchio lediglich zu einer weiteren Variante bereits bekannter Killerpuppen zu machen.
Eine ausgezeichnete Besetzungsentscheidung ist Richard Brake als Geppetto. Brake besitzt ohnehin ein Gesicht und eine Ausstrahlung, die wie geschaffen für düstere Genrefilme erscheinen. Gleichzeitig spielt er Geppetto nicht einfach als verrückten Puppenbauer. Hinter der Figur steckt eine gewisse Tragik, und gerade diese melancholische Seite verhindert, dass der Film vollständig zur grellen Splatterkomödie wird.
Für Horrorfans besonders interessant ist natürlich Robert Englund. Der durch Freddy Krueger und „A Nightmare on Elm Street“ unsterblich gewordene Darsteller ist hier nicht körperlich zu sehen, sondern verleiht der Grille seine markante Stimme. Und genau diese Stimme genügt, um der Figur sofort Persönlichkeit zu geben. Aus dem traditionellen Gewissen Pinocchios wird hier ein manipulativer Einflüsterer. Englunds unverwechselbare Stimme passt hervorragend zu dieser bösartigen Interpretation und gehört zu den Besonderheiten des Films.
Dass „Pinocchio Unstrung“ trotzdem kein tiefgründiges Horrordrama sein möchte, sollte klar sein. Der Film kennt seine Zielgruppe. Schwarzer Humor, absurde Situationen und drastische Gewalt gehören zum Konzept. Nicht jede Idee funktioniert gleichermaßen gut und gelegentlich bewegt sich das Ganze bewusst dicht am Trash. Gegenüber den ersten Produktionen aus Frake-Waterfields Horroruniversum ist jedoch eine deutliche handwerkliche Weiterentwicklung erkennbar. Ausstattung, Kreatureneffekte und Inszenierung wirken wesentlich sicherer und professioneller.
Die 4K-UHD
PLAION PICTURES veröffentlicht den Film im Steelcase als Kombination aus 4K-UHD und Blu-ray. Die UHD präsentiert den Film in 3840 × 2160 Pixeln im Cinemascope-Format 2,39:1. Gerade ein Film wie „Pinocchio Unstrung“ profitiert von der höheren Auflösung. Die Oberflächen der Pinocchio-Figur, Holzstrukturen, Kleidung, Gesichter und die handgefertigten Effekte zeigen zahlreiche feine Details. Insbesondere die praktische Gestaltung der Kreatur kommt in 4K sehr schön zur Geltung.
Gleichzeitig arbeitet der Film häufig mit dunklen Bildern, Schatten und begrenzten Lichtquellen. Eine saubere Durchzeichnung der dunklen Bereiche ist deshalb besonders wichtig, denn große Teile des Films leben von ihrer düsteren Atmosphäre. Farben werden überwiegend bewusst gedämpft eingesetzt, während Blut und einzelne kräftigere Farbakzente entsprechend stärker hervorstechen. Die höhere Auflösung kommt dabei nicht nur den Gesichtern und Kulissen zugute, sondern lässt gerade die praktischen Spezialeffekte ausgesprochen plastisch erscheinen.
Beim Ton stehen Deutsch und Englisch zur Verfügung. Die Dialoge bleiben verständlich, während Musik, Umgebungsgeräusche und die zahlreichen Horror- und Gewalteffekte für die entsprechende Atmosphäre sorgen. Gerade bei Pinocchios Bewegungen und den plötzlich einsetzenden Attacken kann die räumliche Tonkulisse ihre Wirkung entfalten. Deutsche Untertitel sind ebenfalls vorhanden.
Fazit
„Pinocchio Unstrung“ ist sicherlich keine werkgetreue Pinocchio-Verfilmung – und möchte das selbstverständlich auch niemals sein. Rhys Frake-Waterfield nimmt die vertrauten Motive der Geschichte und verwandelt sie in einen blutigen Puppenhorrorfilm, der Slasher, schwarzen Humor und makabre Fantasy miteinander verbindet.
Dabei funktioniert der Film vor allem dann gut, wenn er sich auf seine handwerklichen Stärken verlässt. Die praktischen Effekte und insbesondere die Animatronics von Pinocchio sind wesentlich interessanter als austauschbare CGI-Monster. Richard Brake verleiht Geppetto überraschend viel Tragik, während Robert Englund bereits mit seiner unverwechselbaren Stimme dafür sorgt, dass die Grille zu einer der interessantesten Figuren des Films wird.
Mit rund 82 Minuten ist das Ganze angenehm kompakt und kommt schnell zur Sache. Wer mit dem Konzept der brutalen Neuinterpretationen klassischer Kinderfiguren grundsätzlich nichts anfangen kann, wird auch hier kaum bekehrt werden. Wer dagegen Spaß an handgemachtem Puppenhorror, schwarzem Humor und reichlich Splatter hat, bekommt einen deutlich ambitionierteren Genrebeitrag, als der Titel zunächst vermuten lässt.
Die 4K-UHD im Steelcase von PLAION PICTURES ist für Sammler die besonders interessante Veröffentlichung. Das breite 2,39:1-Bild und die hohe Detailzeichnung kommen insbesondere den aufwendigen praktischen Kreatureneffekten zugute. Für Horrorfans und Freunde klassischer Creature- und Puppeneffekte ist „Pinocchio Unstrung“ damit eine reizvolle Veröffentlichung – und Robert Englunds Beteiligung setzt für Genrefans noch ein zusätzliches Ausrufezeichen.