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Neuheiten Panini 2026 - 3 Quartal

Der spektakuläre Spider-Man Collection

Der spektakuläre Spider-Man Collection
Autoren: Mike Lackey, Steven Grant, J. M. DeMatteis, Ann Nocenti
Zeichner: Mike Zeck, Sal Buscema, Scott McDaniel
Seitenzahl: 1200
Format: 18,3 × 27,7 cm
Enthalten: Spectacular Spider-Man 178–216 & Annual 12–14, Amazing Spider-Man: Soul of the Hunter
ISBN: 9783741647079
Preis: 149,00 €
Panini Verlags GmbH

Mit 1200 Seiten ist Der spektakuläre Spider-Man Collection schon rein äußerlich ein gewaltiger Brocken. Doch auch inhaltlich hat dieser Band einiges zu bieten. Spectacular Spider-Man 178–216 umfassen mehrere Jahre Spider-Man-Geschichte aus den frühen 1990ern und damit eine Phase, in der sich die Serie zunehmend von einer klassischen Superheldenserie zu einem teilweise erstaunlich düsteren Psychodrama entwickelt. Dazu kommen die Annuals 12 bis 14 sowie Amazing Spider-Man: Soul of the Hunter.

Das Herzstück dieser Collection ist für mich ganz klar die lange Phase von J. M. DeMatteis und Sal Buscema. DeMatteis gehört zu den Spider-Man-Autoren, die Peter Parker nie nur als Superhelden betrachten. Ihn interessieren die Menschen hinter den Masken, ihre Ängste, ihre Vergangenheit und die Dinge, die sie nicht einfach mit einem Faustschlag aus der Welt schaffen können. Das merkt man bereits bei The Child Within, einem der wichtigsten Handlungsbögen des Bandes.

Hier rückt Harry Osborn immer stärker in den Mittelpunkt. Die Freundschaft zwischen Peter und Harry gehört ohnehin zu den tragischsten Beziehungen der Spider-Man-Geschichte. Harry ist eben nicht irgendein Gegner, der zufällig Peters Geheimidentität kennt. Er ist ein langjähriger Freund, Teil von Peters privatem Leben und zugleich der Sohn von Norman Osborn. Genau dieses Erbe wird für Harry immer mehr zur Belastung.

DeMatteis zeichnet Harry als einen Mann, der zwischen verschiedenen Rollen zerrissen wird. Er ist Peters Freund, Liz' Ehemann und Normies Vater, aber gleichzeitig verfolgt ihn die Erinnerung an Norman Osborn und dessen Identität als Grüner Kobold. Der Vater ist längst tot, beherrscht Harrys Leben aber weiterhin. Harry möchte sich von Norman lösen und wird doch immer wieder von dessen Schatten eingeholt.

The Child Within verbindet Harrys Geschichte mit Vermin, den viele Leser aus Kraven's Last Hunt kennen dürften. Auch bei ihm geht es weniger darum, einen möglichst gefährlichen Gegner für Spider-Man zu präsentieren. DeMatteis interessiert sich vielmehr für das verletzte Kind hinter dem Monster. Missbrauch, verdrängte Erinnerungen, Angst und traumatische Erfahrungen spielen eine zentrale Rolle. Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen Figuren, die auf den ersten Blick kaum etwas miteinander zu tun haben.
Peter befindet sich mitten in diesem Geflecht aus beschädigten Menschen. Das Entscheidende ist dabei, dass Spider-Man nicht jedes Problem lösen kann. Peter kann einen Gegner besiegen, aber er kann Harrys Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Er kann Vermin aufhalten, aber dessen seelische Verletzungen nicht einfach heilen. Genau diese Hilflosigkeit macht viele Geschichten dieser Collection so stark.

Parallel dazu bleibt Peters Privatleben mit Mary Jane ein wichtiger Bestandteil. Die Ehe ist hier keine dekorative Nebenhandlung. Mary Jane erlebt unmittelbar mit, welche Auswirkungen Peters Leben als Spider-Man auf ihren gemeinsamen Alltag hat. DeMatteis zeigt immer wieder, dass Peters Verantwortungsgefühl zwar eine seiner größten Stärken ist, gleichzeitig aber auch die Menschen belastet, die ihm nahestehen.

Einer der Höhepunkte der gesamten Collection ist Harry Osborns endgültige Eskalation als Grüner Kobold. Was zuvor langsam aufgebaut wurde, entwickelt sich zu einem immer persönlicheren Konflikt. Harry kennt Peters Identität und damit auch seine verwundbarsten Stellen. Die Auseinandersetzung zwischen Spider-Man und dem Grünen Kobold bekommt deshalb eine völlig andere Bedeutung als ein gewöhnlicher Kampf zwischen Held und Schurke.

Harry will Peter nicht einfach nur besiegen. Zwischen beiden liegen gemeinsame Erinnerungen, Freundschaft, Enttäuschung und Hass. Gleichzeitig ist immer noch etwas von dem alten Harry vorhanden. Gerade dieses Schwanken macht ihn so tragisch. Man kann nie vollständig vergessen, dass unter der Koboldmaske Peters Freund steckt.

Der große Höhepunkt dieser Entwicklung ist Spectacular Spider-Man 200. Die Jubiläumsausgabe ist nicht einfach nur eine besonders umfangreiche Actiongeschichte, sondern die emotionale Abrechnung mit der Beziehung zwischen Peter und Harry. DeMatteis führt vieles zusammen, was zuvor über zahlreiche Ausgaben aufgebaut wurde. Freundschaft, Verrat, Familie und Harrys Verhältnis zu seinem Vater münden in eine Geschichte, die zu den bewegendsten Kapiteln der Spider-Man-Historie gehört.

Gerade weil Peter Harry nicht als klassischen Gegner betrachtet, trifft ihn diese Geschichte besonders hart. Er möchte seinen Freund zurückgewinnen, obwohl längst klar ist, wie weit Harry sich von ihm entfernt hat. Das Ende besitzt eine Tragik, die bis heute funktioniert und zeigt hervorragend, warum Spider-Man immer dann am stärksten ist, wenn Peter Parker genauso wichtig ist wie der Mann unter der Maske.

Doch die Collection besteht keineswegs nur aus Harry Osborn. Nach diesem großen emotionalen Höhepunkt verändert sich die Serie. Peter muss mit den Folgen der Ereignisse leben, während neue Konflikte entstehen und bekannte Figuren wieder auftauchen. Gerade dadurch vermittelt der Band tatsächlich das Gefühl, einen längeren Abschnitt aus Peters Leben mitzuerleben und nicht nur einzelne berühmte Storylines aneinandergereiht zu bekommen.

Zu den wiederkehrenden Figuren gehört auch der Vulture. Adrian Toomes wird hier ebenfalls nicht einfach als älterer Mann mit Flügeln behandelt. Alter, Krankheit, Schuld und die Frage nach der eigenen Sterblichkeit spielen eine wesentlich größere Rolle. Das passt hervorragend zu DeMatteis' Art zu erzählen. Selbst klassische Gegner werden von ihm nicht ausschließlich über ihre Kräfte definiert, sondern über ihre Ängste und ihre Vergangenheit.

Auch Figuren wie Doctor Octopus, Puma und weitere bekannte Gesichter aus Spider-Mans Welt sorgen dafür, dass die Superheldenkomponente nicht zu kurz kommt. Es gibt Kämpfe, Verfolgungsjagden und natürlich reichlich Spider-Man-Action. Trotzdem haben viele dieser Auseinandersetzungen einen persönlicheren Unterbau. Gegner tauchen nicht nur auf, damit Spider-Man auf den nächsten 20 Seiten etwas zu bekämpfen hat.

Interessant ist außerdem die Entwicklung von Peter selbst. Die frühen 1990er waren für Spider-Man keine besonders leichte Zeit. Immer neue Verluste und Belastungen hinterlassen Spuren. Peter wird zeitweise härter und verschlossener. Das lockere Auftreten Spider-Mans ist weiterhin vorhanden, aber darunter liegt zunehmend ein Mann, der mit sehr viel emotionalem Ballast herumläuft.

Später führt die Collection bereits in die Zeit hinein, in der sich am Horizont die Klonsaga bemerkbar macht. Damit verändert sich auch der Ton der Serie erneut. Peter gerät immer stärker unter Druck und beginnt zunehmend damit zu kämpfen, wer er eigentlich ist und was von seinem bisherigen Leben Bestand hat. Für Leser, die die große Klonsaga kennen, ist dieser Abschnitt besonders interessant, weil man hier unmittelbar erlebt, wie sich Spider-Mans Welt in diese Richtung entwickelt.

Die letzten enthaltenen Spectacular-Ausgaben stammen deshalb aus einer Übergangsphase. Sie wirken anders als die stark von DeMatteis geprägten Harry-Osborn-Geschichten zu Beginn des Bandes. Das ist bei einer Collection, die fast 40 reguläre Ausgaben plus Annuals umfasst, allerdings kaum anders möglich. Man liest keine einzelne abgeschlossene Graphic Novel, sondern mehrere Jahre einer laufenden Serie mit wechselnden Autoren, Zeichnern und erzählerischen Schwerpunkten.

Eine besondere Ergänzung ist Amazing Spider-Man: Soul of the Hunter. Die Geschichte ist als Nachspiel zu Kraven's Last Hunt gedacht. Eine Fortsetzung zu einem solchen Klassiker halte ich grundsätzlich für schwierig, denn Kravens letzte Jagd besitzt eigentlich ein so starkes und endgültiges Ende, dass eine weitere Geschichte leicht überflüssig wirken könnte.

DeMatteis versucht glücklicherweise nicht, Kraven einfach zurückzubringen und die berühmte Geschichte zu wiederholen. Stattdessen geht es um die seelischen Folgen. Peter wird weiterhin von Kravens Tod beschäftigt und muss sich mit der Frage auseinandersetzen, welche Bedeutung dessen Selbstmord hatte. Damit bewegt sich Soul of the Hunter erneut in dem Bereich, in dem DeMatteis besonders stark ist: Schuld, Tod, Vergebung und die Suche nach innerem Frieden.

Wer Kraven's Last Hunt kennt, bekommt damit ein interessantes Epilog-Kapitel. Es erreicht für mich nicht die Wucht des Originals – das wäre allerdings auch sehr viel verlangt –, ergänzt dessen Themen aber sinnvoll und passt hervorragend zu den übrigen psychologisch geprägten Geschichten dieser Collection.
Auch zeichnerisch hat der Band einiges zu bieten. Sal Buscema prägt einen erheblichen Teil dieser Ära und ist für DeMatteis' Geschichten nahezu der ideale Partner. Sein Spider-Man ist klassisch, drahtig und ständig in Bewegung. Noch wichtiger sind für mich aber seine Figuren außerhalb der Kostüme. Buscema kann Emotionen hervorragend über Gesichter und Körperhaltung vermitteln.
Besonders Harry profitiert davon. Sein zunehmender Kontrollverlust wird nicht nur durch Dialoge erzählt. Man sieht ihm Wut, Angst und Verzweiflung an. Buscema kann eine Figur innerhalb weniger Panels von scheinbarer Normalität in völlige Raserei kippen lassen. Gerade in den ruhigeren Szenen zwischen Peter, Harry, Liz und Mary Jane zeigt sich, wie wichtig seine Zeichnungen für die Wirkung der Geschichten sind.

Mit Mike Zeck ist außerdem ein Künstler vertreten, dessen Name untrennbar mit einigen der bekanntesten Spider-Man-Geschichten verbunden ist. Sein kraftvoller, klarer Stil funktioniert besonders gut in den dramatischen Momenten. Scott McDaniel bringt später wiederum eine deutlich modernere und stärker stilisierte Optik hinein. Dadurch verändert sich das Erscheinungsbild des Bandes im Verlauf spürbar.

Bei 1200 Seiten sollte man sich deshalb auf einen gewissen Wandel einstellen. Sowohl erzählerisch als auch zeichnerisch ist das keine völlig homogene Collection. Für mich ist das allerdings eher ein Teil ihres Reizes. Man erlebt, wie sich Spectacular Spider-Man über mehrere Jahre verändert und wie sich Anfang der 1990er langsam ein anderer Stil im amerikanischen Superheldencomic durchsetzt.
Auch die drei Annuals erweitern das Gesamtbild dieser Zeit. Solche Annuals stehen häufig etwas neben den großen Haupthandlungen, gehören aber gerade bei einer chronologisch angelegten Sammlung für mich dazu. Sie vermitteln das Gefühl, diese Phase möglichst vollständig zu bekommen, statt lediglich die bekanntesten Geschichten herauszugreifen.

Mit 149 Euro ist Der spektakuläre Spider-Man Collection natürlich alles andere als ein Spontankauf. Dafür erhält man allerdings 1200 Seiten im großen Format von 18,3 × 27,7 cm. Vor allem die Menge des enthaltenen Materials relativiert den Preis etwas: Spectacular Spider-Man 178 bis 216 bedeutet allein 39 reguläre Ausgaben, hinzu kommen drei Annuals und Soul of the Hunter. Man bekommt also einen wirklich umfangreichen Abschnitt der Spider-Man-Historie in einem einzigen Band.

Für mich liegt der größte Reiz aber nicht in der bloßen Seitenzahl. Es ist die Möglichkeit, diese Entwicklung am Stück zu lesen. Gerade die Harry-Osborn-Handlung gewinnt enorm, wenn zwischen den einzelnen Kapiteln nicht Monate oder Jahre liegen. Man erlebt unmittelbar, wie Harry immer weiter abrutscht und wie sich die Beziehung zwischen ihm und Peter verändert.

Dabei zeigt diese Collection sehr schön, warum Spectacular Spider-Man für mich nie einfach nur die zweite Spider-Man-Serie neben Amazing Spider-Man war. Gerade hier bekamen Nebenfiguren und persönliche Konflikte häufig den notwendigen Raum. Peter Parker steht mindestens genauso stark im Mittelpunkt wie Spider-Man.

Wer in erster Linie pausenlose Kämpfe mit möglichst vielen Superschurken erwartet, bekommt zwar ebenfalls reichlich Action, würde aber das Beste dieser Collection verpassen. Ihre stärksten Szenen sind häufig Gespräche, Erinnerungen, familiäre Konflikte und Momente, in denen Peter erkennen muss, dass seine Kräfte nicht ausreichen.

Harry Osborn steht sinnbildlich dafür. Peter kann tonnenschwere Gegenstände heben und sich mit einigen der gefährlichsten Gegner des Marvel-Universums messen. Aber er kann seinen Freund nicht einfach von dessen Vergangenheit befreien. Norman Osborn hat seinen Sohn geprägt, lange bevor Harry selbst zum Grünen Kobold wurde. Dieses Erbe zieht sich wie ein Gift durch sein Leben.
Genau darin liegt für mich die große Stärke dieser Spectacular-Spider-Man-Ära. Hinter Masken, Kostümen und Superkräften stecken beschädigte Menschen. Manche schaffen es, weiterzumachen, andere zerbrechen daran. Peter versucht immer wieder, sie zu retten, und muss lernen, dass Verantwortung nicht automatisch bedeutet, dass man auch Erfolg haben wird.

Der spektakuläre Spider-Man Collection ist deshalb weit mehr als nur ein dicker Sammelband für das Regal. Sie enthält mit The Child Within und dem großen Harry-Osborn-Handlungsbogen einige der emotional stärksten Spider-Man-Geschichten dieser Epoche, bietet mit Soul of the Hunter ein interessantes Nachspiel zu Kraven's Last Hunt und führt schließlich bis an die Schwelle jener Entwicklungen, die Spider-Mans Welt während der Klonsaga grundlegend verändern sollten.

Für Spider-Man-Fans, die besonders die menschliche Seite von Peter Parker mögen, ist genau das der entscheidende Punkt. Diese 1200 Seiten erzählen nicht nur davon, wen Spider-Man besiegt. Sie erzählen davon, was diese Kämpfe Peter kosten, was aus seinen Freunden wird und welche Wunden auch ein Superheld nicht heilen kann. Und gerade deshalb sind viele dieser Geschichten auch mehr als drei Jahrzehnte später noch bemerkenswert lesenswert.

