Ledergesicht
Ledergesicht Band 2 Die Witwe
Ledergesicht Band 2 Die Witwe
Ot.: Gueule de cuir - vol. 02/3: La Veuve
Pevel, Créty, Maffre
Hardcover, 64 Seiten, farbig
€ 20,00
ISBN 978-3-949987-64-9
Zack Edition
Mit „Die Witwe“, dem zweiten Band von Ledergesicht, bauen Autor Pierre Pevel und Zeichner Stéphane Créty ihre düstere Mantel-und-Degen-Saga konsequent aus. Die Geschichte spielt im Frankreich des Jahres 1633 und verbindet historische Kulisse, politische Intrigen und klassische Abenteuerstoffe mit Elementen eines modernen Superheldencomics.
Im Frühjahr 1633 verbreitet sich im Königreich eine neue Droge namens Sarne. Ihre Wirkung ist ebenso verführerisch wie gefährlich: Sie unterdrückt den Hunger und verleiht ihren Konsumenten größere Kraft, verkürzt jedoch gleichzeitig deren Leben. Gerade unter den Armen findet die Substanz schnell Abnehmer und entwickelt sich zu einer Bedrohung, die auch die französische Staatsmacht nicht mehr ignorieren kann.
Für Kardinal Richelieu steht fest, dass der geheimnisvolle König der Gräber hinter der Verbreitung steckt. Ledergesicht verfolgt, währenddessen die Spur der Dealer und kommt unabhängig davon zum gleichen Ergebnis. Damit stehen zwei Männer plötzlich auf derselben Seite, die normalerweise kaum natürliche Verbündete wären. Im Interesse Frankreichs erscheint eine Zusammenarbeit jedoch unumgänglich.
Der König der Gräber erweist sich dabei als weit mehr als ein gewöhnlicher Verbrecher. Pevel entwickelt die bereits eingeführte Idee der verschiedenen „Könige von Paris“ weiter, die jeweils eigene Machtbereiche innerhalb der Unterwelt kontrollieren. Ledergesicht erkennt, dass er seinen Gegner kaum allein bezwingen kann, und versucht deshalb, die Könige von Paris zu vereinen und gemeinsam gegen den König der Gräber vorzugehen. Aus dem persönlichen Kampf des maskierten Helden entwickelt sich damit zunehmend ein größerer Machtkonflikt.
Besonders interessant ist die Begegnung mit Ledergesichts Vorgänger. Dieser erweist sich ausgerechnet als Vertrauter Richelieus, wodurch deutlich wird, dass die Geschichte hinter der Maske wesentlich weiter zurückreicht als zunächst angenommen. Ledergesicht ist offenbar nicht nur die Identität eines einzelnen Mannes, sondern Teil eines größeren Vermächtnisses. Pevel erweitert damit geschickt die Mythologie seiner Hauptfigur, ohne bereits alle Geheimnisse aufzudecken.
Gleichzeitig erhält Ledergesicht mit Lisa, einer Spionin des Kardinals, eine feste Partnerin. Sie wird gewissermaßen zu seinem persönlichen „Robin“, wobei sie keineswegs nur als Helferin funktioniert. Durch ihre Erfahrung als Agentin und ihre Verbindung zu Richelieu bringt sie eigene Fähigkeiten und Interessen in die Handlung ein. Dabei bleibt durchaus spannend, wem ihre Loyalität letztlich stärker gehört – dem Kardinal oder Ledergesicht.
Gerade diese Figurenkonstellation macht „Die Witwe“ interessanter als eine gewöhnliche historische Abenteuergeschichte. Richelieu verfolgt seine politischen Ziele, die Könige von Paris verteidigen ihre jeweiligen Interessen und Ledergesicht muss versuchen, ausgerechnet diese unterschiedlichen Parteien gegen einen gemeinsamen Feind zusammenzubringen.
Pevel verbindet dabei die Atmosphäre klassischer Mantel-und-Degen-Romane mit einem modernen Heldenkonzept. Durch Richelieu und das Frankreich des 17. Jahrhunderts sind Erinnerungen an Alexandre Dumas natürlich unvermeidlich, doch Ledergesicht entwickelt daraus eine eigene Welt. Der maskierte Held, sein Vorgänger, seine neue Partnerin und die beinahe mythisch überhöhten Herrscher der Pariser Unterwelt verleihen der Serie einen eigenständigen Charakter.
Stéphane Créty setzt diese Welt erneut eindrucksvoll in Szene. Sein Paris ist dunkel, schmutzig und gefährlich, geprägt vom Gegensatz zwischen höfischem Prunk und bitterer Armut. Gerade dadurch funktioniert die Geschichte um Sarne besonders gut, denn es ist nachvollziehbar, weshalb eine Substanz, die den Hunger verschwinden lässt, für die ärmere Bevölkerung eine enorme Versuchung darstellt.
