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Kin - Staffel 2

KIN - Familie ist eine tödliche Angelegenheit - Staffel 2
Regie: Tessa Hoffe, Diarmuid Goggins
Darsteller: Charlie Cox, Aidan Gillen, Clare Dunne, Maria Doyle Kennedy, Emmett J. Scanlan
Laufzeit: ca. 400 Minuten (8 × ca. 50 Minuten)
Bildformat: 1,78:1 (1920 × 1080p)
Ton: Deutsch DTS-HD 5.1, Englisch DTS-HD 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Polyband/WVG

Mit der ersten Staffel etablierte sich „Kin“ als eine der interessantesten europäischen Gangsterserien der letzten Jahre. Natürlich drängen sich Vergleiche mit „Peaky Blinders“, „Gangs of London“ oder der ebenfalls aus Irland stammenden Serie „Love/Hate“ auf. Doch „Kin“ geht einen etwas anderen Weg. Statt die Unterwelt möglichst spektakulär zu inszenieren, konzentriert sich die Serie auf eine kriminelle Familie, deren Zusammenhalt gleichzeitig ihre größte Stärke und größte Schwäche ist.
Genau diesen Ansatz führt die zweite Staffel konsequent weiter – und steigert dabei noch einmal die Intensität.
Nach dem Tod von Eamon Cunningham könnten die Kinsellas eigentlich glauben, ihren größten Gegner beseitigt zu haben. Doch im organisierten Verbrechen hinterlässt ein ausgeschalteter Konkurrent selten nur einen leeren Platz. Eamons Geschäfte reichen weit über Dublin hinaus und insbesondere seine Verbindungen zu einem türkischen Kartell werden für die Familie zum Problem.
Die Rechnung ist ebenso einfach wie brutal: Cunningham hinterließ enorme Schulden. Da die Kinsellas ihn beseitigt haben, sollen sie nun dafür geradestehen. Gleichzeitig hat Michael Kinsella einen Angehörigen der türkischen Organisation getötet, was die Situation zusätzlich verschärft.
Doch die vielleicht größte Gefahr kommt diesmal gar nicht von außen.

Bren Kinsella ist zurück
Mit der Entlassung von Bren Kinsella aus dem Gefängnis verändert sich die gesamte Dynamik der Serie.
Francis Magee spielt diesen Familienpatriarchen mit einer derart unangenehmen Präsenz, dass schon seine Anwesenheit genügt, um eine Szene kippen zu lassen. Bren muss nicht permanent schreien oder Gewalt anwenden. Man spürt bereits vorher, dass dieser Mann jederzeit dazu bereit wäre.
Er gehört zur alten Schule des organisierten Verbrechens. Für ihn bedeuten Familie, Respekt und Loyalität vor allem eines: Unterordnung.
Und genau das bringt ihn zwangsläufig mit Amanda in Konflikt.
Während Bren in Haft saß, hat sich die Familie verändert. Amanda Kinsella ist längst nicht mehr die Frau, die lediglich am Rand der Geschäfte steht. Clare Dunne entwickelt ihre Figur in dieser zweiten Staffel endgültig zur zentralen Person der Serie.
Amanda denkt strategisch, bleibt auch unter enormem Druck erstaunlich ruhig und versteht wesentlich besser als die Männer um sie herum, dass Macht nicht zwangsläufig daraus entsteht, wer am lautesten droht oder am schnellsten eine Waffe zieht.
Bren erkennt das – und genau deshalb ist Amanda für ihn gefährlich.