Transmetropolitan (Deluxe Edition) Bd. 1 (von 3)

Transmetropolitan (Deluxe Edition) Bd. 1 (von 3)
Autor: Warren Ellis
Zeichner: Darick Robertson
Seitenzahl: 520
Format: 18.3X27.7
ISBN: 9783741649301
Storys: Absolute Transmetropolitan 1 aka Transmetropolitan #1-#18, Vertigo: Winter's Edge #2, Transmetropolitan: I Hate it Here
Panini Verlags GmbH


Es gibt Comics, die nach vielen Jahren vor allem nostalgische Gefühle wecken. Und dann gibt es Transmetropolitan. Warren Ellis und Darick Robertson haben Ende der 1990er-Jahre eine Serie geschaffen, die heute fast noch aktueller wirkt als damals. Ich verfolge Spider Jerusalem bereits seit der ersten deutschen Veröffentlichung beim Speed Verlag, und für mich gehört die Serie bis heute zu den großen Meisterwerken des modernen Comics.

Spider Jerusalem ist Journalist, Menschenfeind, Provokateur und professioneller Störenfried. Nachdem er sich jahrelang in die Berge zurückgezogen hat, zwingt ihn ein noch nicht erfüllter Buchvertrag zurück in die Stadt – einen gigantischen, schmutzigen und vollkommen wahnsinnigen Moloch. Hier bestimmen Konsum, Drogen, neue Religionen, Körpermodifikationen, Werbung und Medien den Alltag. Spider hasst diese Welt und liebt sie gleichzeitig, denn hier findet er genau das, was ihn antreibt: Geschichten und vor allem Wahrheiten, die andere lieber unterdrücken würden.

Schon sein erster großer Einsatz zeigt, wohin die Reise geht. Spider berichtet über den Aufstand der Transienten, Menschen, die ihre Körper mit außerirdischer DNA verändern und von der übrigen Gesellschaft ausgegrenzt werden. Was zunächst wie eine weitere groteske Randerscheinung dieser Zukunft wirkt, entwickelt sich zu einem brutalen Konflikt. Spider stellt sich mitten hinein und zeigt, welche Macht Journalismus besitzen kann, wenn jemand tatsächlich berichtet, was geschieht, statt die gewünschte Version der Ereignisse zu verbreiten.

Zurück im Geschäft erhält er beim Word eine feste Plattform und mit Channon Yarrow bald eine Assistentin, die mit Spiders Temperament einiges auszuhalten hat. Dabei sind es nicht nur die großen politischen Geschichten, die den Reiz ausmachen. Ellis führt uns durch religiöse Sekten, bizarre Zukunftstechnologien und die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Randgruppen. Gerade die kleineren Episoden vermitteln hervorragend, wie diese Stadt funktioniert und wie wenig sie sich um diejenigen kümmert, die nicht mehr mithalten können.

Immer stärker rückt schließlich die Politik ins Zentrum. Spider nimmt den amtierenden Präsidenten, den er nur „The Beast“ nennt, ins Visier und gerät mitten in den kommenden Wahlkampf. Dabei begegnet er auch dessen Herausforderer Gary Callahan, dem scheinbar sympathischeren „Smiler“. Schon hier zeigt Ellis, dass Spider niemandem allein deshalb vertraut, weil er die bessere Alternative zu einem verhassten Gegner zu sein scheint. Politiker müssen sich seinen Fragen stellen – und Spider besitzt ein außergewöhnliches Talent dafür, genau dort nachzubohren, wo es unangenehm wird.

Hinter dem ganzen Zynismus steckt nämlich erstaunlich viel Idealismus. Spider ist arrogant, aggressiv, vulgär und häufig kaum auszuhalten, glaubt aber fanatisch daran, dass Menschen ein Recht auf die Wahrheit haben. Er behauptet, die Menschheit zu hassen, und kämpft gleichzeitig dafür, dass sie nicht belogen und manipuliert wird. Genau dieser Widerspruch macht ihn zu einer der großartigsten Comicfiguren seiner Zeit.

Beim heutigen Wiederlesen ist beinahe erschreckend, wie viele Entwicklungen Ellis vor über 25 Jahren vorweggenommen hat. Politik als Unterhaltung, populistische Politiker, Medienmanipulation, permanente Informationsüberflutung, die Jagd nach Aufmerksamkeit und eine Gesellschaft, in der Wahrheit zunehmend zu einer Frage der Wahrnehmung wird – vieles wirkt inzwischen weniger wie Cyberpunk als wie eine groteske Überzeichnung unserer Gegenwart.

Mindestens ebenso wichtig wie Ellis ist Darick Robertson. Seine Stadt ist ein visueller Irrsinn aus Menschenmassen, Reklametafeln, Müll, Technik und zahllosen kleinen Gags. Manche Seiten kann man minutenlang betrachten und entdeckt beim erneuten Lesen noch Details. Gleichzeitig beherrscht Robertson die stillen Momente ebenso wie das große Chaos. Vor allem Spider lebt durch seine fantastische Mimik. Nie war Ellis satirischer, nie Robertson fantastischer.

Für mich ist diese Deluxe Edition natürlich auch eine Reise zurück zu den alten Speed-Ausgaben. Damals wirkte Transmetropolitan anarchisch, provokant und seiner Zeit weit voraus. Viele Comics jener Jahre sind inzwischen deutlich gealtert. Hier geschieht beinahe das Gegenteil: Je mehr Zeit vergeht, desto mehr erkennt man von Ellis' Zukunft in unserer eigenen Gegenwart wieder.

Mit 520 Seiten und dem größeren Format von 18,3 × 27,7 cm bekommt Robertsons detailreiche Arbeit endlich reichlich Raum. Neben den ersten 18 regulären Ausgaben sind auch Vertigo: Winter’s Edge #2 und Transmetropolitan: I Hate It Here enthalten. Damit startet die auf drei Bände angelegte Deluxe Edition ausgesprochen umfangreich.

Nach all den Jahren hat sich meine Meinung nicht geändert: Transmetropolitan ist ein Meisterwerk. Radikal, böse, intelligent, unglaublich komisch und manchmal erschreckend treffend. Hinter all dem Wahnsinn steht eine erstaunlich einfache Überzeugung: Die Wahrheit zählt – besonders dann, wenn mächtige Menschen verhindern wollen, dass sie jemand erfährt.

Ich lese Spider Jerusalem seit den Speed-Ausgaben. Damals hätte ich allerdings nicht erwartet, dass seine völlig verrückte Zukunft eines Tages stellenweise so vertraut, wirken würde.

Transmetropolitan war seiner Zeit voraus. Inzwischen hat unsere Gegenwart erschreckend viel davon eingeholt.

Bat-Man: Second Knight Bd. 2 (von 3)

Bat-Man: Second Knight Bd. 2 (von 3)
Autor: Dan Jurgens
Zeichner: Mike Perkins
Format: 24.5X31.5
ISBN: 9783741652288
Storys: The Bat-Man: Second Knight 2
Panini Verlags GmbH

Dan Jurgens und Mike Perkins setzen ihre ungewöhnliche Rückkehr zu Batmans Anfangsjahren fort. Das Besondere an Second Knight ist weiterhin die konsequente Verankerung in der Welt von 1939. Dies ist kein moderner Batman, der lediglich in ein historisches Kostüm gesteckt wurde. Gotham, seine Bewohner und selbst Bruce Waynes Möglichkeiten werden von ihrer Zeit geprägt.

Während Europa am Rande eines Krieges steht, bekommt es Batman in Gotham mit einer Bedrohung zu tun, die sich nicht einfach durch ein paar Schläge beseitigen lässt. Die mysteriösen Todesfälle und die dahintersteckenden Machenschaften führen ihn immer tiefer in einen Fall, bei dem politische Spannungen, Wissenschaft und die Angst jener Epoche ineinandergreifen. Gleichzeitig ist Batman selbst noch längst nicht der nahezu unfehlbare Dunkle Ritter späterer Jahre. Bruce experimentiert, macht Fehler und muss seine Methoden erst entwickeln.

Gerade das gefällt mir an dieser Reihe. Dan Jurgens versucht nicht, den Batman von 2026 rückwirkend nach 1939 zu versetzen. Sein Bruce Wayne befindet sich noch auf dem Weg zu der Figur, die wir kennen. Auch die Reaktionen der Polizei und der Bevölkerung auf diesen plötzlich auftauchenden maskierten Mann wirken entsprechend glaubwürdig.

Noch stärker als die Geschichte beeindruckt mich erneut Mike Perkins. Sein realistischer, atmosphärischer Stil passt hervorragend zu diesem historischen Gotham. Straßen, Autos, Kleidung und Architektur erzeugen eine glaubwürdige Welt der späten 1930er-Jahre. Besonders nachts entwickelt sein Gotham eine beinahe klassische Film-noir-Atmosphäre.

Das große Format von 24,5 × 31,5 cm ist dafür ideal. Perkins' detailreiche Seiten profitieren enorm davon und machen auch diesen zweiten Band zu einem Comic, bei dem die Präsentation einen wesentlichen Teil des Vergnügens ausmacht.

Second Knight bleibt damit eine ausgesprochen interessante Neuinterpretation von Batmans frühen Jahren. Jurgens erzählt bewusst langsamer und atmosphärischer als viele moderne Batman-Serien, während Perkins dafür sorgt, dass man vollkommen in dieses Gotham von 1939 eintaucht. Nach zwei Bänden funktioniert das Konzept für mich weiterhin ausgezeichnet – und nun darf man gespannt sein, wie Jurgens seine Geschichte im dritten und letzten Teil abschließt.

Marvel Must-Have: Bruce Banner Hulk

Marvel Must-Have: Bruce Banner Hulk
Autor: Al Ewing
Zeichner: Joe Bennett
Seitenzahl: 152
Format: 17X26
Storys: Immortal Hulk (2018) 1-5
ISBN: 9783741650024
€ 35,00
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Al Ewing hat mit seiner Hulk-Serie etwas geschafft, das bei einer Figur mit einer derart langen Geschichte alles andere als selbstverständlich ist: Er hat Bruce Banner und sein grünes Alter Ego nicht einfach modernisiert, sondern ihnen wieder etwas Unheimliches, Bedrohliches und beinahe Mystisches gegeben. Der Band Marvel Must-Have: Bruce Banner – Hulk enthält mit Immortal Hulk 1–5 den Auftakt dieser außergewöhnlichen Phase und zeigt bereits sehr deutlich, warum Ewings Interpretation so viel Aufmerksamkeit bekommen hat.

Bruce Banner ist wieder unterwegs. Er hält sich im Hintergrund, zieht von Ort zu Ort und versucht im Grunde nur, irgendwie mit seiner Existenz zurechtzukommen. Doch eines hat sich verändert: Bruce Banner kann sterben – der Hulk offenbar nicht. Sobald die Nacht hereinbricht, erwacht etwas in ihm, und genau daraus entwickelt Ewing eine Geschichte, die viel stärker im Horror verwurzelt ist als viele klassische Hulk-Abenteuer.

Gerade das gefällt mir ausgesprochen gut. Hulk ist hier nicht einfach der riesige grüne Kraftprotz, der Gebäude zerlegt und sich mit anderen Superwesen prügelt. Er wirkt wie eine Naturgewalt, aber zugleich wie etwas, das besser im Dunkeln geblieben wäre. Ewing greift dabei tief in die Geschichte der Figur zurück und verbindet psychologischen Horror, klassische Monsterstoffe und Marvel-Superhelden miteinander. Das funktioniert erstaunlich gut, weil er Bruce Banner nie aus den Augen verliert. Hinter dem Monster steht weiterhin ein zutiefst beschädigter Mensch.

Die ersten fünf Ausgaben funktionieren teilweise fast wie einzelne kleine Horrorgeschichten. Verbrechen, Schuld und menschliche Abgründe spielen eine wichtige Rolle. Der Hulk erscheint dabei nicht unbedingt als klassischer Held. Er bestraft Menschen, und manchmal ist die Art, wie er das tut, ausgesprochen unangenehm. Genau diese moralische Unsicherheit macht den Reiz aus. Man weiß als Leser durchaus, auf welcher Seite man steht, fühlt sich dabei aber nicht immer wohl.

Joe Bennett findet dafür die passenden Bilder. Sein Hulk ist gewaltig, schwer und furchteinflößend. Besonders gelungen sind die Momente, in denen Körperlichkeit und Horror ineinander übergehen. Verformungen, Verletzungen und Transformationen wirken unangenehm greifbar. Trotzdem verliert Bennett nie die Übersichtlichkeit. Die Seiten erzählen klar und konzentriert, während die düstere Atmosphäre ständig präsent bleibt.

Mit 152 Seiten ist der Band allerdings nicht besonders umfangreich. Gerade bei einem Preis von 35 Euro muss man schon ein Fan dieser hochwertigen Must-Have-Ausgaben sein. Inhaltlich bekommt man dafür einen hervorragenden Einstieg in eine der interessantesten Hulk-Interpretationen der vergangenen Jahre. Allerdings endet der Band natürlich zu einem Zeitpunkt, an dem die große Geschichte gerade erst Fahrt aufnimmt.

Für mich liegt die besondere Stärke darin, dass Ewing den Hulk wieder gefährlich macht. Nicht nur für seine Gegner, sondern auch für den Leser. Man möchte wissen, was Bruce Banner eigentlich geworden ist und welche Regeln für dieses scheinbar unsterbliche Wesen gelten. Gleichzeitig spürt man hinter dem Horror immer die Tragik dieser Figur.

Marvel Must-Have: Bruce Banner – Hulk ist damit weit mehr als eine weitere Geschichte über den stärksten Mann der Marvel-Welt. Es ist der Beginn einer düsteren, intelligent geschriebenen Horrorgeschichte, die hervorragend versteht, warum Bruce Banner und der Hulk auch nach Jahrzehnten noch faszinieren. Für Hulk-Fans ist dieser Auftakt besonders reizvoll, weil er Bekanntes respektiert und daraus trotzdem etwas erstaunlich Eigenständiges macht.

Marvel Must-Have Spider-Man - Das Kind in Dir

Marvel Must-Have Spider-Man - Das Kind in Dir
Autor: J. M. DeMatteis
Zeichner: Sal Buscema
Seitenzahl: 256
Format: 17X26
39,00 €
ISBN: 9783741649752
Storys: The Spectacular Spider-Man 178–184, 189 (I), 200
Panini Verlags GmbH

Mit „Das Kind in Dir“ veröffentlicht Panini einen der bedeutendsten Spider-Man-Klassiker der 1990er Jahre. Autor J. M. DeMatteis, der bereits mit Kraven's Last Hunt Comicgeschichte schrieb, verbindet hier klassische Superhelden-Action mit einer tiefgehenden psychologischen Charakterstudie. Unterstützt wird er von Sal Buscema, dessen klarer, emotionaler Zeichenstil hervorragend zur Geschichte passt.

Im Mittelpunkt steht weniger Spider-Mans Kampf gegen klassische Superschurken als vielmehr Peter Parkers Auseinandersetzung mit seiner eigenen Vergangenheit. Die Beziehung zu seinem gewalttätigen Vater, verdrängte Kindheitstraumata und die Frage, wie sehr die eigene Vergangenheit das heutige Leben bestimmt, bilden das emotionale Zentrum der Handlung. Damit hebt sich die Geschichte deutlich von gewöhnlichen Superhelden-Comics ab.

DeMatteis gelingt es meisterhaft, Peters innere Konflikte glaubwürdig darzustellen. Spider-Man ist hier nicht nur der schlagfertige Netzschwinger, sondern vor allem ein Mensch, der lernen muss, mit alten Wunden umzugehen. Gerade diese Mischung aus Superheldenabenteuer und psychologischem Drama macht den Band bis heute außergewöhnlich.

Sal Buscemas Zeichnungen gehören zu den stärksten Arbeiten seiner langen Karriere. Seine Figuren wirken lebendig und ausdrucksstark, insbesondere die zahlreichen emotionalen Szenen profitieren von seiner Mimik und Körpersprache. Gleichzeitig inszeniert er Actionsequenzen übersichtlich und dynamisch, ohne dabei den Fokus auf die Figuren zu verlieren.

Die Must-Have-Ausgabe bündelt sämtliche relevanten Kapitel in hochwertiger Form und ermöglicht es, die Geschichte erstmals komplett in einem Band zu lesen. Ergänzend erhält man einen schönen Überblick über eine der wichtigsten Entwicklungsphasen Peter Parkers.

Bewertung: Einer der besten Spider-Man-Bände überhaupt. Eine außergewöhnlich emotionale Geschichte, die eindrucksvoll zeigt, warum J. M. DeMatteis zu den besten Autoren gehört, die jemals für Spider-Man geschrieben haben. Ein absolutes Pflichtprogramm für Marvel-Fans.

