Michael (4K-UHD+Blu-ray)
Michael (4K-UHD+Blu-ray)
Regisseur: Antoine Fuqua
Darsteller: Colman Domingo, Jaafar Jackson, Miles Teller, Nia Long
Bildformat: 1.85:1 (2160p/Dolby Vision)
Filmlänge: ca. 127 Minuten
Sprachen: Deutsch, Englisch
Tonformat: Dolby Atmos
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Universal Pictures
Mit „Michael“ wagt sich Antoine Fuqua an eine der schwierigsten Musikerbiografien überhaupt. Denn bei Michael Jackson lassen sich musikalisches Genie, beispielloser Weltruhm, eine zunehmend von der Öffentlichkeit bestimmte Persönlichkeit und die Kontroversen der späteren Jahre kaum voneinander trennen. Fuqua konzentriert sich in diesem ersten Film jedoch ganz bewusst auf den Aufstieg: vom außergewöhnlich talentierten Kind und Frontmann der Jackson 5 bis zum Künstler, der schließlich zum größten Popstar seiner Zeit wird.
Dass ausgerechnet Antoine Fuqua die Regie übernahm, weckte hohe Erwartungen. Mit Filmen wie Training Day, The Equalizer oder Southpaw hat Fuqua immer wieder bewiesen, dass er große, publikumswirksame Inszenierungen mit charakterlichen Konflikten verbinden kann. Genau diese Qualitäten sind auch hier zu erkennen. „Michael“ ist kein nüchternes Biopic, sondern großes, emotionales Hollywoodkino. Fuqua besitzt ein hervorragendes Gespür für Bilder, Musik und Dynamik und versteht es, Jacksons Aufstieg als beinahe überwältigendes Erlebnis zu inszenieren.
Im Zentrum steht Jaafar Jackson, der als Neffe Michael Jacksons natürlich eine besondere Ausgangsposition besitzt. Doch seine Leistung nur auf die familiäre Ähnlichkeit zu reduzieren, wäre ungerecht. Besonders in den Bühnenmomenten entsteht eine erstaunliche Illusion. Bewegungen, Körperhaltung, Gestik und Mimik wirken nicht wie eine bloße Imitation. Jaafar Jackson vermittelt vielmehr glaubhaft jene Mischung aus Perfektionismus, Verletzlichkeit und fast obsessivem künstlerischem Ehrgeiz, die für Michael Jackson charakteristisch war.
Zu den stärksten Darstellern gehört außerdem Colman Domingo als Joe Jackson. Er macht aus dem Familienpatriarchen keine eindimensionale Schreckensfigur. Seine Härte, sein Ehrgeiz und seine autoritäre Art sind deutlich spürbar, zugleich vermittelt Domingo aber auch, woher dieser unerbittliche Wille zum Erfolg kommt. Nia Long bildet als Katherine Jackson den emotionalen Gegenpol, während Miles Teller als Anwalt John Branca vor allem in den späteren Abschnitten an Bedeutung gewinnt.
Fuqua und Kameramann Dion Beebe präsentieren die verschiedenen Stationen von Jacksons Karriere mit enormem Aufwand. Die frühen Auftritte, Motown, die zunehmende Loslösung von der Familiengruppe und schließlich Michaels Entwicklung zum Solokünstler besitzen jeweils eine eigene visuelle Identität. Besonders die Rekonstruktionen berühmter Bühnenauftritte gehören zu den Höhepunkten. Hier geht es weniger darum, Bekanntes einfach nachzustellen, als dem Zuschauer eine Vorstellung davon zu vermitteln, welche Wirkung Jackson auf sein damaliges Publikum gehabt haben muss.
Musikalisch funktioniert der Film entsprechend hervorragend. Die bekannten Songs werden nicht lediglich als nostalgische Checkliste abgearbeitet, sondern markieren entscheidende Entwicklungsschritte. Gerade dadurch entsteht über weite Strecken ein mitreißendes Tempo, obwohl der Film mit 127 Minuten keineswegs kurz geraten ist.
Die große Schwäche: Wo bleibt die andere Seite?
So beeindruckend „Michael“ als Musikfilm funktioniert, so problematisch ist seine Perspektive als Biografie. Denn der Film zeigt nahezu ausschließlich den positiven Michael Jackson: das musikalische Wunderkind, den unter seinem Vater leidenden Sohn, den Perfektionisten, den Visionär und schließlich den Künstler, der gegen Widerstände seinen eigenen Weg geht.