Eine Familie zerlegt sich selbst
Die große Stärke der zweiten Staffel besteht darin, dass sie zwei Konflikte gleichzeitig erzählt.
Auf der einen Seite steht die Bedrohung durch die türkische Organisation. Auf der anderen Seite findet innerhalb der Kinsella-Familie ein immer erbitterterer Machtkampf statt.
Dabei wird deutlich, wie tief die Schäden reichen, die Bren innerhalb seiner eigenen Familie hinterlassen hat.
Michael und Jimmy reagieren vollkommen unterschiedlich auf ihren Vater. Während Michael dessen wahres Wesen längst kennt und Distanz hält, fühlt sich Jimmy zunächst wieder zu ihm hingezogen. Für Bren ist das eine Gelegenheit, alte Machtverhältnisse wiederherzustellen.
Auch Eric, der „Viking“, gerät erneut zwischen Loyalität, eigener Unsicherheit und seinem Bedürfnis, innerhalb der Familie anerkannt zu werden.
Und dann ist da noch Frank.
Aidan Gillen war in der ersten Staffel eine der zentralen Figuren. In Staffel 2 tritt Frank zunächst deutlich zurück. Das erweist sich im Verlauf jedoch als ausgesprochen clever, denn seine Geschichte entwickelt sich langsam im Hintergrund.
Frank ist ein gebrochener Mann. Drogensucht, Depression und die permanente Angst vor seinem Bruder haben ihre Spuren hinterlassen. Gerade weil Gillen seine Figur so zurückgenommen spielt, entwickeln die späteren Ereignisse eine enorme Wirkung.

Charlie Cox und Clare Dunne
Charlie Cox ist erneut hervorragend als Michael Kinsella. Wer ihn hauptsächlich als Daredevil kennt, bekommt hier eine vollkommen andere Seite des Schauspielers zu sehen.
Michael ist kein typischer Gangsterheld. Er ist ruhig, nachdenklich und wirkt häufig beinahe introvertiert. Gleichzeitig wissen wir, wozu er fähig ist. Diese Diskrepanz macht die Figur so interessant.
Michael möchte ein besserer Vater sein und seiner Tochter ein anderes Leben ermöglichen. Doch er selbst kann dem Kreislauf aus Gewalt und Verbrechen kaum entkommen.
Noch stärker rückt allerdings Clare Dunne in den Mittelpunkt.

Amanda ist inzwischen die eigentliche Hauptfigur von „Kin“.
Ihre Entwicklung gehört zu den interessantesten Elementen der gesamten Serie. Ursprünglich durch eine persönliche Tragödie in den Konflikt hineingezogen, hat sie gelernt, die Regeln dieser Welt nicht nur zu verstehen, sondern besser zu beherrschen als viele Männer, die ihr gesamtes Leben darin verbracht haben.
Dabei macht die Serie nicht den Fehler, Amanda plötzlich zur unfehlbaren Gangsterchefin zu erklären. Sie begeht Fehler, geht enorme Risiken ein und muss improvisieren. Gerade dadurch bleibt ihre Entwicklung glaubwürdig.

Weniger Action, mehr Spannung
Wer von „Kin“ ein irisches „Gangs of London“ erwartet, dürfte auch mit Staffel 2 nicht vollständig glücklich werden.
Die Serie setzt weiterhin nicht auf permanente Schießereien.
Gewalt kommt vergleichsweise konzentriert zum Einsatz – und gerade deshalb besitzt sie Wirkung. Wenn etwas passiert, dann meistens schnell, brutal und ohne heroische Inszenierung.
Menschen sterben hier nicht spektakulär in Zeitlupe. Ein Fehler, eine falsche Entscheidung oder ein Moment der Unachtsamkeit können genügen.
Die Spannung entsteht vielmehr aus Gesprächen, Blicken und wechselnden Loyalitäten. Häufig weiß der Zuschauer längst, dass mehrere Figuren gegeneinander arbeiten, während die Beteiligten selbst nur einen Teil der Wahrheit kennen.
Besonders in der zweiten Hälfte zieht das Tempo deutlich an. Entscheidungen, die zunächst nebensächlich erscheinen, entwickeln Konsequenzen, und die verschiedenen Handlungsstränge bewegen sich zunehmend aufeinander zu.