Supergirl: Die Frau von Morgen (Deluxe Edition)

Supergirl: Die Frau von Morgen (Deluxe Edition)
Autor: Tom King
Zeichner: Bilquis Evely
Seitenzahl: 272
Format: 18.3X27.7
39,00 €
ISBN: 9783741648809
Storys: Supergirl: Woman of Tomorrow 1–8
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Tom Kings Supergirl: Die Frau von Morgen ist eine dieser Geschichten, bei denen man schon nach wenigen Seiten merkt, dass der Autor seine Hauptfigur bewusst aus der gewohnten Superheldenwelt herauslösen möchte. Keine gewöhnliche Abfolge von Kämpfen mit bekannten Gegnern und auch kein Versuch, Kara Zor-El einfach als weibliche Variante von Superman zu präsentieren. Stattdessen erzählt King eine melancholische Science-Fiction-Reise über Verlust, Rache und Mitgefühl.

Die Geschichte erleben wir größtenteils durch Ruthye Marye Knoll. Das junge Mädchen hat seinen Vater verloren und will den Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Auf ihrer Suche nach Hilfe trifft sie auf Supergirl und gemeinsam beginnt eine Reise durch den Weltraum, die stellenweise eher an einen klassischen Western oder ein Racheabenteuer erinnert als an einen typischen DC-Comic.

Dabei spielt Karas Vergangenheit eine entscheidende Rolle. Superman kam als Baby auf die Erde, Kara dagegen kannte Krypton. Sie hatte dort ein Leben, eine Familie und Erinnerungen. Den Untergang ihrer Heimat hat sie bewusst erlebt. Tom King nutzt diesen Unterschied sehr geschickt und zeigt eine Supergirl, die genau weiß, was Verlust, Wut und Trauer bedeuten.

Trotzdem ist Kara keine verbitterte Heldin. Gerade ihre Fähigkeit, sich nicht vollständig von diesen Gefühlen bestimmen zu lassen, macht sie hier so interessant. Ruthye sucht Vergeltung, während Kara aus eigener Erfahrung weiß, wohin Hass führen kann. Daraus entwickelt sich eine Geschichte, die hinter all der Science-Fiction eine sehr menschliche Frage stellt: Gibt man den eigenen Schmerz weiter oder gelingt es, diesen Kreislauf zu durchbrechen?

Die eigentliche Sensation des Bandes sind für mich allerdings die Zeichnungen von Bilquis Evely. Planeten, fremde Landschaften, Raumschiffe und fantastische Kreaturen besitzen eine unglaubliche Detailfülle. Evelys Stil wirkt gleichzeitig klassisch und modern und verleiht der Geschichte eine fast märchenhafte Qualität. Zusammen mit der intensiven Farbgebung von Mat Lopes entstehen immer wieder Seiten, bei denen man automatisch länger verweilt. Gerade im größeren Deluxe-Format von 18,3 × 27,7 cm kommt diese fantastische Optik hervorragend zur Geltung.

Kings Erzählweise muss man allerdings mögen. Ruthye schildert die Ereignisse rückblickend und teilweise sehr ausführlich, wodurch die Sprache bewusst literarischer ausfällt als bei einem gewöhnlichen Superheldencomic. Für mich passt das allerdings sehr gut zur beinahe märchenhaften Atmosphäre der Geschichte.

Zusätzliche Bedeutung hat Supergirl: Die Frau von Morgen inzwischen auch durch den Kinofilm Supergirl aus dem Jahr 2026 mit Milly Alcock als Kara Zor-El. Kings und Evelys Comic diente als wesentliche Vorlage für den Film. Viele Figuren, Motive und vor allem diese deutlich vom Verlust Kryptons geprägte Interpretation von Kara haben hier ihren Ursprung. Wer den Film gesehen hat, kann in der Comicvorlage deshalb besonders schön entdecken, wie stark diese Geschichte den neuen Kinoauftritt von Supergirl geprägt hat.

Die Deluxe Edition enthält alle acht Ausgaben von Supergirl: Woman of Tomorrow sowie zusätzliches Material und umfasst 272 Seiten.

Supergirl: Die Frau von Morgen gehört für mich zu den schönsten modernen Geschichten über Kara Zor-El. Tom King gibt ihr eine eigene Persönlichkeit und zeigt sehr deutlich, dass sie wesentlich mehr ist als nur Supermans berühmte Cousine. Zusammen mit Bilquis Evelys außergewöhnlichen Bildern entstand eine melancholische, stellenweise harte und vor allem wunderschöne Science-Fiction-Geschichte, deren Bedeutung durch die Verfilmung noch einmal gewachsen ist.

Star Wars - Die Crimson Empire-Saga

Star Wars - Die Crimson Empire-Saga
Autor: Mike Richardson, Randy Stradley
Zeichner: P. Craig Russell, Paul Gulacy, Randy Emberlin
Seitenzahl: 512
Format: 18.3X27.7
ISBN: 9783741645105
Storys: US-Star Wars: The Crimson Empire Saga
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Crimson Empire gehört für mich zu den interessantesten Star-Wars-Comics aus der Zeit des alten Expanded Universe. Das liegt schon daran, dass hier weder Luke Skywalker noch Han Solo oder Leia im Mittelpunkt stehen. Stattdessen richtet sich der Blick auf die Überreste des Imperiums und einen Mann, der normalerweise höchstens am Rande einer Star-Wars-Geschichte aufgetaucht wäre: Kir Kanos, einen ehemaligen Angehörigen der imperialen Ehrengarde.

Nach dem endgültigen Tod des Imperators zerfällt das Imperium immer weiter. Die Neue Republik gewinnt an Einfluss, während unterschiedliche Fraktionen um die Reste der imperialen Macht kämpfen. Kir Kanos hat jedoch ein sehr persönliches Ziel. Als einer der letzten Überlebenden der Roten Garde will er den Tod seiner Kameraden rächen und macht Jagd auf Carnor Jax, der selbst nach der Macht greift.

Damit beginnt eine Geschichte, die Star Wars aus einer ungewöhnlichen Perspektive betrachtet. Kanos ist kein heimlicher Rebell und wird auch nicht plötzlich zum überzeugten Anhänger der Neuen Republik. Seine Loyalität galt dem Imperator und der imperialen Garde. Das macht ihn als Hauptfigur interessant, denn Richardson und Stradley versuchen nicht, aus ihm einen klassischen strahlenden Helden zu machen.

Nach der Auseinandersetzung mit Jax wird die Geschichte größer. Kanos gerät zwischen die verschiedenen politischen Kräfte der zerfallenden Galaxis, während die Neue Republik versucht, ihre Position zu festigen. Später führt die Saga bis zu den letzten imperialen Machtkämpfen und konfrontiert Kanos zunehmend mit der Frage, welchen Platz ein Mann wie er überhaupt noch in dieser veränderten Galaxis besitzt.

Gerade dieser Blick auf die Zeit nach Palpatine gefällt mir bis heute. Das alte Expanded Universe ließ das Imperium nicht einfach über Nacht verschwinden. Es zerfiel in Fraktionen, Warlords und politische Interessengruppen. Dadurch entstand das Gefühl, dass der Untergang einer galaktischen Diktatur eben nicht automatisch bedeutet, dass am nächsten Morgen überall Frieden herrscht.

Optisch ist die Saga vor allem mit Paul Gulacy verbunden. Sein realistischer, häufig fast filmischer Stil passt hervorragend zur Geschichte. Besonders die roten Uniformen der imperialen Garde wirken imposant, und Gulacy versteht es ausgezeichnet, Duelle und größere Actionszenen klar und dynamisch zu inszenieren.

Natürlich merkt man der Saga an, aus welcher Star-Wars-Ära sie stammt. Das ist für mich aber eher ein Pluspunkt. Diese Comics besitzen noch den Geist des klassischen Expanded Universe, als Autoren große Freiheiten hatten, die Zeit nach den Filmen weiterzuentwickeln.

Mit 512 Seiten liegt die Geschichte hier endlich als großer zusammenhängender Block vor. Gerade bei einer Saga, deren Handlung sich über einen längeren Zeitraum entwickelt, ist das ideal.

Crimson Empire ist auch heute noch lesenswert: eine düstere Geschichte über Loyalität, Rache und die Überreste eines untergehenden Imperiums. Kir Kanos gehört dabei zu jenen Figuren des alten Expanded Universe, an die ich mich gerne erinnere. Wer Star Wars einmal abseits der üblichen Jedi- und Skywalker-Geschichten erleben möchte, findet hier einen der interessantesten Klassiker dieser Ära.



Spider-Man Classic Collection 5

Spider-Man Classic Collection 5
Autor: Gerry Conway, Archie Goodwin, Len Wein
Zeichner: Gil Kane, Ross Andru, Sal Buscema
Seitenzahl: 880
Format: 18.3X27.7
ISBN: 9783741650017
Storys: Amazing Spider-Man 143–180 & Annual 10-11, Nova 12
Panini Verlags GmbH

Mit dem fünften Band der Spider-Man Classic Collection erreicht die Reihe eine Phase, die für Peter Parker mindestens ebenso wichtig ist wie für Spider-Man. Natürlich gibt es auf diesen gewaltigen 880 Seiten wieder reichlich klassische Superhelden-Action und eine ganze Parade bekannter Gegner. Doch im Zentrum stehen für mich zwei Dinge, die Spider-Mans weiteres Leben entscheidend prägen sollten: die erste Klonsaga und die Entwicklung der Beziehung zwischen Peter Parker und Mary Jane Watson.

Der Band setzt mit Amazing Spider-Man #143 ein, und schon hier geschieht etwas scheinbar Kleines, aber Entscheidendes: Peter und Mary Jane kommen sich immer näher und küssen sich erstmals. Peter beginnt nach Gwens Tod wieder nach vorne zu schauen. Doch gerade als sich zwischen ihm und MJ tatsächlich etwas entwickelt, geschieht das Unfassbare: Gwen Stacy steht plötzlich wieder vor seiner Tür.

Damit beginnt die ursprüngliche Klonsaga – wohlgemerkt nicht die gigantisch aufgeblähte Saga der 1990er-Jahre, sondern deren Ursprung aus den Jahren 1975/76. Und diese Geschichte funktioniert auch heute noch hervorragend, gerade weil Gerry Conway sie nicht einfach als Science-Fiction-Spektakel erzählt. Im Mittelpunkt steht Peters emotionaler Konflikt.

Wie soll er damit umgehen, dass die Frau, deren Tod ihn beinahe zerbrochen hat, plötzlich wieder vor ihm steht?

Peter weiß, dass Gwen tot ist. Er hat ihren Tod erlebt und trägt die Schuldgefühle bis heute mit sich herum. Trotzdem sieht diese Frau aus wie Gwen, besitzt ihre Erinnerungen und empfindet wie sie. Gleichzeitig ist da Mary Jane, zu der Peter inzwischen eine ganz andere, neue Beziehung aufgebaut hat. Genau daraus entsteht die eigentliche Stärke dieser Geschichte. Gwens Rückkehr zwingt Peter nicht nur dazu, sich erneut mit seinem größten Verlust auseinanderzusetzen, sondern auch zu erkennen, dass sein eigenes Leben inzwischen weitergegangen ist.

Hinter allem steckt der Schakal, dessen wahre Identität schließlich enthüllt wird: Professor Miles Warren, Peters ehemaliger Biologieprofessor. Warren war von Gwen besessen und konnte ihren Tod nicht akzeptieren. Aus seiner Trauer und seinem Wahnsinn heraus erschafft er einen Klon von Gwen – und schließlich sogar einen von Peter Parker.

Damit erreicht die Saga ihren Höhepunkt. Spider-Man muss gegen einen vollkommen identischen Spider-Man antreten. Beide besitzen dieselben Erinnerungen, dieselben Kräfte und sind davon überzeugt, Peter Parker zu sein. Für den Leser der damaligen Zeit war das eine fantastische Idee, lange bevor Klone und alternative Spider-Men zum beinahe alltäglichen Bestandteil des Marvel-Universums wurden.

Besonders stark ist anschließend Amazing Spider-Man #150. Peter bleibt mit der quälenden Frage zurück, ob vielleicht er selbst der Klon ist. Curt Connors soll ihm durch Tests Gewissheit verschaffen. Doch letztlich findet Peter seine Antwort auf einer viel persönlicheren Ebene: Seine Gefühle für Mary Jane entstanden erst nach dem Zeitpunkt, an dem Miles Warren seine genetische Vorlage genommen hatte. Gerade die Liebe zu MJ wird damit zum entscheidenden Teil seiner eigenen Identität.

Und genau deshalb ist die erste Klonsaga für mich nicht nur eine Geschichte über Gwen Stacy und einen doppelten Spider-Man. Sie ist gleichzeitig ein entscheidender Schritt in der Beziehung zwischen Peter und Mary Jane.

Mary Jane war ursprünglich die unbekümmerte, lebenslustige Alternative zur eher ernsthaften Gwen. Sie wollte Spaß haben, flirtete, tanzte und schien Probleme möglichst weit von sich fernzuhalten. Doch spätestens nach Gwens Tod wurde deutlich, dass hinter dieser Fassade sehr viel mehr steckt. Als Peter nach Gwens Tod vollkommen am Boden ist und MJ zunächst wegschicken will, bleibt sie bei ihm. Von diesem Punkt an verändert sich die Figur grundlegend.

In den hier enthaltenen Geschichten wird diese Entwicklung konsequent fortgeführt.

MJ ist nicht einfach der Ersatz für Gwen. Gerade das wäre der denkbar schlechteste Weg gewesen. Sie ist vollkommen anders. Sie besitzt ihren eigenen Kopf, widerspricht Peter und lässt sich von ihm nicht vorschreiben, wie sie ihr Leben zu führen hat. Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass ihre demonstrative Leichtigkeit auch ein Schutzmechanismus ist. Sie will sich nicht zu sehr binden, weil echte Gefühle eben auch bedeuten, verletzt werden zu können.

Dadurch wirkt die Beziehung zwischen Peter und Mary Jane für mich wesentlich lebendiger als eine klassische Superheldenromanze. Sie streiten, entfernen sich voneinander, finden wieder zusammen und versuchen überhaupt erst herauszufinden, was sie füreinander empfinden.

Und ausgerechnet die Rückkehr Gwens macht Peter klar, dass er nicht einfach in die Vergangenheit zurückkehren kann. Gwen bleibt ein Teil seines Lebens, doch seine Zukunft liegt woanders.

Neben diesem großen emotionalen Handlungsbogen bietet der Band natürlich jede Menge klassisches Spider-Man-Abenteuer. Spider-Man bekommt es unter anderem mit Doctor Octopus, Kingpin, Skorpion, Shocker, Sandman und Rocket Racer zu tun. Dazu kommen weniger bekannte Gegner und zahlreiche Nebenhandlungen um den Daily Bugle, Aunt May, J. Jonah Jameson und Peters Freundeskreis. Gerade diese Mischung aus Superhelden-Action und Privatleben ist für mich seit jeher die große Stärke von Amazing Spider-Man.

Ein weiterer Höhepunkt ist die erneute Rückkehr des Grünen Kobolds. Nach Norman Osborn hatte bereits Harry das Kostüm seines Vaters übernommen, und die Verbindung zwischen Peter und der Familie Osborn bleibt eine der tragischsten Konstanten der Serie. Der Kobold ist eben nie nur irgendein kostümierter Gegner. Sobald er auftaucht, wird es persönlich.

Überhaupt zeigen die hier gesammelten Hefte sehr schön, warum Spider-Man in den 1970er-Jahren so hervorragend funktionierte. Peter kann gerade einen Superschurken besiegt haben und fünf Minuten später feststellen, dass sein Privatleben in wesentlich größeren Schwierigkeiten steckt. Freunde entwickeln sich weiter, Beziehungen verändern sich, Menschen verschwinden und andere kehren zurück. Peter Parker bleibt niemals stehen.

Nach Gerry Conway übernehmen zunächst Archie Goodwin und dann vor allem Len Wein, wodurch sich der Ton etwas verändert, ohne dass die Serie ihren Charakter verliert. Wein versteht ebenfalls sehr gut, dass Spider-Man nicht allein von seinen Gegnern lebt. Das soziale Umfeld bleibt entscheidend und die zahlreichen persönlichen Handlungsstränge sorgen dafür, dass die fast 900 Seiten keineswegs nur wie eine Aneinanderreihung klassischer Superschurkenkämpfe wirken.

Zeichnerisch wird diese Ära vor allem von Ross Andru geprägt. Sein Spider-Man besitzt für mich bis heute einen enormen Wiedererkennungswert. Andru zeichnet New York nicht lediglich als Hintergrund, sondern als wirklichen Lebensraum. Häuser, Dächer und Straßenschluchten vermitteln ein starkes Gefühl für die Stadt, und seine Action bleibt auch bei spektakulären Kämpfen klar lesbar. Ergänzt wird seine Arbeit unter anderem durch Gil Kane und Sal Buscema – drei Namen, die ohnehin untrennbar mit dem klassischen Marvel der 1970er-Jahre verbunden sind.