Natürlich gehört all das zu Michael Jackson. Aber es ist eben nur ein Teil seiner Geschichte.
Gerade bei einer Persönlichkeit wie Jackson wäre eine wirklich große Filmbiografie erst dann vollständig, wenn sie auch jene Jahre behandelt, in denen aus dem gefeierten Superstar eine zunehmend tragische und kontroverse öffentliche Figur wurde. Seine körperliche Veränderung, die permanente Beobachtung durch Boulevardmedien, Neverland, sein zunehmend abgeschottetes Privatleben, die Vorwürfe gegen ihn, die Prozesse, die finanziellen und persönlichen Probleme sowie schließlich die Vorbereitung der „This Is It“-Konzerte und sein Tod gehören untrennbar zu seiner Geschichte.
Der Film endet jedoch, bevor er sich diesen schwierigen Themen wirklich stellen muss. Das ist dramaturgisch verständlich, hinterlässt aber einen deutlichen Beigeschmack. Ein Biopic darf Sympathie für seine Hauptfigur besitzen, sollte aber nicht zur Heldenverehrung werden.
Deshalb muss man beinahe hoffen, dass tatsächlich ein zweiter Teil folgt und dieser den Mut besitzt, die Geschichte konsequent weiterzuerzählen. Erst dann könnte aus „Michael“ die umfassende filmische Biografie werden, die dieser außergewöhnliche, aber eben auch widersprüchliche Künstler verdient. Ein zweiter Film dürfte dabei nicht einfach weitere Hits und spektakuläre Konzerte präsentieren. Er müsste sich gerade den unbequemen Kapiteln stellen und unterschiedliche Perspektiven zulassen.
Das wäre letztlich auch genau das, was man von einem Regisseur wie Antoine Fuqua erwarten darf. Fuqua ist stark genug, Figuren nicht ausschließlich in Schwarz oder Weiß zu zeichnen. Umso bedauerlicher ist es, dass ihm dieser erste Teil aufgrund seiner gewählten Perspektive kaum Gelegenheit gibt, die dunkleren Bereiche von Jacksons Leben zu untersuchen.
Als Film über Michael Jackson, den Künstler, funktioniert „Michael“ ausgezeichnet. Als vollständiges Porträt von Michael Jackson, dem Menschen, bleibt er dagegen vorerst unvollständig.
4K-UHD-Bildqualität
Technisch spielt die 4K-UHD auf ausgesprochen hohem Niveau. Der Film wurde unter anderem digital mit der Sony Venice 2 aufgenommen, daneben kamen für einzelne Sequenzen auch 16- und 35-mm-Material zum Einsatz; das Master liegt in 4K vor. (IMDb) Die UHD präsentiert den Film in 2160p im originalen Seitenverhältnis von 1,85:1 mit Dolby Vision und HDR10. (Blu-ray.com)
Die Schärfe ist ausgezeichnet. Nahaufnahmen zeigen feinste Hautstrukturen, Haare, Stoffe und Details der aufwendig rekonstruierten Kostüme. Gerade Jacksons berühmte Bühnenoutfits profitieren enorm von der höheren Auflösung. Pailletten, Leder, Metallapplikationen und unterschiedliche Stoffoberflächen besitzen eine Plastizität, die der normalen Blu-ray sichtbar überlegen ist.
Auch die Ausstattung profitiert. Studios, Bühnen, Wohnräume und die historischen Straßenszenen weisen eine enorme Detailfülle auf. Das Bild wirkt dabei erfreulich natürlich und nicht künstlich überschärft.
Eine besondere Stärke ist Dolby Vision. Die Konzertsequenzen mit ihren Scheinwerfern, Spots und teilweise extremen Helligkeitsunterschieden sind geradezu prädestiniert für HDR. Helle Lichtquellen besitzen deutlich mehr Intensität, ohne dass angrenzende Details verloren gehen. Gleichzeitig bleiben die dunklen Bereiche stabil und differenziert.
Auch die Farben überzeugen. Hauttöne erscheinen überwiegend natürlich, während Bühnenbeleuchtung, Kostüme und die wechselnden zeitgeschichtlichen Looks wesentlich kräftiger ausfallen dürfen. Besonders schön ist, dass der Film nicht durchgehend den gleichen Hochglanzlook verwendet. Die einzelnen Lebens- und Karrierephasen unterscheiden sich auch visuell voneinander.