Ein hervorragender Bösewicht
Der eigentliche Gewinn dieser Staffel ist Francis Magee als Bren.
Eamon Cunningham war in Staffel 1 ein klassischer Gangsterboss. Bren ist wesentlich unangenehmer, weil seine Bedrohung persönlicher ist.
Er kennt die Schwächen seiner Familie.
Er weiß, wen er einschüchtern, manipulieren oder gegeneinander ausspielen kann. Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass hinter seiner Vorstellung von familiärer Autorität vor allem Missbrauch und Angst stehen.
Dadurch verändert sich auch die Bedeutung des Serientitels.
„Kin“ bedeutet Verwandtschaft oder Sippe. Doch was bedeutet Familie überhaupt, wenn gerade der eigene Vater oder Bruder die größte Bedrohung darstellt?
Die Serie liefert darauf keine einfache Antwort.

Das Finale – konsequent, brutal und trotzdem offen
Ab hier leichte Spoiler zum grundsätzlichen Ausgang der Staffel.
Die achte Episode gehört zu den stärksten Folgen der bisherigen Serie.
Mehrere Konflikte werden tatsächlich abgeschlossen, während gleichzeitig genügend neue Fragen entstehen. Vor allem der Konflikt mit Bren erreicht einen Punkt, an dem klar ist, dass innerhalb der Familie keine friedliche Lösung mehr möglich ist.
Die endgültige Wendung kommt trotzdem überraschend.
Gerade weil die Staffel bestimmte Figuren lange im Hintergrund gehalten hat, funktioniert das Finale so gut. Innerhalb weniger Minuten verändern sich die Machtverhältnisse der Familie erneut.
Amanda geht letztlich als diejenige aus den Ereignissen hervor, deren Position stärker ist als jemals zuvor.
Aber ein Happy End ist das natürlich nicht.
Die Kinsellas haben zwar unmittelbare Gefahren beseitigt, doch Amanda hat inzwischen eine Position erreicht, die zwangsläufig neue Feinde schaffen wird. Dazu kommen mehrere persönliche Konflikte und Beziehungen, die keineswegs abgeschlossen sind.


Staffel 2 endet deshalb nicht mit einem klassischen Cliffhanger, aber sehr wohl mit einem deutlich offenen Ende.
Die Geschichte schreit förmlich nach einer Fortsetzung.
Und dann begann das lange Warten auf Staffel 3
Besonders ärgerlich war deshalb, dass es nach der zweiten Staffel lange so aussah, als könnte genau diese Fortsetzung niemals entstehen.
Das hatte weniger mit Einschaltquoten oder mangelndem Interesse zu tun als mit wirtschaftlichen Problemen hinter den Kulissen. Der kanadische Koproduzent BRON Studios ging 2023 in die Insolvenz. Damit geriet die Finanzierung von „Kin“ ins Wanken.
Für die Zuschauer bedeutete das jahrelange Unsicherheit.
Ausgerechnet nach einer Staffel, die zahlreiche Möglichkeiten für die weitere Geschichte eröffnet hatte, schien die Serie plötzlich beendet zu sein.
Erst im Juli 2026 kam endlich die erlösende Nachricht: RTÉ bestätigte offiziell eine dritte Staffel. Metropolitan Pictures, bereits an den ersten beiden Staffeln beteiligt, übernimmt die Produktion gemeinsam mit House of Juno.
Die Dreharbeiten beziehungsweise Produktion laufen bereits, die Ausstrahlung ist für 2027 vorgesehen.
Damit bekommt auch das offene Ende der zweiten Staffel im Nachhinein eine andere Bedeutung. Was mehrere Jahre wie ein unfreiwilliges Serienende aussah, wird nun tatsächlich zum Übergang in das nächste Kapitel.
Und dafür hat die zweite Staffel genügend Pulver bereitgelegt.