Gerade im großen Format von 18,3 × 27,7 cm kommen diese Zeichnungen hervorragend zur Geltung. Mit 880 Seiten ist das natürlich ein gewaltiger Band, aber inhaltlich bekommt man dafür eine lange und enorm wichtige Phase der Spider-Man-Historie nahezu am Stück präsentiert.

Für mich ist Spider-Man Classic Collection 5 deshalb einer der bislang interessantesten Bände der Reihe. Die vielen klassischen Gegner machen Spaß, der Grüne Kobold sorgt wieder für persönliche Dramatik und die Serie entwickelt Peters Welt konsequent weiter. Das eigentliche Herzstück bleibt aber die ursprüngliche Klonsaga.

Wer bei diesem Begriff nur an die ausufernde Geschichte der 1990er-Jahre denkt, sollte gerade diese ursprüngliche Version noch einmal lesen. Sie ist vergleichsweise kompakt, emotional und besitzt einen klaren Kern: Peter muss sich endgültig seiner Vergangenheit mit Gwen stellen, um weiterleben zu können.

Und genau hier kommt Mary Jane ins Spiel.

Denn rückblickend erzählt dieser Band für mich mindestens ebenso sehr von MJ wie von Gwen und ihren Klonen. Mary Jane wird immer mehr zu der Frau, die Peter nicht idealisiert, sondern wirklich kennt und ihm auf Augenhöhe begegnet. Die Klonsaga bringt das wunderbar auf den Punkt: Als Peter selbst nicht mehr sicher ist, ob er überhaupt der echte Peter Parker ist, werden ausgerechnet seine Gefühle für Mary Jane zu einem Teil der Antwort.

Das ist für mich einer der schönsten Gedanken dieser klassischen Spider-Man-Ära: Gwen Stacy bleibt Peters große verlorene Liebe – aber mit Mary Jane beginnt seine Zukunft.

DC/Marvel-Klassiker 1981: Superman und Spider-Man

DC/Marvel-Klassiker 1981: Superman und Spider-Man
Autor: Jim Shooter, Marv Wolfman
Zeichner: John Buscema
Seitenzahl: 64
Format: 25.5X35.5
ISBN: 9783741648830
Storys: Marvel Treasury Edition 28: Superman and Spider-Man!
Deutsche Erstveröffentlichung: Marvel/DC Classic 2 (1999/Dino Verlag)
Panini Verlags GmbH

Superman und Spider-Man gemeinsam in einem Comic – heute sind solche Crossover zwischen verschiedenen Verlagen kaum noch vorstellbar. 1981 war dieses zweite große Zusammentreffen der beiden Helden deshalb ein echtes Ereignis.

Die Geschichte macht dabei keine unnötigen Experimente. Superman und Spider-Man werden in ein großes Abenteuer hineingezogen, das ihre unterschiedlichen Welten miteinander verbindet. Peter Parker und Clark Kent begegnen sich ebenso wie ihre kostümierten Alter Egos, und natürlich dauert es nicht lange, bis aus anfänglichen Missverständnissen die Erkenntnis wird, dass beide auf derselben Seite stehen.

Besonders reizvoll ist der Gegensatz zwischen den Figuren. Superman ist der nahezu unerschütterliche Held, während Spider-Man selbst mitten in einer Weltrettungsaktion noch mit Zweifeln und seinem typischen Humor reagiert. Gerade dadurch ergänzen sich beide hervorragend.

Das eigentliche Ereignis ist für mich aber John Buscema. Einen der großen Marvel-Zeichner überhaupt gleichzeitig Spider-Man und Superman zeichnen zu sehen, besitzt auch Jahrzehnte später seinen Reiz. Buscema verleiht Superman die notwendige körperliche Präsenz, während sein Spider-Man beweglich und dynamisch bleibt. Seine groß angelegten Panels schreien geradezu nach dem klassischen Treasury-Format.

Deshalb ist das neue Format von 25,5 × 35,5 cm ein großer Vorteil. Diese Geschichte wurde ursprünglich für eine besonders großformatige Veröffentlichung konzipiert und genau so sollte man sie eigentlich auch lesen. Buscemas Zeichnungen bekommen endlich den Platz, den sie verdienen.

Für deutsche Sammler ist die Geschichte allerdings keine Premiere. Bereits 1999 erschien sie als "Marvel/DC Classic 2" beim Dino Verlag. Wer damals schon gesammelt hat, dürfte diese Ausgabe noch gut kennen. Die Neuauflage ist deshalb weniger wegen einer unbekannten Geschichte interessant als wegen ihrer großformatigen Präsentation.

Inhaltlich darf man kein psychologisches Meisterwerk erwarten. Es ist ein klassischer Superhelden-Blockbuster aus einer Zeit, in der ein Crossover noch wirklich etwas Besonderes war. Genau darin liegt sein Charme.

Für mich ist Superman und Spider-Man deshalb vor allem ein Stück Comicgeschichte. Zwei der größten Superhelden überhaupt, geschrieben von Jim Shooter und Marv Wolfman und gezeichnet vom großartigen John Buscema – das allein reicht aus, um diesen Klassiker auch nach über vier Jahrzehnten gerne wieder aus dem Regal zu holen.

DC-Klassiker Superman gegen Flash

DC-Klassiker Superman gegen Flash
Autor: E. Nelson Bridwell, Jim Shooter
Zeichner: Curt Swan, Ross Andru
Seitenzahl: 56
Format: 25.5X35.5
29,00 €
ISBN: 9783741652141
Storys: Superman 199, The Flash 175
Panini Verlags GmbH

Dieser großformatige Band präsentiert zwei legendäre Silver-Age-Klassiker, in denen Superman und Flash erstmals ihre Geschwindigkeit miteinander messen. Geschrieben von E. Nelson Bridwell und Jim Shooter, illustriert von Comic-Legenden wie Curt Swan und Ross Andru, bietet das Album nostalgische Superheldenunterhaltung in ihrer reinsten Form.

Heute mögen Wettläufe zwischen Superman und Flash selbstverständlich erscheinen, doch Ende der 1960er Jahre waren diese Geschichten echte Großereignisse. Die beiden beliebtesten Helden des DC-Universums traten gegeneinander an, ohne dabei Rivalen im eigentlichen Sinne zu sein. Stattdessen standen Freundschaft, Fairness und spektakuläre Wettkämpfe im Mittelpunkt.

Besonders Curt Swans klassischer Superman zählt bis heute zu den prägenden Interpretationen der Figur. Seine elegante Linienführung verleiht Superman eine zeitlose Würde, während Ross Andru den Flash mit beeindruckender Dynamik inszeniert. Die großformatige Ausgabe kommt diesen Zeichnungen hervorragend zugute und lässt viele Details erstmals richtig zur Geltung kommen.

Inhaltlich spiegeln die Geschichten den Optimismus der Silver Age wider. Moderne Leser müssen sich auf eine deutlich andere Erzählweise einstellen: viel Text, zahlreiche Erklärungen und eine bewusst naiv wirkende Dramaturgie gehören zum Charme dieser Ära. Gerade darin liegt jedoch der historische Reiz des Bandes.

Nach der deutschen Album Erstveröffentlichung: „Superman gegen Roter Blitz“ (Ehapa, 1977) hat Panini hat das Album hochwertig produziert und richtet sich damit vor allem an Sammler klassischer Superheldencomics.

Bewertung: Ein wunderschön präsentierter Klassiker der DC-Geschichte. Historisch bedeutsam, zeichnerisch hervorragend und ein echtes Schmuckstück für Fans klassischer Superhelden.

Marvel Knights: Punisher

Marvel Knights: Punisher
Autor: Jimmy Palmiotti
Zeichner: Dan Panosian
Seitenzahl: 112
Format: 17 × 26 cm
Preis: 15,00 €
Storys: Marvel Knights: Punisher (2025) 1–4
Panini Verlags GmbH

Beim Punisher bin ich etwas eigen. Frank Castle funktioniert für mich am besten, wenn Marvel ihn nicht zum gewöhnlichen Superhelden macht. Ich brauche keinen Punisher, der gemeinsam mit den Avengers die Welt rettet oder gegen irgendeine kosmische Bedrohung kämpft. Gebt mir Frank Castle auf der Straße, organisierte Kriminalität, Waffenhändler, korrupte Polizisten und Gangster, bei denen Daredevil oder Spider-Man irgendwann die Handschellen herausholen würden. Frank holt etwas anderes heraus.

Genau deshalb verbinde ich mit dem Namen „Marvel Knights“ einige sehr gute Erinnerungen. Als Marvel Knights Ende der 1990er-Jahre startete, gehörte der Punisher zu den Figuren, die von dieser härteren Ausrichtung besonders profitierten. Später kamen natürlich Garth Ennis und Steve Dillon, bevor Ennis mit „Punisher MAX“ endgültig zeigte, wie kompromisslos Frank Castle funktionieren kann. Das ist bis heute eine verdammt hohe Messlatte.

Jimmy Palmiotti kennt diese Ecke des Marvel-Universums bestens. Gemeinsam mit Joe Quesada gehörte er zu den prägenden Köpfen der ursprünglichen Marvel-Knights-Ära. Dass ausgerechnet Palmiotti nun wieder eine Punisher-Geschichte unter diesem Namen präsentiert, besitzt deshalb einen gewissen nostalgischen Reiz.

Er versucht allerdings vernünftigerweise nicht, einfach alte Geschichten zu kopieren. Frank Castle ist immer noch Frank Castle. Er macht keine langen Reden darüber, weshalb das Verbrechen bekämpft werden muss, und Palmiotti versucht auch nicht, ihn künstlich sympathisch erscheinen zu lassen. Frank hat seine Entscheidung längst getroffen. Seine Familie wurde ermordet, seitdem führt er Krieg. Nicht gegen „das Böse“ als abstrakten Begriff, sondern ganz konkret gegen diejenigen, die anderen Menschen dasselbe antun könnten.

Die vier Hefte bleiben dabei erfreulich bodenständig. Natürlich spielt alles weiterhin im Marvel-Universum, aber man bekommt nicht auf jeder dritten Seite einen Gastauftritt, der daran erinnern soll. Genau das ist für mich wichtig. Sobald Frank Castle zwischen Thor, Iron Man und Captain Marvel steht, stellt sich automatisch die Frage, warum diese Welt überhaupt noch einen Mann mit Maschinengewehr benötigt. Auf der Straße sieht das anders aus. Hier sind seine Gegner Menschen – gefährliche Menschen, aber keine außerirdischen Weltenvernichter. Dadurch wird auch Frank selbst wieder gefährlich.

Palmiotti erzählt entsprechend geradlinig. Man sollte hier kein psychologisches Meisterwerk erwarten, das nach all den Jahrzehnten plötzlich eine völlig neue Seite von Frank Castle entdeckt. Das braucht es meiner Meinung nach auch gar nicht. Stattdessen bekommt man einen schnörkellosen Crime- und Actioncomic, und manchmal reicht mir das beim Punisher vollkommen.

Dan Panosian ist dafür eine sehr gute Wahl. Er zeichnet Frank nicht wie einen klassischen Superhelden. Castle ist kräftig und massiv, wirkt aber nicht wie ein Bodybuilder im Kostüm. Er sieht vielmehr aus wie jemand, der seit Jahren in einem Krieg lebt, den wahrscheinlich nur er selbst irgendwann für beendet erklären könnte. Besonders gut funktionieren die Actionszenen. Wenn Frank zuschlägt, besitzt das Gewicht. Wenn geschossen wird, verwandelt sich die Seite nicht in elegante Superheldenakrobatik. Die Gewalt ist schnell, dreckig und direkt. Genau so möchte ich den Punisher sehen.

Panosians etwas rauerer Strich passt ausgezeichnet dazu. Eine blitzsaubere Hochglanzoptik wäre hier vollkommen fehl am Platz. Sein Frank Castle darf verbraucht aussehen. Gerade dadurch besitzt die Figur wesentlich mehr Präsenz.

Das Faszinierende am Punisher war für mich ohnehin immer, dass man ihn eigentlich nicht als klassischen Helden bezeichnen kann. Spider-Man rettet Menschen und versucht selbst seine Gegner zu schützen. Captain America kämpft für seine Ideale. Daredevil glaubt trotz allem noch an das Rechtssystem. Frank Castle glaubt daran, dass bestimmte Menschen keine zweite Chance verdient haben.

Das kann man cool finden, gleichzeitig ist es die große Tragik dieser Figur. Frank wird seinen Krieg niemals gewinnen. Für jeden Gangster, den er ausschaltet, kommt irgendwann der nächste. Wahrscheinlich weiß er das sogar. Er macht trotzdem weiter. Gute Punisher-Autoren versuchen deshalb gar nicht erst, seine Methoden moralisch zu rechtfertigen. Sie zeigen Frank Castle, und der Leser muss selbst entscheiden, wie weit er bereit ist, ihm zu folgen. Palmiotti versteht das.

Mein größter Kritikpunkt ist der Umfang. 112 Seiten sind nicht gerade üppig. Nach vier US-Heften ist bereits Schluss, und gerade wenn man sich wieder richtig an diesen Punisher gewöhnt hat, klappt man den Band schon wieder zu. Dafür verlangt Panini 15 Euro. Andererseits wird die Geschichte dadurch wenigstens nicht künstlich auf zehn oder zwölf Hefte aufgeblasen. Kein riesiges Event, keine drei Nebenhandlungen, die lediglich den nächsten Crossover vorbereiten. Frank kommt, erledigt seinen Job und die Geschichte ist vorbei. Das hat durchaus etwas.

Natürlich weckt der Schriftzug „Marvel Knights“ bei langjährigen Marvel-Lesern Erwartungen. Bei mir jedenfalls sofort. Ich denke an eine Zeit zurück, in der Marvel einigen Figuren wieder eine etwas erwachsenere und härtere Richtung gab. Daredevil profitierte enorm davon, der Punisher ebenfalls. Ganz an die besten Punisher-Geschichten von Garth Ennis reicht dieser neue Vierteiler für mich nicht heran. Das wäre allerdings auch eine enorme Messlatte, denn Ennis verstand Frank Castle wie kaum ein anderer Autor.

Palmiotti versucht zum Glück nicht, Ennis nachzumachen. Seine Geschichte ist kompakter, geradliniger und stärker klassischer Action-Crime-Comic. Und genau als solcher funktioniert sie.

Fazit: „Marvel Knights: Punisher“ hat mir vor allem deshalb gefallen, weil der Band nicht versucht, mehr zu sein, als er ist. Jimmy Palmiotti erzählt eine harte, geradlinige Frank-Castle-Geschichte ohne unnötigen Ballast. Kein Multiversum, keine kosmische Bedrohung und kein Crossover mit zwanzig anderen Marvel-Serien. Einfach der Punisher.

Dan Panosian liefert dazu genau die richtigen Zeichnungen: rau, dynamisch und angenehm dreckig. Wer mit Garth Ennis und insbesondere „Punisher MAX“ groß geworden ist, sollte allerdings keine zweite MAX-Serie erwarten. Diese vier Hefte besitzen weder deren Umfang noch deren erzählerische Tiefe. Trotzdem hatte ich meinen Spaß damit. Lediglich die 112 Seiten sind ziemlich schnell gelesen.

Und vor allem erinnert der Band daran, wo Frank Castle für mich hingehört: nicht ins Weltall und nicht zwischen die Avengers, sondern nachts auf die Straße, wenn irgendein Gangster plötzlich feststellt, dass das Geräusch hinter ihm vielleicht doch keine Einbildung war.