Auch die Action überzeugt. Créty zeichnet Kämpfe dynamisch und übersichtlich und nutzt das großzügige Albumformat von 32 × 24 Zentimetern hervorragend aus. Seine detailreichen Kulissen und die stimmungsvolle Farbgebung verleihen dem Comic stellenweise eine ausgesprochen filmische Wirkung.
Fazit
„Ledergesicht 2 – Die Witwe“ ist eine gelungene Fortsetzung, die die im ersten Band aufgebaute Welt deutlich erweitert. Die gefährliche Droge Sarne und der Kampf gegen den König der Gräber bilden den roten Faden, während die Begegnung mit Ledergesichts Vorgänger zusätzliche Fragen über die Vergangenheit des maskierten Helden aufwirft.
Mit Lisa bekommt er zudem eine interessante Partnerin zur Seite gestellt, während sein Versuch, die Könige von Paris gegen den König der Gräber zu vereinen, den Konflikt auf eine wesentlich größere Ebene hebt.
Pevel und Créty gelingt damit eine spannende Mischung aus historischem Abenteuer, Verschwörungsthriller und Mantel-und-Degen-Geschichte mit einem Hauch Superheldenmythos. „Die Witwe“ entwickelt die Serie konsequent weiter und macht vor allem neugierig darauf, welche Rolle Ledergesichts Vorgänger, Lisa und die Könige von Paris im kommenden Kampf noch spielen werden.
Ledergesicht Band 1
Ledergesicht Band 1
Zeichner/Autor: Créty - Pevel - Maffre
Ot.: Gueule de cuir 1
20,00 €
Einband: Hardcover
Seitenzahl: 64
Format: 32 x 24 x 0,8 cm (HxBxT)
ISBN: 9783949987632
Zack Edition
Gueule de cuir entführt den Leser in eine alternative Version des 17. Jahrhunderts – ein Frankreich, das von Magie durchdrungen ist, wo Intrigen, Fechtszenen und dunkle Geheimnisse Hand in Hand gehen.
Im Zentrum steht der mysteriöse Held Gueule de cuir („Lederfratze“), ein Mann, dessen Gesicht hinter einer Maske verborgen bleibt und dessen Vergangenheit von Verrat und dunkler Magie gezeichnet ist. Als ehemaliger Musketier und Spion wird er in ein gefährliches Spiel aus Politik, Krieg und übernatürlichen Bedrohungen verwickelt, das die Zukunft des Reiches entscheiden könnte.
Pierre Pevel, bekannt für seine Les Lames du Cardinal und andere Romane mit fantastischer Historie, bleibt auch hier seiner großen Stärke treu: Er verbindet historische Genauigkeit mit phantastischen Elementen auf so natürliche Weise, dass die Grenzen zwischen realer Geschichte und Magie mühelos verschwimmen.
Gueule de cuir wirkt wie eine Hommage an klassische Mantel-und-Degen-Romane à la Dumas, ergänzt durch eine düstere, fast barocke Magie. Pevel erschafft komplexe Charaktere, insbesondere Gueule de cuir selbst: Er ist kein glatter Held, sondern eine gebrochene Figur, deren Loyalität immer wieder auf die Probe gestellt wird.
Die Dialoge sind pointiert, oft mit feiner Ironie gewürzt, und die Handlung entwickelt sich dynamisch, aber mit genug Zeit für Charakterentwicklung und atmosphärische Weltenbildung.
Stéphane Créty liefert eine herausragende visuelle Umsetzung. Seine Zeichnungen sind detailliert und atmosphärisch dicht. Besonders beeindruckend sind die prachtvollen Stadtansichten, die prächtigen Kostüme und die feinen Mimikstudien der Figuren. Crétys Panelgestaltung ist abwechslungsreich und klar – Actionsequenzen sind dynamisch, ruhige Dialoge werden durch gezielten Einsatz von Licht und Schatten verstärkt.
Das Farbschema ist überwiegend gedeckt und erdig, was der Geschichte einen passenden, leicht melancholischen Grundton verleiht. Gerade in der Darstellung von Gassen, Gasthäusern und Schlössern spürt man Crétys Liebe zum Detail.
Gueule de cuir reiht sich nahtlos ein in die Tradition hochwertiger französischer Fantasy-Comics wie Les Arcanes de Naheulbeuk oder Servitude, hebt sich aber durch seinen starken Bezug zur realen Geschichte und die raffinierte Erzählweise ab. Es ist spürbar, dass hier ein Romanautor und ein routinierter Zeichner Hand in Hand arbeiten, um eine komplexe, glaubwürdige Welt zu schaffen.
Gueule de cuir – Tome 1 ist ein fesselnder Auftakt zu einer vielversprechenden Serie: eine perfekte Mischung aus historischem Abenteuer, dunkler Fantasy und Charakterdrama. Pevels meisterhafte Erzählkunst und Crétys elegante, stimmungsvolle Zeichnungen machen diesen Comic zu einem Muss für Liebhaber von Mantel-und-Degen-Stoffen und anspruchsvoller Fantasy.