Bildqualität der Blu-ray
Technisch präsentiert sich die zweite Staffel auf Blu-ray sehr ordentlich.
Das Bild liegt in 1920 × 1080p und 1,78:1 vor und passt ausgezeichnet zur nüchternen visuellen Gestaltung der Serie.
„Kin“ ist keine Hochglanzproduktion. Dublin wird überwiegend kühl, grau und wenig romantisiert dargestellt. Wohnungen, Lagerhallen, Pubs und Straßen besitzen eine bewusst natürliche Optik.
Die Schärfe bewegt sich auf gutem bis sehr gutem HD-Niveau. Nahaufnahmen liefern saubere Hautstrukturen, Haare und Kleidung werden detailliert wiedergegeben und auch die zahlreichen dunkleren Szenen bleiben überwiegend stabil.
Gerade Gesichter profitieren von der guten Detailzeichnung.
Die Farbpalette ist bewusst zurückgenommen. Grau-, Blau- und Brauntöne dominieren, während kräftige Farben nur punktuell eingesetzt werden. Dadurch bekommt die Serie einen passenden, beinahe dokumentarischen Grundcharakter.
Beim Schwarzwert hinterlässt die Blu-ray ebenfalls einen guten Eindruck. Nachtaufnahmen und schwach beleuchtete Innenräume besitzen ordentliches Schwarz, ohne dass größere Bildbereiche vollkommen absaufen.
Eine UHD-Veröffentlichung könnte insbesondere bei Kontrastumfang und dunklen Szenen sicherlich noch etwas herausholen, doch innerhalb der Möglichkeiten einer Blu-ray gibt es wenig zu beanstanden.
Tonqualität
Sowohl die deutsche Synchronisation als auch der englische Originalton liegen in DTS-HD 5.1 vor.
Da „Kin“ stark dialogorientiert ist, spielt sich naturgemäß vieles auf der Front ab. Stimmen werden klar und verständlich über den Center wiedergegeben.
Die Surroundkanäle kommen eher atmosphärisch zum Einsatz. Straßenverkehr, Geräusche in Pubs und Clubs sowie Umgebungsgeräusche sorgen für eine angenehme räumliche Kulisse.
Wenn es zur Sache geht, kann die Abmischung allerdings durchaus dynamisch werden. Schüsse besitzen einen trockenen Nachdruck und die Musik öffnet das Klangbild deutlich.
Wer problemlos mit den teilweise kräftigen irischen Akzenten zurechtkommt, sollte zumindest einmal den englischen Originalton ausprobieren. Gerade bei Charlie Cox, Aidan Gillen, Clare Dunne und Francis Magee gehört die Sprachmelodie wesentlich zu den Figuren.
Die deutsche Synchronisation ist dennoch eine überzeugende Alternative.

Fazit
Die zweite Staffel von „Kin“ übertrifft die ohnehin schon gute erste Staffel.
Das liegt vor allem daran, dass die Serie ihre Figuren inzwischen vollständig etabliert hat und sich deshalb stärker auf die Konflikte innerhalb der Kinsella-Familie konzentrieren kann. Die äußere Bedrohung durch das türkische Kartell liefert den Rahmen, doch das eigentliche Drama spielt sich innerhalb der Familie ab.
Clare Dunne entwickelt Amanda endgültig zur faszinierendsten Figur der Serie, während Charlie Cox erneut mit seinem ausgesprochen zurückgenommenen Michael überzeugt. Aidan Gillen bekommt zunächst weniger Raum, doch gerade daraus entwickelt sich einer der wirkungsvollsten Handlungsstränge der Staffel.
Über allem steht allerdings Francis Magee als Bren Kinsella. Er ist unangenehm, brutal, manipulativ und wahrscheinlich die verstörendste Figur, die „Kin“ bislang hervorgebracht hat.
Dass Staffel 2 mit einem offenen Ende schließt, war lange besonders bitter. Mehr als drei Jahre war vollkommen unklar, ob wir erfahren würden, wie es mit Amanda, Michael und dem Kinsella-Clan weitergeht.
Inzwischen steht glücklicherweise fest: Das war noch nicht das Ende. Staffel 3 kommt 2027.
Und das ist auch gut so. Denn nach diesen acht Episoden ist die Geschichte der Kinsellas noch lange nicht zu Ende erzählt.

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