Spider-Man: Die Graphic Novel Collection

Spider-Man: Die Graphic Novel Collection
Autoren: Charles Vess, Susan K. Putney, Gerry Conway, Stan Lee
Zeichner: Alex Saviuk, Bernie Wrightson, Charles Vess, Ross Andru
Seiten: 272
Format: 20,5 × 31 cm
Preis: 39,00 €
ISBN: 978-3-7416-4970-7
Panini Verlags GmbH


Enthält:

Marvel Graphic Novel 22: Amazing Spider-Man – Hooky (1986)
Marvel Graphic Novel 46: Amazing Spider-Man – Parallel Lives (1989)
Marvel Graphic Novel 63: Spider-Man – Spirits of the Earth (1990)
Marvel Graphic Novel 72: Spider-Man – Fear Itself (1992)

Für langjährige Spider-Man-Leser ist diese neue „Spider-Man: Die Graphic Novel Collection“ eine kleine Zeitreise. Denn drei der vier enthaltenen Geschichten sind keineswegs deutsche Erstveröffentlichungen. Wer Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre bereits Marvel-Comics gesammelt hat, dürfte ihnen vielmehr schon bei Condor begegnet sein.
Damals erschienen diese großformatigen Geschichten innerhalb der Reihe „Marvel Comic Exklusiv“, und gerade das erste Album dürfte vielen Fans noch in Erinnerung geblieben sein. Condor veröffentlichte darin nicht nur Spider-Man, sondern auch Thor, Hulk, die Fantastischen Vier, Silver Surfer, die Rächer, Wolverine, Conan und andere Marvel-Helden.
Panini holt nun drei dieser alten Bekannten zurück und stellt ihnen mit „Fear Itself“ noch eine weitere Graphic Novel zur Seite. Der entscheidende Unterschied zur damaligen Veröffentlichung ist natürlich die Präsentation: Hardcover, 272 Seiten am Stück und ein großzügiges Format von 20,5 × 31 Zentimetern.
Für Besitzer der alten Condor-Alben ist das also keine reine Sammlung unveröffentlichten Materials. Dafür bekommt man einige außergewöhnliche Spider-Man-Geschichten endlich gemeinsam in einer hochwertigen Ausgabe.


Hooky – Der Kampf der Hexenmeister
Marvel Graphic Novel 22: Amazing Spider-Man – Hooky (1986)

Autorin: Susan K. Putney
Zeichnungen: Bernie Wrightson
Deutsche Veröffentlichung:
Marvel Comic Exklusiv 1 – Die Spinne: Der Kampf der Hexenmeister

Condor Verlag, 1987
Gleich die erste Geschichte ist für ältere deutsche Marvel-Fans etwas Besonderes. „Hooky“ eröffnete 1987 als „Der Kampf der Hexenmeister“ die Condor-Reihe „Marvel Comic Exklusiv“.
Und was für ein Auftakt das damals war.
Spider-Man und Bernie Wrightson – das klingt zunächst nach einer ziemlich ungewöhnlichen Kombination. Wrightson verbindet man schließlich in erster Linie mit Horror. Er war gemeinsam mit Len Wein der Schöpfer von „Swamp Thing“, zeichnete unzählige fantastische und makabre Geschichten und schuf mit seinen unglaublich detaillierten „Frankenstein“-Illustrationen einige der beeindruckendsten Arbeiten seiner Karriere.
Genau deshalb funktioniert „Hooky“ so gut.
Susan K. Putney schickt Spider-Man nicht einfach gegen Green Goblin, Doctor Octopus oder einen anderen bekannten Gegner. Peter wird aus seiner gewohnten New Yorker Umgebung herausgerissen und landet in einer bizarren Fantasywelt.
Und dort darf Wrightson praktisch alles zeichnen, was ihm besonders liegt.
Monster, Hexenwesen, groteske Körper und fantastische Landschaften bestimmen die Seiten. Spider-Man wirkt inmitten dieser Welt mit seinem rot-blauen Kostüm beinahe wie ein Fremdkörper. Gerade daraus entsteht der besondere Reiz.
Erzählerisch ist „Hooky“ sicherlich keine der großen, charakterprägenden Spider-Man-Geschichten. Zeichnerisch ist sie dafür umso beeindruckender. Wrightson interpretiert Spider-Man vollkommen anders als die damals bekannten Zeichner der regulären Serien.
Wer das alte Condor-Album noch besitzt, wird sich wahrscheinlich schon beim Durchblättern an einzelne Bilder erinnern.
Und genau hier macht sich das große Format der neuen Panini-Ausgabe bezahlt. Wrightsons Zeichnungen brauchen Platz. Seine Monster, Schraffuren und Hintergründe kann man jetzt wieder in einer Größe genießen, die dieser Graphic Novel angemessen ist.
Ein wunderschönes Wiedersehen mit einer Geschichte, mit der für deutsche Leser 1987 die Reihe „Marvel Comic Exklusiv“ begann.


Parallel Lives – Mein Leben mit Mary Jane
Marvel Graphic Novel 46: Amazing Spider-Man – Parallel Lives (1989)

Autor: Gerry Conway
Zeichnungen: Alex Saviuk
Deutsche Veröffentlichung:
Marvel Comic Exklusiv 9 – Die Spinne: Mein Leben mit Mary Jane

Condor Verlag, 1990
Bei der zweiten Geschichte werden sich ebenfalls einige ältere Fans erinnern.
Condor veröffentlichte „Parallel Lives“ 1990 als „Mein Leben mit Mary Jane“ in Band 9 von „Marvel Comic Exklusiv“.
Und für mich ist dies erzählerisch die stärkste der vier Graphic Novels.
Gerry Conway erzählt keine gewöhnliche Spider-Man-Geschichte. Natürlich gibt es Superheldenelemente und Doctor Octopus spielt ebenfalls eine Rolle. Im Zentrum stehen aber zwei Menschen:
Peter Parker und Mary Jane Watson.
Conway verfolgt ihre Lebenswege zunächst getrennt voneinander. Wir erleben Peters Kindheit bei Ben und May Parker, seine Jugend, den Spinnenbiss und die Ereignisse, die ihn schließlich zu Spider-Man machen.
Parallel dazu sehen wir Mary Janes Leben.
Und gerade dieser Teil ist wichtig.
Denn Mary Jane wurde in den frühen Spider-Man-Comics gerne als unbekümmerte, lebenslustige Partyfrau präsentiert. Conway zeigt, was sich hinter dieser Fassade verbirgt. Auch MJ hat familiäre Probleme und Erfahrungen gemacht, die sie geprägt haben.
Das berühmte selbstbewusste Auftreten ist deshalb nicht einfach ihr Charakter, sondern teilweise auch ein Schutzmechanismus.
Besonders interessant ist die Erkenntnis, dass Mary Jane Peters Geheimnis viel früher kannte, als er selbst vermutete.
Damit bekommen zahlreiche bekannte Momente der Spider-Man-Historie nachträglich eine andere Bedeutung.
Alex Saviuk ist für eine solche Geschichte hervorragend geeignet. Sein Spider-Man sieht klassisch aus, ohne altmodisch zu wirken. Vor allem aber kann Saviuk Gesichter zeichnen.
Und das braucht diese Geschichte.
Hier entscheiden eben nicht nur Kämpfe und spektakuläre Netzschwingereien über die Wirkung einer Seite, sondern Peters und Mary Janes Reaktionen aufeinander.
Wer Spider-Man schon seit Jahrzehnten liest, bekommt außerdem immer wieder dieses angenehme Gefühl des Wiedererkennens. Viele wichtige Stationen aus Peters Leben tauchen auf, werden aber aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.
„Parallel Lives“ ist deshalb mehr als eine Zusammenfassung der Beziehung zwischen Peter und MJ.
Es ist im Grunde eine Liebeserklärung an diese beiden Figuren.
Und gerade wenn man bedenkt, wie oft Marvel ihre Beziehung in späteren Jahrzehnten verändert, getrennt und wieder neu definiert hat, besitzt die Geschichte heute fast noch mehr Reiz als 1989.
Für Condor-Leser bleibt sie natürlich „Mein Leben mit Mary Jane“.


Spirits of the Earth – Im Reich der Nebelgeister
Marvel Graphic Novel 63: Spider-Man – Spirits of the Earth (1990)

Text und Zeichnungen: Charles Vess
Deutsche Veröffentlichung:
Marvel Comic Exklusiv 13 – Die Spinne: Im Reich der Nebelgeister

Condor Verlag, 1991
Auch diese Geschichte ist ein alter Bekannter.
Condor veröffentlichte Charles Vess' Graphic Novel 1991 als Band 13 von „Marvel Comic Exklusiv“ unter dem wunderschönen deutschen Titel „Im Reich der Nebelgeister“.
Und wenn „Hooky“ schon ungewöhnlich war, setzt Charles Vess noch einen drauf.
Peter und Mary Jane verlassen New York und reisen nach Schottland. Eigentlich soll es eine romantische Reise werden. Doch schon bald gerät Peter in eine Welt aus alten Legenden, Geistern und keltischer Mythologie.
Spider-Man in den schottischen Highlands?
Das klingt zunächst fast so, als hätte man den falschen Helden in die Geschichte gesteckt.
Aber gerade das macht ihren Reiz aus.
Charles Vess ist kein typischer Superheldenzeichner. Seine große Liebe gehört der Fantasy, klassischen Märchen, Naturdarstellungen und mythologischen Welten. Später wurde er nicht zuletzt durch seine Arbeiten mit Neil Gaiman bekannt.
Bei „Spirits of the Earth“ übernimmt Vess Text und Zeichnungen selbst.
Dadurch wirkt die Graphic Novel ausgesprochen geschlossen. Hier schreibt niemand eine konventionelle Spider-Man-Geschichte, die anschließend von einem Fantasyzeichner illustriert wird. Vielmehr holt Vess Spider-Man vollständig in seine Welt.
Peter bewegt sich nicht zwischen Wolkenkratzern, sondern durch Wälder, Ruinen und nebelverhangene Landschaften.
Auch erzählerisch passt das hervorragend.
Peter Parker ist Wissenschaftler. Er möchte Dinge verstehen und rational erklären können. Doch plötzlich befindet er sich in einer Umgebung, in der Naturwissenschaften nicht auf jede Frage eine Antwort liefern.
Gerade dieses Aufeinanderprallen von Peter Parkers rationalem Weltbild und alter Mythologie macht die Geschichte interessant.
Vess' Seiten besitzen dabei einen vollkommen anderen Rhythmus als ein gewöhnliches Spider-Man-Heft. Landschaften bekommen Platz. Natur ist nicht bloß Hintergrund. Teilweise könnte man Spider-Man aus einem Panel entfernen und hätte immer noch eine wunderschöne Fantasyillustration vor sich.
Das muss man allerdings mögen.
Wer Spider-Man hauptsächlich wegen seiner Superschurken und Action liest, wird „Im Reich der Nebelgeister“ möglicherweise etwas langsam finden.
Wer sich dagegen auf Vess' märchenhafte Welt einlässt, bekommt eine der ungewöhnlichsten Spider-Man-Geschichten überhaupt.
Auch hier ist das Panini-Überformat ein echter Gewinn. Gerade Vess' detailreiche Landschaften wirken auf größeren Seiten wesentlich besser.
Für Besitzer des alten Condor-Bandes ist dies wahrscheinlich die Geschichte, bei der sich ein erneuter Kauf aufgrund der hochwertigeren Präsentation besonders lohnt.


Fear Itself
Marvel Graphic Novel 72: Spider-Man – Fear Itself (1992)

Story: Gerry Conway
Skript: Stan Lee
Zeichnungen: Ross Andru
Tusche: Mike Esposito
Nach drei Geschichten, die ältere deutsche Leser bereits aus den Condor-Alben kennen können, wird es bei „Fear Itself“ besonders interessant.
Hier begegnen sich gleich mehrere Generationen klassischer Spider-Man-Geschichte.
Gerry Conway entwickelte die Story, Stan Lee schrieb das Skript und Ross Andru zeichnete.
Allein diese drei Namen machen die Geschichte für einen Spider-Man-Fan interessant.
Stan Lee muss man kaum vorstellen. Gemeinsam mit Steve Ditko erschuf er Spider-Man und definierte über viele Jahre Peters Persönlichkeit.
Gerry Conway wiederum übernahm „Amazing Spider-Man“ bereits als sehr junger Autor und schrieb einige der berühmtesten Geschichten der Serie, darunter den Tod von Gwen Stacy.
Und Ross Andru gehörte über Jahre zu den wichtigsten Spider-Man-Zeichnern der 1970er.
In „Fear Itself“ trifft Spider-Man auf Silver Sable, und die Handlung führt ihn nach Deutschland. Im Mittelpunkt stehen gefährliche Kristalle und eine Baronin, die deren Macht für ihre eigenen Ziele einsetzen möchte.
Nach „Hooky“ und „Spirits of the Earth“ wirkt das beinahe schon wie die Rückkehr zum normalen Spider-Man.
Hier bekommen wir ein klassisches Superheldenabenteuer.
Action, ein exotischer Schauplatz, eine größere Bedrohung und Silver Sable als Partnerin – beziehungsweise als jemand, bei dem Peter nie ganz sicher sein kann, wie weit ihre Interessen tatsächlich mit seinen übereinstimmen.
Besonders viel Spaß macht dabei Stan Lees Dialogstil.
Natürlich klingt Spider-Man 1992 bei Lee etwas anders als bei den damaligen regulären Autoren. Genau das ist aber der Reiz. Plötzlich ist wieder dieser klassische Peter Parker da, der selbst in gefährlichen Situationen einen Spruch machen muss.
Ross Andru passt dazu perfekt.
Sein Spider-Man braucht keine übertriebenen Körperhaltungen oder gigantischen Augenlinsen. Er zeichnet ihn genauso, wie ihn viele Leser aus den 1970er-Jahren kennen.
Für Andru besitzt die Graphic Novel zudem eine gewisse Tragik. Sie gehört zu seinen späten Arbeiten; der Zeichner starb bereits 1993.
Damit wird „Fear Itself“ beinahe zu einem kleinen Abschiedsgruß einer klassischen Spider-Man-Generation.
Gerade nach den visuell sehr individuellen Beiträgen von Wrightson und Vess gefällt mir dieser Abschluss ausgesprochen gut. Er ist vielleicht nicht so außergewöhnlich wie „Hooky“ oder „Im Reich der Nebelgeister“, vermittelt dafür aber dieses wunderbare Gefühl, einen klassischen Spider-Man-Comic zu lesen.


Alte Condor-Bekannte in neuer Form
Für deutsche Sammler muss man den Inhalt des Panini-Bandes deshalb etwas anders bewerten, als ich es zunächst getan hatte.
Drei Geschichten haben eine deutsche Vergangenheit:
„Hooky“ erschien 1987 als „Der Kampf der Hexenmeister“, Marvel Comic Exklusiv 1.
„Parallel Lives“ folgte 1990 als „Mein Leben mit Mary Jane“, Marvel Comic Exklusiv 9.
„Spirits of the Earth“ erschien 1991 als „Im Reich der Nebelgeister“, Marvel Comic Exklusiv 13.
Wer damals schon Marvel gesammelt hat, könnte also drei Viertel des Materials bereits im Regal stehen haben.
Das empfinde ich aber keineswegs als Nachteil.
Im Gegenteil: Gerade deshalb besitzt diese Collection einen gewissen nostalgischen Charme.
Die alten Condor-Ausgaben waren typische Produkte ihrer Zeit. Für viele von uns waren genau diese Alben überhaupt die erste Gelegenheit, Marvel-Geschichten außerhalb der normalen Taschenbücher und Heftreihen in größerem Format zu erleben.
Jetzt liegen drei dieser Geschichten gemeinsam in einem hochwertigen Hardcover vor.

Vier Geschichten – vier völlig verschiedene Spider-Men
Die Zusammenstellung funktioniert besonders gut, weil keine der Geschichten der anderen gleicht.
Bernie Wrightson verwandelt „Hooky“ in ein groteskes Fantasy- und Monsterabenteuer.
Gerry Conway und Alex Saviuk machen aus „Parallel Lives“ eine Charakter- und Liebesgeschichte über Peter und Mary Jane.
Charles Vess führt Spider-Man mit „Spirits of the Earth“ in eine märchenhafte Welt aus keltischen Mythen und schottischen Landschaften.

Und Stan Lee, Gerry Conway und Ross Andru liefern mit „Fear Itself“ zum Abschluss noch einmal klassisches Spider-Man-Abenteuergefühl.
Zeichnerisch ist der Band dadurch ein kleines Fest.
Vor allem Bernie Wrightson und Charles Vess zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich Spider-Man aussehen kann, wenn man Künstler an die Figur lässt, die normalerweise nicht mit klassischen Superheldencomics verbunden werden.
Und genau dafür waren die Marvel Graphic Novels ursprünglich gedacht.
Mehr Seiten, ein größeres Format und mehr künstlerische Freiheit als bei einem monatlichen Heft.



