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Gung Ho Gesamtausgabe

Gung Ho Gesamtausgabe
Autoren: von Eckartsberg, Benjamin
Illustrator: von Kummant, Thomas
Format: 24x32
Seitenanzahl: 432
Einband: Hardcover HC
ISBN: 978-3-98666-852-5
Cross Cult

Mit der „Gung Ho Gesamtausgabe“ legt Cross Cult einen der wichtigsten deutschen Comics der vergangenen zwanzig Jahre endlich in einer hochwertigen Gesamtausgabe vor. Die 432 Seiten vereinen die komplette fünfteilige Saga in einem großformatigen Hardcover und bieten damit die ideale Gelegenheit, diese außergewöhnliche Geschichte, ohne die früheren Veröffentlichungsabstände am Stück zu erleben. Gerade dadurch entfaltet das Werk seine ganze erzählerische Kraft und macht deutlich, warum „Gung Ho“ längst auch international als Meilenstein des europäischen Abenteuer- und Endzeitcomics gilt. ([Cross Cult][1])

Die Handlung spielt in einer nahen Zukunft, nachdem die sogenannte Weiße Plage die Menschheit nahezu ausgelöscht hat. Riesige, tierähnliche Kreaturen – die gefürchteten Reißer – beherrschen die Wildnis, während sich die wenigen Überlebenden hinter massiven Befestigungsanlagen verschanzen. Im Mittelpunkt stehen die Brüder Zack und Archer Goodwoody, die nach dem Tod ihrer Eltern in die abgeschiedene Siedlung Fort Apache gebracht werden. Dort treffen sie auf eine Gesellschaft, deren Überleben nur durch strenge Regeln, Misstrauen und permanente Opferbereitschaft gesichert werden kann.

Was zunächst wie eine klassische Survival-Geschichte wirkt, entwickelt sich schnell zu einer vielschichtigen Erzählung über das Erwachsenwerden unter extremen Bedingungen. Benjamin von Eckartsberg interessiert sich nie ausschließlich für die Bedrohung durch die Monster. Viel spannender sind für ihn die Menschen selbst. Fort Apache funktioniert wie ein Mikrokosmos unserer Gesellschaft: Jugendliche kämpfen gegen die starren Regeln der Erwachsenen, Macht wird missbraucht, Ängste werden geschürt und persönliche Interessen stehen immer wieder über dem Wohl der Gemeinschaft.

Besonders beeindruckend ist dabei, wie glaubwürdig sämtliche Figuren gezeichnet sind. Es gibt keine eindeutigen Helden oder Schurken. Selbst unsympathische Charaktere handeln meist nachvollziehbar, während vermeintliche Sympathieträger Fehler begehen und an ihren Entscheidungen wachsen oder scheitern. Gerade Archer entwickelt sich zu einer der faszinierendsten Figuren der Serie. Seine Wut, seine Impulsivität und seine Verletzlichkeit machen ihn ebenso glaubwürdig wie Zack, der versucht, zwischen Vernunft und Loyalität den richtigen Weg zu finden.

Die Geschichte lebt außerdem von ihrer enormen emotionalen Intensität. Freundschaften entstehen und zerbrechen, erste Liebe, Eifersucht, Verrat und Verlust gehören ebenso selbstverständlich zum Alltag wie Kämpfe gegen die Reißer. Dadurch bleibt die Spannung über die gesamte Laufzeit außergewöhnlich hoch. Immer wieder wechseln sich ruhige Charaktermomente mit spektakulären Actionsequenzen ab, ohne dass eines das andere verdrängt. Selbst in den ruhigeren Passagen entsteht niemals Langeweile, weil ständig das Gefühl präsent bleibt, dass hinter den Mauern jederzeit der Tod wartet.

Ein weiterer großer Pluspunkt ist der hervorragende Spannungsaufbau. Die Autoren nehmen sich Zeit, ihre Welt Stück für Stück zu entfalten. Statt sämtliche Geheimnisse sofort preiszugeben, werden Hintergründe nur angedeutet und nach und nach entschlüsselt. Dadurch wächst das Interesse des Lesers kontinuierlich, bis sich im letzten Band zahlreiche Handlungsfäden zu einem überzeugenden Finale verbinden.

Mindestens ebenso beeindruckend wie das Szenario ist die grafische Umsetzung von Thomas von Kummant. Seine Zeichnungen gehören ohne Übertreibung zum Besten, was der deutschsprachige Comic hervorgebracht hat. Jede Seite wirkt wie ein aufwendig komponiertes Gemälde. Anatomie, Perspektiven und Mimik erreichen ein Niveau, das problemlos mit den größten internationalen Künstlern mithalten kann.

Besonders spektakulär fallen die Landschaften aus. Verlassene Städte, überwucherte Ruinen und dichte Wälder vermitteln eine Atmosphäre zwischen Schönheit und permanentem Schrecken. Die Natur wirkt gleichzeitig faszinierend und bedrohlich. Auch die Reißer sind hervorragend gestaltet. Sie erscheinen niemals wie gewöhnliche Comic-Monster, sondern besitzen ein glaubwürdiges biologisches Design, das ihre Gefährlichkeit jederzeit spürbar macht.

Ebenso bemerkenswert ist die Farbgestaltung. Von Kummant arbeitet mit einer malerischen Kolorierung, die den Seiten enorme Tiefe verleiht. Warme Sonnenuntergänge wechseln mit kalten Blautönen der Nacht, heftige Regenfälle oder staubige Landschaften erzeugen eine fast filmische Wirkung. Viele Panels erinnern eher an Concept Art großer Kinoproduktionen als an klassische Comiczeichnungen.

Auch inszenatorisch überzeugt das Werk auf ganzer Linie. Die Action bleibt jederzeit übersichtlich, obwohl zahlreiche Figuren beteiligt sind. Kameraperspektiven wechseln dynamisch zwischen Totalen und Nahaufnahmen, wodurch die Kämpfe eine enorme Wucht entwickeln. Gleichzeitig verlieren die emotionalen Momente niemals ihre Wirkung. Gerade in den stillen Szenen beweist von Kummant sein außergewöhnliches Gespür für Körpersprache und Gesichtsausdrücke.

Die Gesamtausgabe selbst wird dem hohen Anspruch der Serie gerecht. Das großformatige Hardcover präsentiert die Zeichnungen in exzellenter Qualität, sodass die zahlreichen Details hervorragend zur Geltung kommen. Die hochwertige Verarbeitung macht den Band nicht nur zu einer praktischen Komplettausgabe, sondern auch zu einem echten Sammlerstück. Wer die Einzelbände bislang verpasst hat oder die Serie in einer besonders edlen Form besitzen möchte, erhält hier die derzeit definitive Ausgabe.

Fazit:
„Gung Ho“ gehört ohne Zweifel zu den größten Erfolgen des modernen deutschen Comics. Benjamin von Eckartsberg verbindet eine intelligente Coming-of-Age-Geschichte mit Survival-Horror, Gesellschaftskritik und packender Endzeit-Action. Thomas von Kummant liefert dazu ein grafisches Meisterwerk, dessen Qualität auch Jahre nach Erscheinen nichts von ihrer Faszination verloren hat. Die Gesamtausgabe macht eindrucksvoll deutlich, dass sich diese Serie keineswegs hinter internationalen Produktionen verstecken muss. Im Gegenteil: „Gung Ho“ ist ein außergewöhnlicher Comic, der erzählerisch wie zeichnerisch internationale Spitzenklasse erreicht und in keiner anspruchsvollen Comicsammlung fehlen sollte.

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