Der Schwarzwert ist sehr gut. Dunkle Anzüge und schwarze Bühnenbereiche besitzen Tiefe, ohne Details zu verschlucken. Dadurch entsteht insbesondere während der Konzertaufnahmen eine hervorragende räumliche Wirkung. Eine aktuelle 4K-Besprechung bestätigt entsprechend die hohe Detailzeichnung, die kräftige HDR-Wirkung und die überzeugenden Schwarzwerte der UHD. (Screen-Connections)
Dolby-Atmos-Ton
Bei einem Michael-Jackson-Film ist der Ton beinahe ebenso wichtig wie das Bild – und die Dolby-Atmos-Abmischung liefert entsprechend ab.
Vor allem die Musik besitzt enorme Dynamik. Bass und Schlagzeug haben Druck, ohne die übrigen Frequenzen zuzudecken. Die Songs öffnen sich weit in den Raum, während das Publikum und die Akustik großer Veranstaltungsorte überzeugend über die Surroundkanäle verteilt werden.
Die Atmos-Ebene wird nicht permanent mit Effekten beschäftigt, sondern vor allem eingesetzt, um den Auftritten zusätzliche Größe zu verleihen. Publikum, Hallanteile und musikalische Elemente erzeugen eine glaubhafte vertikale Räumlichkeit. Gleichzeitig bleiben die Dialoge sauber und verständlich im Zentrum verankert.
Besonders bei den großen Konzertmomenten entsteht dadurch tatsächlich etwas von der Atmosphäre einer Liveveranstaltung. Wer über eine leistungsfähige Anlage verfügt, bekommt hier reichlich Gelegenheit, sie auszureizen.
Extras
Auch das Bonusmaterial fällt erfreulich umfangreich aus. „Don’t Stop ’Til You Get Enough: Das Making-of von Michael“ bildet den Mittelpunkt und beschäftigt sich mit der Entstehung der Produktion. Dazu kommen „Home Is Where His Heart Is: Hinter den Toren von Hayvenhurst“, die Verwandlungs- und Zeitrafferbeiträge zu Michael und Joe Jackson sowie „Erster Einblick“, „Die Verwandlung zu Michael“, „Vor der großen Leinwand“ und „Am Set von Michael“. Die veröffentlichten Disc-Angaben bestätigen diese Zusammenstellung. (Screen-Connections)
Gerade die Beiträge über Jaafar Jacksons Verwandlung und die Rekonstruktion der bekannten Auftritte sind sehenswert, weil sie zeigen, wie viel Arbeit nötig war, um Bilder nachzustellen, die praktisch jeder Zuschauer bereits im Gedächtnis hat.
Fazit
„Michael“ ist ein hervorragend inszeniertes, emotionales und technisch beeindruckendes Musiker-Biopic, aber noch keine vollständige Michael-Jackson-Biografie. Antoine Fuqua liefert genau jene große, kraftvolle Inszenierung, die man von ihm erwarten konnte. Jaafar Jackson überrascht mit einer bemerkenswerten Darstellung, Colman Domingo setzt als Joe Jackson einen weiteren starken Akzent, und die musikalischen Sequenzen gehören zu den Höhepunkten des Films.
Gleichzeitig bleibt der entscheidende Kritikpunkt bestehen: Dieser Michael Jackson ist beinahe ausschließlich der positive Michael Jackson. Der Film feiert das Talent, den Ehrgeiz, die Verletzlichkeit und den gigantischen Erfolg, endet aber dort, wo die Biografie komplizierter, dunkler und kontroverser wird.
Deshalb ist zu hoffen, dass ein zweiter Teil die Geschichte tatsächlich zu Ende erzählt – und dann auch den Mut besitzt, sich den schwierigen Fragen zu stellen. Erst beide Hälften zusammen könnten ein wirklich umfassendes Porträt ergeben.
Die 4K-UHD ist dagegen bereits jetzt nahezu ohne Einschränkung zu empfehlen. Das native 4K-Master, Dolby Vision, die ausgezeichnete Detailzeichnung und der kraftvolle Atmos-Ton machen die Veröffentlichung zu einer technisch erstklassigen Präsentation.