Fazit
Paninis „Spider-Man: Die Graphic Novel Collection“ ist für langjährige deutsche Marvel-Leser keine Sammlung vergessener deutscher Erstveröffentlichungen – sondern vielmehr ein ausgesprochen schönes Wiedersehen.
Und vielleicht macht gerade das den Band für ältere Fans besonders sympathisch.
„Der Kampf der Hexenmeister“, „Mein Leben mit Mary Jane“ und „Im Reich der Nebelgeister“ – diese Titel wecken bei Condor-Sammlern Erinnerungen.
Man hat diese Alben damals einzeln gekauft, und zumindest bei mir gehören gerade solche großformatigen Condor-Ausgaben zu jener Marvel-Zeit, an die man sich gerne erinnert.

Jetzt bekommt man die Geschichten in einer hochwertigen Hardcover-Ausgabe gemeinsam präsentiert.
Dabei ist „Parallel Lives“ für mich erzählerisch das Highlight. Gerry Conway und Alex Saviuk erzählen Peter und Mary Jane mit einer Wärme und einem Verständnis für die Figuren, das auch Jahrzehnte später funktioniert.
Zeichnerisch würde ich dagegen kaum zwischen Wrightson und Vess wählen wollen.
Bernie Wrightsons „Hooky“ ist herrlich grotesk, während Charles Vess mit „Im Reich der Nebelgeister“ einen Spider-Man zeichnet, wie man ihn sonst kaum irgendwo zu sehen bekommt.

„Fear Itself“ wirkt dagegen fast konventionell – ist aber gerade wegen Stan Lee, Gerry Conway und Ross Andru ein wunderbarer Abschluss und zugleich ein Stück Spider-Man-Geschichte.
Das große Format von 20,5 × 31 Zentimetern ist für diese vier Graphic Novels genau richtig. Insbesondere Wrightson und Vess profitieren davon enorm.

Wer die drei alten Condor-Alben besitzt, kauft natürlich einen erheblichen Teil des Materials doppelt. Trotzdem halte ich die Neuanschaffung für gerechtfertigt, wenn man diese Geschichten gerne mag. Die gemeinsame Präsentation, das Hardcover und nicht zuletzt die Möglichkeit, Wrightson, Saviuk, Vess und Andru unmittelbar hintereinander zu erleben, geben dem Buch einen eigenen Wert.
Und für Leser, die die Condor-Zeit nicht selbst miterlebt haben, ist der Band ohnehin eine wunderbare Gelegenheit, vier Spider-Man-Geschichten kennenzulernen, die abseits der üblichen Green-Goblin-, Venom- und Kraven-Klassiker liegen.
Ein sehr schöner Band für Spider-Man-Fans – und für alte Condor-Sammler zusätzlich eine gehörige Portion Nostalgie.

Batman: Die Unsterbliche Legende von Batman

Batman: Die Unsterbliche Legende von Batman
Autor: Mat Groom, Kyle Higgins
Zeichner: Erica D’Urso, Dan Mora
Seitenzahl: 216
Format: 17 × 26 cm
Preis: 29,00 €
Storys: Immortal Legend Batman 1–6
Panini Verlags GmbH

Bei Batman hat man über die Jahrzehnte wirklich fast jede denkbare Variante gesehen. Vom klassischen Detektiv über Frank Millers kompromisslosen Dunklen Ritter bis zu Zeitreisen, alternativen Welten und kosmischen Abenteuern war eigentlich alles dabei. Trotzdem schaffen es Autoren gelegentlich noch, Bruce Wayne in eine Umgebung zu versetzen, die sich tatsächlich frisch anfühlt. Genau das versuchen Kyle Higgins und Mat Groom mit „Die Unsterbliche Legende von Batman“.

Wer hier allerdings eine klassische Gotham-Geschichte mit Joker, Pinguin oder Two-Face erwartet, dürfte sich zunächst verwundert die Augen reiben. Dieser Batman bewegt sich in einem ausgesprochen ungewöhnlichen Science-Fiction-Szenario, das mit dem vertrauten Gotham nur wenig gemeinsam hat. Higgins und Groom gehen dabei der Frage nach, was von Batman übrigbleibt, wenn man ihn von einem Großteil dessen trennt, was wir normalerweise mit der Figur verbinden.

Die Antwort steckt bereits im Titel: die Legende. Batman war schließlich immer mehr als Bruce Wayne in einem Fledermauskostüm. Bruce hat ganz bewusst ein Symbol erschaffen, das größer werden sollte als der Mann darunter. Kriminelle sollen nicht Bruce Wayne fürchten, sondern Batman. „Die Unsterbliche Legende“ treibt diesen Gedanken konsequent weiter und macht daraus ein großes Science-Fiction-Abenteuer.

Dabei sind Einflüsse aus Manga und Anime kaum zu übersehen. Das passt zu Kyle Higgins, der schon mit „Radiant Black“ gezeigt hat, wie gerne er amerikanische Superheldenkonzepte mit japanischen Einflüssen verbindet. Es gibt gewaltige Gegner, fantastische Welten und entsprechend große Actionszenen. Stellenweise ist man damit sehr weit von jener Batman-Atmosphäre entfernt, bei der Bruce nachts auf einem Gargoyle sitzt und auf das Bat-Signal blickt.

Das wird sicherlich nicht jedem gefallen. Ich habe mit solchen Experimenten allerdings kein Problem, solange die Autoren den Charakter der Figur nicht vergessen. Und trotz aller Veränderungen erkennt man Batman immer wieder. Sein Wille, seine strategische Denkweise und vor allem seine beinahe schon krankhafte Weigerung aufzugeben bleiben erhalten. Für mich ist genau das entscheidend. Man kann Batman ins Weltall, ins Mittelalter oder Jahrtausende in die Zukunft schicken – solange man versteht, was Bruce Wayne antreibt, kann die Figur funktionieren.

Zeichnerisch macht der Band einiges her. Erica D’Urso liefert eine moderne und ausgesprochen dynamische Optik, die sehr gut zu diesem Science-Fiction-Szenario passt. Die Action besitzt Tempo, ohne vollkommen unübersichtlich zu werden. Dan Mora ist ohnehin ein Name, bei dem ich inzwischen automatisch genauer hinschaue. Spätestens mit „Batman/Superman: World’s Finest“ hat er sich für mich in die erste Liga der aktuellen DC-Zeichner gearbeitet. Sein klarer, dynamischer Stil verbindet klassische Superheldenoptik mit moderner Inszenierung, ohne Figuren zu überzeichnen.

„Batman: Die Unsterbliche Legende“ ist damit definitiv kein Batman-Comic für Leser, die ausschließlich bodenständige Kriminalgeschichten aus Gotham suchen. Wer Batman am liebsten als Detektiv gegen Serienkiller, Gangster und die klassischen Mitglieder seiner Schurkengalerie erlebt, bekommt hier etwas vollkommen anderes. Aber genau darin liegt für mich der Reiz des Bandes. Higgins und Groom versuchen nicht, zum hundertsten Mal eine neue Joker-Geschichte zu erzählen, sondern fragen, wie weit sich die Idee Batman eigentlich tragen lässt.

Nicht alles funktioniert für mich gleich gut. Manchmal ist mir das Spektakel etwas zu groß und Bruce Wayne selbst kommt gegenüber dem Mythos Batman ein wenig zu kurz. Trotzdem ist mir ein solcher Versuch lieber als eine weitere Geschichte, die lediglich bekannte Motive neu zusammensetzt. Zeichnerisch überzeugt der Band ohnehin, und gerade Dan Mora ist einmal mehr eine Klasse für sich.

Fazit: Kein neuer „Long Halloween“, kein „Killing Joke“ und auch kein Comic, der versucht, einer dieser Klassiker zu sein. Stattdessen bekommt man eine eigenständige Science-Fiction-Interpretation des Dunklen Ritters, auf die man sich einlassen muss. Wer Batman gerne auch einmal weit außerhalb Gothams erlebt, bekommt ein ungewöhnliches und optisch starkes Abenteuer.

Spider-Man Noir Collection

Spider-Man Noir Collection
Autoren: Fabrice Sapolsky, David Hine, Roger Stern
Zeichner: Carmine Di Giandomenico, Richard Isanove, Bob McLeod u. a.
Seitenzahl: 256
Preis: 36,00 €
Enthält:
Spider-Man Noir (2009) 1–4
Spider-Man Noir: Eyes Without a Face 1–4
Edge of Spider-Verse 1
Spider-Verse Team-Up 1 (II)
Spider-Geddon: Spider-Man Noir Video Comic
Panini Verlags GmbH


Ich gebe zu: Bei den ganzen alternativen Spider-Men, die Marvel inzwischen hervorgebracht hat, kann man schon einmal den Überblick verlieren. Spider-Gwen, Spider-Punk, Spider-Man 2099, Spider-Ham und unzählige weitere Varianten bevölkern inzwischen das Spider-Verse. Manche davon funktionieren hervorragend, andere hätte man meiner Meinung nach nach ihrem ersten Auftritt auch wieder vergessen können.

Spider-Man Noir gehört für mich eindeutig zur ersten Kategorie.

Das liegt sicherlich auch daran, dass ich die Figur schon lange vor ihren Auftritten in den großartigen „Spider-Verse“-Kinofilmen kannte. Und wer dort zum ersten Mal Bekanntschaft mit Spider-Man Noir gemacht hat, dürfte sich beim Lesen dieser Collection wundern.
Denn dieser Peter Parker ist kein liebenswerter Schwarzweiß-Detektiv, der Probleme mit einem Rubik-Würfel hat.
Seine Welt ist düster, brutal und ausgesprochen hoffnungslos.
Wir befinden uns im New York der frühen 1930er-Jahre. Die Große Depression hat das Land im Griff. Menschen hungern, Arbeiter kämpfen ums Überleben, Korruption gehört zum Alltag und organisierte Kriminalität besitzt teilweise mehr Macht als die Polizei.
Und mitten in dieser Welt entsteht Spider-Man.

Spider-Man Noir 1–4
David Hine/Fabrice Sapolsky – Carmine Di Giandomenico

Bereits auf Deutsch:
Marvel Noir 1 – Spider-Man, Panini 2010
später erneut in der Spider-Man Noir Collection, Panini 2021

Für mich sind die ersten vier Hefte noch immer der Höhepunkt dieses Bandes.
Das liegt vor allem daran, dass Hine und Sapolsky verstanden haben, was eine alternative Version eines bekannten Helden interessant macht.
Es reicht eben nicht, Peter Parker einfach ein schwarzes Kostüm anzuziehen und die Handlung ins Jahr 1933 zu verlegen.
Die Autoren nehmen praktisch sämtliche Bestandteile der klassischen Spider-Man-Geschichte auseinander und überlegen, wie sie unter vollkommen anderen gesellschaftlichen Bedingungen funktionieren würden.
Peter wächst auch hier bei Tante May und Onkel Ben auf. Aber bereits May Parker unterscheidet sich deutlich von der uns vertrauten Figur. Sie engagiert sich politisch und kämpft gegen soziale Ungerechtigkeit.
Auch Peter ist anders.
Natürlich erkennt man Peter Parker in ihm wieder. Sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn ist vorhanden, ebenso seine Wut darüber, wenn Schwächere ausgenutzt werden. Doch dieser Peter lebt in einer Welt, in der Recht und Gerechtigkeit zwei völlig verschiedene Dinge sind.
Und deshalb ist er härter.
Eine besonders wichtige Rolle übernimmt Ben Urich, der für Peter beinahe zu einer zweiten Vaterfigur wird. Allerdings ist auch Urich kein strahlender Held. Er kennt die Abgründe dieser Stadt und ist selbst tiefer darin verstrickt, als Peter zunächst ahnt.
Und dann ist da Norman Osborn.
Ich mag diese Interpretation des Green Goblin ausgesprochen gerne.
Keine Kürbisbomben. Kein Gleiter. Kein grünes Koboldkostüm.
Osborn ist ein Gangsterboss.
Und genau das reicht vollkommen.
Um ihn herum versammeln sich Noir-Versionen bekannter Spider-Man-Gegner, darunter Kraven, Chameleon und ein wirklich unangenehmer Vulture.
Gerade beim Vulture wird deutlich, dass die Autoren keinerlei Interesse daran haben, einfach die normalen Superschurken in 1930er-Kostüme zu stecken. Dieser Adrian Toomes ist eine richtig widerliche Kreatur und seine Verbindung zu Onkel Ben ist wesentlich brutaler als alles, was man aus der klassischen Entstehungsgeschichte kennt.
Auch Peters Verwandlung zum Spider-Man wird neu interpretiert und bekommt eine mystische Komponente.
Das funktioniert erstaunlich gut.
Normalerweise bin ich kein großer Freund davon, Spider-Mans Kräfte unnötig mystisch zu erklären. Peter Parker ist für mich immer auch eine Figur, die stark mit Wissenschaft verbunden ist. Innerhalb dieser Geschichte passt es aber zur düsteren Pulp-Atmosphäre.
Und dann kommt Carmine Di Giandomenico.
Für mich ist er der eigentliche Star der ersten acht Hefte.
Sein New York ist dreckig, nass, dunkel und gefährlich. Man glaubt praktisch, den Regen auf dem Asphalt riechen zu können.
Spider-Mans Kostüm ist großartig.
Mantel, Maske, Fliegerbrille – es sieht improvisiert aus und gleichzeitig so, als könnte dieses Kostüm tatsächlich aus den 1930er-Jahren stammen.
Vor allem aber nutzt Di Giandomenico Schatten.
Spider-Man springt hier nicht permanent bei strahlendem Sonnenschein zwischen bunten Hochhäusern herum. Er kommt aus der Dunkelheit.
Manchmal sieht man zunächst nur die Augen.
Das hat fast etwas von Batman, ohne dass Spider-Man dabei seine eigene Identität verliert.
Eine richtig starke erste Miniserie.

Spider-Man Noir: Eyes Without a Face 1–4
David Hine/Fabrice Sapolsky – Carmine Di Giandomenico

Bereits auf Deutsch:
Marvel Noir 6 – Spider-Man 2, Panini 2010
später erneut in der Spider-Man Noir Collection, Panini 2021

Und dann kommt der zweite Vierteiler.
Den finde ich persönlich sogar noch besser.
Bei der ersten Miniserie mussten Hine und Sapolsky zwangsläufig viel erklären. Wie sieht diese Welt aus? Wer ist dieser Peter Parker? Wie wird er Spider-Man? Wer ist Norman Osborn?
Das alles fällt jetzt weg.
Wir kennen diese Welt.
Und deshalb können die Autoren richtig loslegen.
Nach Osborns Ende ist New York natürlich keineswegs plötzlich ein besserer Ort geworden. Das entstandene Machtvakuum lockt sofort andere Kriminelle an.
Gleichzeitig bekommen wir eine neue Interpretation von Doctor Octopus.
Und die hat es in sich.
Otto Octavius gehört zu meinen Lieblingsgegnern von Spider-Man. Gerade deshalb finde ich es immer schwierig, wenn alternative Universen bekannte Figuren bis zur Unkenntlichkeit verändern.
Hier funktioniert es aber.
Dieser Octavius ist auf eine ganz andere Art monströs.
Die Autoren greifen die Eugenikbewegung der damaligen Zeit auf und verbinden sie mit rassistischen Vorstellungen und menschenverachtenden Experimenten.
Dadurch wird aus Doctor Octopus kein bunter Superschurke, sondern ein Mann, bei dem man sich unangenehmerweise vorstellen kann, dass eine vergleichbare Person damals tatsächlich existiert haben könnte.
Und genau das macht ihn so erschreckend.
Auch Sandman wird komplett neu interpretiert.
Wieder keine einfache Übertragung seiner bekannten Superkräfte. Flint Marko funktioniert innerhalb dieser Welt, ohne dass jemand erklären müsste, warum plötzlich ein Mann aus Sand durch das New York der 1930er läuft.
Das ist für mich eine der größten Stärken von Spider-Man Noir.
Die Autoren fragen nicht: Wie bekommen wir diesen Superschurken in die 1930er-Jahre?
Sondern: Wie würde eine Figur mit diesem Charakter in dieser Welt aussehen?
Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Besonders wichtig wird außerdem Felicia Hardy.
Auch sie ist natürlich eine Figur, die wir aus dem normalen Marvel-Universum bestens kennen. Aber diese Felicia ist nicht einfach Black Cat mit einem Kleid aus den Dreißigern.
Ihre Beziehung zu Peter entwickelt sich tragisch und verleiht der Geschichte eine emotionale Ebene, die mir ausgesprochen gut gefällt.
„Eyes Without a Face“ ist insgesamt härter und politischer als der erste Vierteiler.
Und wieder sehen die Zeichnungen von Carmine Di Giandomenico fantastisch aus.
Wenn ich aus diesem Band nur eine Geschichte auswählen müsste, wäre es wahrscheinlich diese.

Edge of Spider-Verse 1
David Hine – Fabrice Sapolsky/Richard Isanove

Bereits auf Deutsch:
Spider-Man: Spider-Verse Sonderband 1, Panini 2015
später Spider-Man Noir Collection, Panini 2021

Vier Jahre später tauchte Spider-Man Noir im Vorfeld von „Spider-Verse“ wieder auf.
Darüber habe ich mich damals gefreut.
Vor allem, weil David Hine zurückkehrte und die Figur deshalb nicht plötzlich vollkommen anders geschrieben wurde.
Wir sehen, wie sich Peter und Felicia nach den Ereignissen der zweiten Miniserie entwickelt haben. Gerade diese Szenen gefallen mir ausgesprochen gut, weil sie tatsächlich an die alten Geschichten anknüpfen.
Dann beginnt allerdings das Spider-Verse.
Und hier bin ich etwas zwiegespalten.
Ich mag „Spider-Verse“. Die Grundidee, Spider-Men aus unzähligen Universen zusammenzubringen, macht einfach Spaß.
Aber Spider-Man Noir verliert dadurch zwangsläufig etwas.
In seiner eigenen Serie ist er Spider-Man.
Seine gesamte Welt funktioniert nach Noir-Regeln.
Sobald er neben einem Dutzend anderer Spider-Men steht, ist er plötzlich nur noch der Spider-Man aus den 1930ern.
Das ist natürlich immer noch unterhaltsam, aber die besondere Atmosphäre der ersten beiden Miniserien kann dabei nicht erhalten bleiben.
Trotzdem gehört das Heft unbedingt in diese Collection.
Es ist das Bindeglied zwischen dem ursprünglichen Spider-Man Noir und jener Version, die durch das Spider-Verse schließlich weltbekannt wurde.

Spider-Verse Team-Up 1 – zweite Geschichte
Roger Stern – Bob McLeod

Bereits auf Deutsch:
Spider-Man: Spider-Verse Sonderband 2, Panini 2015
später Spider-Man Noir Collection, Panini 2021

Allein Roger Stern macht diese Geschichte für mich interessant.
Stern gehört für mich zu den großen Spider-Man-Autoren. Seine Geschichten aus den frühen 1980er-Jahren habe ich immer ausgesprochen gerne gelesen, und mit dem Hobgoblin hat er einen Gegner geschaffen, der über Jahre hinweg für einige der spannendsten Spider-Man-Geschichten sorgte.
Zusammen mit Bob McLeod erzählt Stern hier eine kurze Spider-Verse-Geschichte.
Und die macht Spaß.
Mehr sollte man allerdings auch nicht erwarten.
Die Tiefe der ersten beiden Noir-Miniserien kann eine solche Team-up-Geschichte natürlich nicht erreichen.
Hier geht es um das Zusammentreffen verschiedener Spider-Man-Versionen und genau als solches funktioniert die Episode.
Gerade wenn man die Collection chronologisch liest, merkt man aber deutlich, wie sehr sich die Figur verändert hat.
Aus dem düsteren Pulp-Helden ist inzwischen ein Mitglied der großen Spider-Familie geworden.
Das ist nicht unbedingt schlechter.
Aber anders.


Spider-Geddon: Spider-Man Noir Video Comic
Deutsche Veröffentlichung:
bereits enthalten in der Spider-Man Noir Collection, Panini 2021

Zum Abschluss bekommen wir noch den kurzen „Spider-Geddon: Spider-Man Noir Video Comic“.
Hier sollte man keine weitere große Noir-Geschichte erwarten.
Es ist eher ein Bonus und Bindeglied zum späteren „Spider-Geddon“-Ereignis.
Als Einzelgeschichte wäre mir das wahrscheinlich zu wenig.
Innerhalb dieser Collection gehört der Beitrag aber dazu. Wenn Panini schon diese Phase von Spider-Man Noir möglichst vollständig sammelt, möchte ich als Fan solche kleinen Geschichten ebenfalls dabei haben.
Lieber vollständig als irgendwann feststellen, dass irgendwo noch fünf oder zehn Seiten fehlen.

Fazit
Ich mag Spider-Man Noir.
Und nach dem erneuten Lesen dieser Geschichten weiß ich auch wieder genau, warum.
Vor allem die ersten acht Hefte von David Hine, Fabrice Sapolsky und Carmine Di Giandomenico sind richtig gut.
Die erste Miniserie nimmt Spider-Mans bekannte Entstehungsgeschichte und zerlegt sie vollständig, ohne dabei zu vergessen, was Peter Parker eigentlich ausmacht.
„Eyes Without a Face“ setzt sogar noch einen drauf. Die Geschichte ist düsterer, politischer und teilweise ausgesprochen unangenehm. Besonders die neue Interpretation von Doctor Octopus gefällt mir hervorragend.
Und dann ist da Carmine Di Giandomenico.
Seine Zeichnungen sind für mich das große Highlight dieses Bandes.
Dieses dreckige New York, die tiefen Schatten, Peters Fliegerbrille, der Mantel – genauso muss Spider-Man Noir aussehen.
Die späteren Spider-Verse-Geschichten erreichen dieses Niveau für mich nicht mehr ganz. Sie sind unterhaltsam und gehören selbstverständlich in eine vollständige Sammlung, aber Spider-Man Noir funktioniert für mich am besten in seiner eigenen Welt.
Zwischen zwanzig verschiedenen Spider-Men ist er eine interessante Variante.
In seinem eigenen New York der 1930er-Jahre ist er dagegen eine faszinierende Hauptfigur.
Für Neueinsteiger ist die Collection deshalb eine klare Empfehlung. Man bekommt die Entstehung und die wichtigsten frühen Auftritte der Figur in einem Band und kann ihre Entwicklung vom düsteren Pulp-Helden zum Mitglied des Spider-Verse verfolgen.


Supergirl The World

Supergirl The World
Autor: U.A., Yann Krehl
Zeichner: Marie Sann, u.a.
Seitenzahl: 168
Format: 17X26
20,00 €
ISBN: 9783741652035
Storys: Supergirl: The World
Panini Verlags GmbH

Mit „Supergirl – The World“ reiht sich Kara Zor-El in Paninis internationale Anthologie-Reihe ein. Kreative aus zahlreichen Ländern erzählen eigenständige Geschichten über die berühmteste Heldin von Krypton und zeigen dabei, wie unterschiedlich Supergirl rund um den Globus interpretiert werden kann.

Das Konzept erinnert an frühere Bände über Batman, Joker oder Superman und funktioniert erneut erstaunlich gut. Statt einer durchgehenden Handlung erwarten den Leser zahlreiche Kurzgeschichten, die völlig unterschiedliche Facetten der Figur beleuchten. Mal geht es um klassische Heldentaten, mal um persönliche Selbstzweifel oder den schwierigen Spagat zwischen menschlichem Alltag und außerirdischer Herkunft.

Für deutsche Leser besonders interessant ist der Beitrag von Yann Krehl und Marie Sann. Beide beweisen eindrucksvoll, dass auch deutsche Comic-Künstler international problemlos mithalten können. Marie Sanns dynamischer Zeichenstil sorgt dabei für einen der optischen Höhepunkte des gesamten Bandes.

Naturgemäß schwankt die Qualität der einzelnen Episoden etwas. Manche Geschichten bleiben aufgrund ihres geringen Umfangs eher Momentaufnahmen, andere entwickeln überraschend viel emotionale Tiefe. Gerade diese stilistische Vielfalt macht aber den besonderen Reiz der Anthologie aus.

Auch grafisch bietet der Band eine enorme Bandbreite unterschiedlichster Zeichenstile – von klassisch amerikanisch bis hin zu europäischen und asiatischen Einflüssen. Dadurch entsteht ein abwechslungsreiches Gesamtbild, das die internationale Bedeutung der Figur eindrucksvoll unterstreicht.

Bewertung: Eine gelungene Anthologie, die Supergirl aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Nicht jede Geschichte ist ein Volltreffer, insgesamt aber eine spannende Hommage an eine der sympathischsten Heldinnen des DC-Universums.

Punisher Splatter-Ausgabe

Punisher Splatter-Ausgabe
Autor: Benjamin Percy
Zeichner: Julius Ohta
Seitenzahl: 120
Format: 17X26
16,00 €
ISBN: 9783741646997
Storys: Punisher Red Band (2025) 1-5
Panini Verlags GmbH

Mit „Punisher: Red Band“ erhält Frank Castle eine Veröffentlichung, die ihrem Namen alle Ehre macht. Autor Benjamin Percy, bekannt durch seine Arbeiten an Wolverine, Ghost Rider und X-Force, nutzt die neue Red-Band-Linie von Marvel konsequent aus und erzählt eine kompromisslose Geschichte voller brutaler Gewalt, die sich klar an ein erwachsenes Publikum richtet. Zeichner Julius Ohta setzt diese kompromisslose Ausrichtung mit beeindruckender Intensität um.

Frank Castle befindet sich einmal mehr auf seinem gnadenlosen Rachefeldzug gegen die organisierte Kriminalität. Percy konzentriert sich dabei auf das Wesentliche: den Punisher als kompromisslose Ein-Mann-Armee, deren moralischer Kompass längst jede Grauzone hinter sich gelassen hat. Wer tiefgründige philosophische Diskussionen erwartet, wird hier nicht fündig – stattdessen dominiert kompromisslose Action.

Die Gewalt ist außergewöhnlich explizit und geht deutlich über das hinaus, was man aus regulären Marvel-Comics kennt. Abgetrennte Gliedmaßen, Einschusswunden und blutige Nahkämpfe werden ohne Beschönigung gezeigt. Dennoch wirkt die Brutalität nie selbst zweckhaft, sondern unterstreicht den kompromisslosen Charakter Frank Castles.

Julius Ohtas Zeichnungen gehören zu den größten Stärken des Bandes. Seine dynamischen Bildkompositionen verleihen jeder Actionszene enorme Wucht, während die detaillierte Mimik den wenigen ruhigeren Momenten zusätzliche Intensität verleiht. Gerade die Verbindung aus realistischer Anatomie und filmischer Inszenierung sorgt dafür, dass der Comic fast wie ein harter Actionfilm auf Papier wirkt.

Inhaltlich erfindet Percy den Punisher zwar nicht neu, trifft aber den Kern der Figur hervorragend. Frank Castle bleibt eine tragische Gestalt, deren Krieg niemals endet und die längst selbst zu dem geworden ist, was sie eigentlich bekämpft.

Bewertung: Eine kompromisslose Punisher-Geschichte für erwachsene Leser. Brutal, rasant und hervorragend gezeichnet. Wer Frank Castle in seiner härtesten Form erleben möchte, bekommt hier genau das, was der Titel verspricht.

Batman - Gotham by Gaslight - Eine Liga für Gerech

Batman - Gotham by Gaslight - Eine Liga für Gerechtigkeit
Autor: Andy Diggle
Zeichner: Leandro Fernandez
Seitenzahl: 216
Format: 17X26
29,00 €
ISBN: 9783741648786
Storys: Batman: Gotham by Gaslight: A League for Justice 1–6
Panini Verlags GmbH

Dieses Elseworlds-Abenteuer verbindet viktorianische Steampunk-Atmosphäre mit klassischer Superhelden-Action – und das überraschend erfolgreich. Andy Diggle erweitert das bekannte „Gotham by Gaslight“-Universum um zahlreiche DC-Helden und erschafft daraus eine düstere Alternativwelt voller Intrigen, Revolutionen und Abenteuer.

Die größte Stärke des Comics liegt in seinem Worldbuilding. Gotham wirkt wie eine Mischung aus industrieller Revolution, Sherlock-Holmes-Krimi und düsterem Abenteuerroman. Batman ist hier weniger Hightech-Vigilant als vielmehr ein maskierter Detektiv und Kämpfer gegen gesellschaftliche Korruption.

Leandro Fernandez’ Zeichnungen tragen enorm zur Stimmung bei. Seine detailreichen Hintergründe, der rauchige Stil und die düsteren Farbwelten verleihen der Geschichte eine glaubwürdige viktorianische Atmosphäre. Besonders gelungen sind die Neuinterpretationen bekannter Figuren wie Wonder Woman, Superman oder Green Lantern im Steampunk-Look.

Die Handlung selbst bietet solide Unterhaltung mit politischen Untertönen, Verschwörungen und actionreichen Konflikten. Nicht jede Figur erhält genug Tiefe, da der Band sehr viele Charaktere integrieren möchte, doch insgesamt funktioniert das Ensemble erstaunlich gut.

Fans alternativer Batman-Geschichten kommen hier voll auf ihre Kosten. „Eine Liga für Gerechtigkeit“ ist kein philosophisches Meisterwerk, aber ein hervorragend inszeniertes Abenteuer mit großartiger Atmosphäre und einer kreativen Neuinterpretation des DC-Universums.

DC Must-Have - Batman & Superman - Supergirl

DC Must-Have - Batman & Superman - Supergirl
Autor: Jeph Loeb
Zeichner: Michael Turner
Seitenzahl: 168
Format: 17X26
27,00 €
ISBN: 9783741648731
Storys: Superman/Batman 8-13
Panini Verlags GmbH

Jeph Loebs „Supergirl“ gehört zu den prägendsten Superman/Batman-Geschichten der 2000er-Jahre. Der Band erzählt die Rückkehr von Kara Zor-El ins DC-Universum und verbindet klassische Superhelden-Mythologie mit spektakulärer Action.

Loeb setzt stark auf große Emotionen und ikonische Momente. Die Dynamik zwischen Batman, Superman und Wonder Woman funktioniert hervorragend. Besonders interessant ist Batmans Misstrauen gegenüber Kara, während Superman sofort Hoffnung in ihr sieht. Diese unterschiedlichen Sichtweisen verleihen der Geschichte Spannung.

Visuell ist der Comic ein echtes Highlight. Michael Turners Zeichenstil war prägend für eine ganze Ära von Superheldencomics: dynamische Figuren, epische Splashpages und ein cineastischer Look. Seine Darstellung von Supergirl machte die Figur sofort wieder populär und ikonisch.

Die Story selbst ist manchmal etwas bombastisch und stark auf Spektakel ausgelegt. Inhaltlich erreicht sie nicht immer die Tiefe anderer Superman-Geschichten, dafür liefert sie jedoch hervorragendes Popcorn-Kino in Comicform. Action, Dramatik und große Superheldenmomente stehen klar im Vordergrund.

Als Einstieg in moderne Supergirl-Geschichten funktioniert der Band ausgezeichnet. Gleichzeitig ist er ein wichtiges Zeitdokument der frühen 2000er im Superheldengenre.

Supergirl Anthologie

Supergirl Anthologie
Autor: Cary Bates, Cary Burkett, Otto Binder, Paul Kupperberg, U. A., Jerry Siegel, Peter David, Roger Stern
Zeichner: Al Plastino, Art Saaf, Jim Mooney, Carmine Infantino, Curt Swan, Gary Frank, Jim Aparo, June Brigman, u.a.
Seitenzahl: 384
Format: 18.3X27.7
39,00 €
ISBN: 9783741648823
Storys: Action Comics 252, Superboy 80, Action Comics 291, Supergirl (1972) 1, Supergirl (1982) 1, Supergirl (1982) 19, Supergirl (1996) 1, Supergirl: Rebirth 1 u. a.
Panini Verlags GmbH


Die „Supergirl Anthologie“ ist weit mehr als nur eine Sammlung alter Geschichten – sie ist eine Reise durch die Entwicklung einer der wichtigsten Heldinnen des DC-Universums. Von den frühen Silver-Age-Abenteuern bis zu modernen Interpretationen zeigt der Band eindrucksvoll, wie sich Kara Zor-El und gleichzeitig das gesamte Superheldengenre verändert haben.

Der historische Einstieg mit „Action Comics #252“ markiert Supergirls ersten Auftritt. Hier wird Kara als Cousine Supermans eingeführt, die auf der Erde ihre neue Heimat finden muss. Die frühen Geschichten besitzen den typischen Silver-Age-Charme: fantasievoll, teilweise naiv und voller verrückter Ideen. Gleichzeitig zeigen sie bereits Karas zentrales Thema – die Suche nach Identität und Zugehörigkeit.

Spätere Geschichten entwickeln die Figur zunehmend weiter. Besonders interessant ist, wie sich Supergirl vom „weiblichen Superman“ zu einer eigenständigen Heldin entwickelt. Immer stärker rücken ihre eigenen Konflikte und Erfahrungen in den Mittelpunkt.

Die Geschichten aus den 70er- und 80er-Jahren zeigen eine deutlich erwachsenere Interpretation der Figur. Kara kämpft nicht mehr nur gegen Superschurken, sondern auch gegen Einsamkeit, Verantwortung und den Wunsch nach Unabhängigkeit. Gerade diese Entwicklung macht die Anthologie so spannend.

Ein Höhepunkt ist außerdem Peter Davids moderne Interpretation aus den 90er-Jahren. Diese Version von Supergirl unterscheidet sich stark von früheren Inkarnationen und zeigt, wie flexibel die Figur interpretiert werden kann.

Auch zeichnerisch bietet der Band eine beeindruckende Zeitreise. Von den klaren, farbenfrohen Silver-Age-Seiten bis zu modernen, detailreichen Illustrationen erkennt man die Evolution des gesamten Mediums.

Natürlich schwankt die Qualität einzelner Geschichten. Manche frühe Episoden wirken heute sehr simpel oder stark ihrer Zeit verhaftet. Dennoch liegt gerade darin der Reiz der Sammlung. Die Anthologie dokumentiert nicht nur die Entwicklung einer Figur, sondern auch die Geschichte amerikanischer Superheldencomics insgesamt.

Für Leser mit Interesse an Comicgeschichte ist dieser Band deshalb besonders wertvoll. Gleichzeitig bietet er genug emotionale und spannende Geschichten, um auch moderne Leser gut zu unterhalten.

Spider-Man - Brand New Day

Spider-Man - Brand New Day
Autor: Marc Guggenheim, Dan Slott
Zeichner: Salvador Larroca, Steve Mcniven
Seitenzahl: 176
Format: 17X26
24,00 €
ISBN: 9783741649271
Storys: Amazing Spider-Man 546–551, Free Comic Book Day 2007 (Spider-Man)
Panini Verlags GmbH

„Brand New Day“ markiert einen der umstrittensten, aber zugleich wichtigsten Neustarts in der Geschichte von Spider-Man. Nach den Ereignissen von „One More Day“ wird Peter Parkers Leben zurückgesetzt: keine Ehe mit Mary Jane, ein jüngerer Status quo und mehr Fokus auf klassische Spider-Man-Abenteuer.

Der Band schafft es erstaunlich gut, den Geist der frühen Spider-Man-Comics wiederzubeleben. Peter kämpft mit Geldproblemen, chaotischem Privatleben und alltäglichen Schwierigkeiten – genau jene Elemente, die Spider-Man einst so beliebt machten.

Marc Guggenheim und Dan Slott liefern abwechslungsreiche Geschichten mit viel Humor, Action und sympathischer Figurenzeichnung. Besonders Slott zeigt bereits hier sein Gespür für kreative Spider-Man-Abenteuer.

Die Zeichnungen von Salvador Larroca und Steve McNiven sind modern, dynamisch und sehr detailreich. Actionsequenzen wirken kinetisch und lebendig, während die emotionalen Momente genug Raum erhalten.

Trotz vieler Stärken bleibt der Schatten von „One More Day“ präsent. Manche Leser werden den Verlust der Ehe zwischen Peter und Mary Jane nie akzeptieren. Betrachtet man „Brand New Day“ jedoch unabhängig davon, erhält man einen sehr unterhaltsamen Neustart mit klassischem Spider-Man-Gefühl

Bat-Man - Second Knight 1

Bat-Man - Second Knight 1
Autor: Dan Jurgens
Zeichner: Mike Perkins
Seitenzahl: 56
Format: 24.5X31.5
16,00 €
ISBN: 9783741648861
Storys: Bat-Man: Second Knight 1
Panini Verlags GmbH

„Second Knight“ ist keine typische Batman-Geschichte. Dan Jurgens erzählt hier eine düstere Noir-Erzählung, die stark an klassische Kriminalfilme und pulpige Detektivliteratur erinnert.

Die Geschichte spielt in einer frühen Phase von Batmans Karriere. Bruce Wayne ist noch nicht die perfekte Legende, sondern ein Mann, der versucht, seinen Platz zwischen Rache, Gerechtigkeit und Selbstzerstörung zu finden. Genau diese Unsicherheit macht die Figur hier besonders interessant.

Der erste Band konzentriert sich stark auf Atmosphäre und Spannungsaufbau. Statt permanenter Action entwickelt sich die Handlung langsam und kontrolliert. Verbrechen, Korruption und psychologische Konflikte stehen im Mittelpunkt. Batman wirkt weniger wie ein Superheld und mehr wie ein obsessiver Ermittler.

Besonders gelungen ist die düstere Darstellung Gothams. Die Stadt erscheint fast lebendig – voller Schatten, Gewalt und moralischem Verfall. Jeder Schauplatz vermittelt das Gefühl einer Welt, die kurz vor dem Zusammenbruch steht.

Mike Perkins liefert herausragende Zeichnungen ab. Seine Panels sind voller dunkler Kontraste und filmischer Perspektiven. Gesichter wirken realistisch und erschöpft, wodurch die Geschichte eine fast greifbare Intensität erhält. Im großen Prestigeformat entfalten die Zeichnungen enorme Wirkung.

Die Handlung selbst setzt stark auf psychologische Spannung. Batman kämpft nicht nur gegen äußere Gegner, sondern auch gegen seine eigenen Zweifel. Dadurch wirkt die Geschichte deutlich erwachsener und introspektiver als viele klassische Superheldencomics.

„Second Knight“ ist deshalb weniger ein actionorientierter Mainstream-Comic als vielmehr eine stilvolle Charakterstudie mit Noir-Einschlag.

Conan - Im Zeichen der Schlange

Conan - Im Zeichen der Schlange
Autor: Jim Zub
Zeichner: Ivan Gil
Seitenzahl: 120
Format: 17X26
16,00
ISBN: 9783741649530
Storys: Conan the Barbarian: Scourge of the Serpent 1–4, Conan the Barbarian Free Comic Book Day (2025) 1
Panini Verlags GmbH

Jim Zubs Conan-Serie gehört zu den stärksten modernen Interpretationen der Figur – und „Im Zeichen der Schlange“ zeigt eindrucksvoll warum. Die Geschichte verbindet brutale Sword-and-Sorcery-Action mit düsterem Horror und klassischer Abenteuerfantasy.

Im Mittelpunkt steht Conan auf einer Reise durch eine Welt voller Schlangenkulte, uralter Magie und tödlicher Intrigen. Schon früh wird klar, dass hier nicht nur menschliche Gegner lauern, sondern etwas weitaus Unheimlicheres. Die Atmosphäre erinnert stark an die ursprünglichen Geschichten von Robert E. Howard, in denen Horror und Fantasy eng miteinander verschmolzen.

Conan selbst wird hervorragend getroffen. Er ist kein edler Ritter, sondern ein barbarischer Überlebenskünstler. Zub zeigt ihn als intelligenten, instinktiven Kämpfer, der rohe Gewalt ebenso beherrscht wie taktisches Denken. Gerade diese Mischung macht die Figur so faszinierend.

Die Handlung entwickelt sich wie ein klassisches Fantasy-Abenteuer: geheimnisvolle Tempel, dunkle Prophezeiungen, Verrat und uralte Monster treiben die Geschichte voran. Besonders gelungen ist dabei die düstere Grundstimmung. Ständig hat man das Gefühl, dass hinter jeder Ecke Gefahr lauert.

Ivan Gils Artwork unterstützt diese Atmosphäre perfekt. Seine Monsterdesigns wirken grotesk und bedrohlich, während Kämpfe brutal und dynamisch inszeniert sind. Gleichzeitig gelingen ihm beeindruckende Fantasy-Kulissen voller Ruinen, Tempel und exotischer Landschaften.

Die Geschichte erfindet das Genre nicht neu, trifft aber exakt den Kern klassischer Conan-Abenteuer: rohe Gewalt, mystische Bedrohungen und eine Welt, in der Zivilisation oft korrupter erscheint als die Wildnis.

Spider-Man & Wolverine

Spider-Man & Wolverine
Autor: Jason Aaron
Zeichner: Adam Kubert
Seitenzahl: 152
Format: 17X26
19,00 €
ISBN: 9783741649509
Storys: Astonishing Spider-Man & Wolverine 1–6
Panini Verlags GmbH

Jason Aaron kombiniert zwei völlig unterschiedliche Helden zu einem wilden, temporeichen Abenteuer voller Humor und Chaos. Spider-Mans lockere Art trifft auf Wolverines brutale Ernsthaftigkeit – und genau aus diesem Kontrast zieht der Comic seine Stärke.

Die Geschichte entwickelt sich schnell zu einem verrückten Zeitreise-Abenteuer mit zahlreichen überraschenden Wendungen. Aaron gelingt es hervorragend, die Dynamik zwischen den Figuren auszuspielen. Spider-Man nervt Wolverine permanent, während Logan zunehmend die Geduld verliert.

Adam Kubert liefert fantastische Zeichnungen voller Energie und Dynamik. Action und Humor ergänzen sich perfekt, und die temporeiche Inszenierung passt ideal zum chaotischen Plot.

Der Comic nimmt sich selbst nie zu ernst und setzt klar auf Unterhaltung. Tiefgründige Charakterstudien sollte man nicht erwarten, dafür aber ein extrem unterhaltsames Buddy-Abenteuer voller kreativer Ideen.

Spider-Man & X-Men

Spider-Man & X-Men
Autor: Christos Gage
Zeichner: Mario Alberti
Seitenzahl: 104
Format: 17X26
19,00 €
ISBN: 9783741649516
Storys: X-Men and Spider-Man (2009) 1–4
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Christos Gage erzählt eine charmante Geschichte, die Spider-Man als Lehrer an der Jean Grey School zeigt. Der Fokus liegt weniger auf epischer Action als auf Charakterinteraktionen und Humor.

Besonders gelungen ist die Darstellung von Spider-Man als Mentor. Seine lockere, chaotische Art harmoniert überraschend gut mit den jungen Mutanten. Gleichzeitig entstehen immer wieder Konflikte mit Wolverine und anderen X-Men.

Mario Albertis Zeichnungen sind stilvoll und modern. Die Figuren wirken lebendig, und die Schule erhält eine sympathische Atmosphäre.

Die Geschichte ist leicht zugänglich und eignet sich hervorragend für Leser, die humorvolle Marvel-Abenteuer mögen. Große Dramatik oder weltbewegende Ereignisse stehen nicht im Mittelpunkt – stattdessen überzeugt der Band durch Herz und sympathische Figurenmomente.

Spider-Man & Fantastic Four

Spider-Man & Fantastic Four
Autor: Christos Gage
Zeichner: Cory Smith, Mario Alberti
Seitenzahl: 104
Format: 17X26
19,00 €
ISBN: 9783741649462
Storys: Spider-Man and the Fantastic Four (2010) 1-4
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Dieser Band verbindet Familiengefühl mit klassischem Superheldenabenteuer. Die Fantastic Four gehören seit jeher zu Spider-Mans wichtigsten Verbündeten, und Christos Gage versteht diese Dynamik hervorragend.

Der Comic zeigt Peter Parker weniger als einsamen Straßenhelden, sondern als Teil einer erweiterten Superheldenfamilie. Besonders die Interaktionen mit Johnny Storm sorgen für viele humorvolle Momente.

Die Geschichte kombiniert Science-Fiction, Action und emotionale Elemente sehr ausgewogen. Dabei bleibt der Ton angenehm klassisch und erinnert an ältere Marvel-Abenteuer.

Visuell überzeugt der Band mit klaren, dynamischen Zeichnungen und gelungenen Actionszenen. Fans traditioneller Marvel-Comics erhalten hier genau das, was sie erwarten: sympathische Helden, kosmische Bedrohungen und viel Herz.

Petzi: Pingo hat Geburtstag

Petzi: Pingo hat Geburtstag
Autor: Per Sanderhage
Zeichner: Thierry Capezzone
Preis: 14,00 €
Story: Petzi et l’annivPanini Verlags GmbH

Petzi gehört für mich zu jenen Comicfiguren, bei denen bereits die Namen Erinnerungen wecken: Petzi, Pelle, Pingo, Seebär und natürlich die gute alte Mary. Das ist eine Comicwelt, die keine langen Erklärungen benötigt. Man schlägt das Album auf und ist praktisch sofort wieder zu Hause.

Dabei darf man nicht vergessen, wie alt Petzi inzwischen ist. Die von Carla und Vilhelm Hansen Ende der 1940er-Jahre geschaffenen Figuren haben Generationen von Lesern begleitet. Gerade deshalb ist es schwierig, solche Klassiker Jahrzehnte später fortzuführen. Modernisiert man zu stark, verschwindet der ursprüngliche Charme. Kopiert man dagegen lediglich die alten Geschichten, stellt sich irgendwann die Frage, warum man nicht gleich die Originale liest.

Per Sanderhage und Thierry Capezzone finden meiner Meinung nach einen guten Mittelweg. Diesmal steht Pingo stärker im Mittelpunkt, denn der kleine Pinguin hat Geburtstag. Natürlich soll dieser entsprechend gefeiert werden, doch bei Petzi bleibt es nicht einfach bei Kuchen und einer gemütlichen Geburtstagsfeier. Aus der zunächst einfachen Ausgangssituation entwickelt sich schnell das nächste Abenteuer.

Genau darin liegt der Charme dieser Geschichten. Niemand versucht, Petzi plötzlich zu einem modernen Abenteuercomic mit großen dramatischen Konflikten zu machen. Das wäre vollkommen falsch. Petzi funktioniert über Freundschaft, Entdeckerlust und diese herrlich selbstverständliche Art, mit der die Figuren von einer Situation in die nächste geraten. Der Weg war bei Petzi eigentlich schon immer wichtiger als das Ziel.

Schön ist, dass Pingo diesmal etwas mehr Aufmerksamkeit bekommt. Der kleine Pinguin gehört schließlich seit den frühen Geschichten zu Petzis wichtigsten Freunden und ist aus der Gruppe genauso wenig wegzudenken wie Pelle oder Seebär. Gerade das Zusammenspiel der Figuren funktioniert weiterhin hervorragend. Jeder besitzt seine kleinen Eigenheiten, ohne dass daraus übertriebene Charakterzüge gemacht werden.

Bei einer Fortsetzung eines solchen Klassikers schaue ich allerdings zuerst auf die Zeichnungen. Ein vollkommen modernisierter Petzi wäre für mich kaum noch Petzi. Thierry Capezzone versteht das offensichtlich sehr genau. Seine Zeichnungen orientieren sich deutlich an Vilhelm Hansens klassischem Stil. Figuren, Gesichtsausdrücke, Landschaften und natürlich die Mary sind sofort vertraut. Trotzdem versucht Capezzone nicht, Hansens Strich mechanisch zu kopieren. Die Zeichnungen wirken etwas moderner und sauberer, ohne den nostalgischen Charakter der Serie zu verlieren.

Besonders schön sind wieder die vielen kleinen Details. Gute Petzi-Bilder konnte man schon früher länger betrachten, weil am Rand oder im Hintergrund immer noch etwas passierte. Auch hier lohnt es sich, nicht nur schnell den Text zu lesen, sondern sich die Zeichnungen genauer anzusehen.

Natürlich richtet sich Petzi zunächst an jüngere Leser. Ich glaube allerdings kaum, dass ausschließlich Kinder diese neuen Alben kaufen. Ein erheblicher Teil der Käufer dürfte die Figuren seit Jahrzehnten kennen. Und genau für diese Leser funktioniert „Pingo hat Geburtstag“ ebenfalls. Sanderhage und Capezzone machen daraus keinen ironischen Retro-Comic, der ständig mit seiner eigenen Vergangenheit kokettiert. Sie behandeln Petzi ernsthaft und mit Respekt vor dem Original.

Das gefällt mir besonders. Nicht jeder Klassiker muss dekonstruiert oder auf Teufel komm raus modernisiert werden. Manchmal möchte man einfach wieder mit Petzi, Pingo, Pelle und Seebär an Bord der Mary gehen und schauen, wo man diesmal landet.

Fazit: „Pingo hat Geburtstag“ erfindet Petzi nicht neu – und zum Glück versucht es das Album auch gar nicht. Per Sanderhage erzählt eine sympathische und angenehm unkomplizierte Geschichte, während Thierry Capezzone optisch genau die richtige Balance zwischen dem klassischen Vilhelm-Hansen-Stil und einer etwas moderneren Präsentation findet. Für ältere Petzi-Fans ist das ein schönes Wiedersehen, für jüngere Leser ein guter Einstieg. Und wenn man nach der letzten Seite Lust bekommt, einige der alten Petzi-Alben wieder aus dem Regal zu holen, haben die beiden eigentlich alles richtig gemacht.

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